"Magic Mike XXL": Nicht ganz so groß wie angekündigt

"Magic Mike XXL": Nicht ganz so groß wie angekündigt
Mike (Channing Tatum) und seine Jungs erleben in "Magic Mike XXL" den größten Auftritt ihres Lebens © Claudette Barius/Warner Bros. Entertainment Inc.

Er ist wieder da! Magic Mike kehrt auf die Kinoleinwand zurück. Einen Mädelsabend im Kino zu verbringen, macht endlich wieder Sinn. Regisseur Gregory Jakobs hat trotz einiger Schwächen einen würdigen Nachfolger für den vielleicht erfolgreichsten Stripper-Film aller Zeiten geschaffen. Ob diese Fortsetzung allerdings nötig war, darüber lässt sich streiten.

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Handlungsarme Stripshow

Den Job als Stripper hat Mike (Channing Tatum) seit einigen Jahren an den Nagel gehängt. Tag und Nacht schuftet er, um seine Designermöbelwerkstatt zum Laufen zu bringen. Doch der große, wahr gewordene Traum von Selbstständigkeit und Selbstverwirklichung bringt auch seine Schattenseiten mit sich. Das Geld ist knapp, Mike kann kaum seinen einzigen Mitarbeiter bezahlen. Doch dann melden sich plötzlich seine alten Stripkollegen zurück. Die "King of Tampas" träumen ihrerseits von einem letzten großen Auftritt auf der anstehenden Stripper Convention in Myrtle Beach.


Gemeinsam mit Ken (Matt Bomer), Richie (Joe Manganiello), Tobias (Gabriel Iglesias), Tarzan (Kevin Nash) und Tito (Adam Rodriguez) macht sich Mike auf nach South Carolina, um ein letztes Mal die aufgeheizte Atmosphäre einer überfüllten Stripshow zu genießen und in Ein-Dollar-Noten zu baden.


Wechsel auf dem Regie-Stuhl

Der Weg dorthin ist leichte Kost. Der Vorgängerfilm "Magic Mike" stellte unter der Regie von Steven Soderbergh trotz oder gerade wegen dem Lebensstil der strippenden Männer eine Art Sozialdrama dar. Im Sequel "Magic Mike XXL" hingegen geht es nur vordergründig um das normale, alltägliche Leben und schon gar nicht um einen Existenzkampf oder die Frage nach einem Lebenssinn. Soderberghs langjähriger Assistent Gregory Jakobs verpasst dem Film als Regisseur zwar schöne Bilder, bekannte Schauspieler (unter anderem Jada Pinkett Smith als extravagante Stripclub-Besitzerin Rome und Amber Heard als rebellische Fotografin Zoe) und einen witzigen Soundtrack, eine wirkliche Handlung gibt es allerdings nicht.


Das mag auch der Grund dafür sein, warum die Schauspieler in ihren Rollen nicht wirklich ein Profil erhalten. Zwar erfährt man nebenbei von Mikes Beziehungsaus - warum ihn seine Freundin aus dem ersten Teil allerdings nicht heiraten wollte, bleibt ein Geheimnis. "Magic Mike XXL" bleibt, was die Persönlichkeiten der sechs Stripper angeht, auf der Oberfläche. Die Frage, warum Richies (Manganiello) bestes Stück aufgrund der Größe kein passendes weibliches Gegenstück finden will, gestaltet sich neben einem Unfall auf der Reise als eines der größten Probleme.


Ein paar Lacher gibt es auch

Doch abgesehen davon, dass das Sequel nichtssagender endet, als es der Anfang verspricht, hat "Magic Mike XXL" durchaus seine guten Seiten. Manche Szenen sind unerwartet komisch und lustig - wenn etwa Joe Manganiello als Richie mit einer spontanen Stripeinlage versucht, eine apathisch wirkende Tankstellen-Mitarbeiterin zum Lächeln zu bringen. Oder Channing Tatum als Mike in seiner Werkstatt plötzlich damit beginnt, ein spontanes - durchaus anzügliches - Tänzchen hinzulegen. Grandios ist auch die sehr ernsthaft geführte Diskussion über die Backstreet Boys.


Tatums sichtliche Freude am Tanzen ist ein weiterer großer Pluspunkt des Films. "Magic Mike XXL" wirkt in etwa so als hätte sich der 35-Jährige eine Fortsetzung des Tanzfilms "Step Up" gewünscht - nur mit weniger Klamotten am Leib. Wie bereits in "Step Up" und "Magic Mike" übernimmt Tatum die Aufgabe des Anführers und bewegt seine Freunde dazu, Neues zu wagen und umzudenken.


Fazit

"Magic Mike XXL" ist als reiner Frauenfilm konzipiert. Wer sich mit einem witzigen Soundtrack sowie dem Anblick durchtrainierter Sixpacks zufrieden geben kann, dafür allerdings die fehlende Handlung in Kauf nimmt, ist in der Fortsetzung des Überraschungserfolgs "Magic Mike" genau richtig. Heiße Sexszenen braucht man allerdings nicht erwarten. Bis auf die Stripshows bleibt der Film brav. Die Amerikaner sind eben doch ein prüdes Völkchen.



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