'Magic in the Moonlight' mit Emma Stone & Colin Firth: Woody Allen bleibt seiner Linie treu

'Magic in the Moonlight' von Woody Allen

Kinostart: 04.12.2014
Genre: Romantik-Komödie
Originaltitel: Magic in the Moonlight
Filmlänge: 100 Min.

4 von 5 Punkten

Was der Mond und die Sterne erzählen, fasziniert uns Menschen schon seit Anbeginn der Zeit. Kein Wunder, dass das Universum in vielen Filmen - man denke an 'The Fault in our Stars' - gerne mal für jene Fragen herhalten muss, auf die es keine Antworten gibt. Von allem Übernatürlichen schon als Kind begeistert, kramt Drehbuchautor und Regisseur Woody Allen für seine romantische Komödie 'Magic in the Moonlight' sein altbewährtes Motiv der Magie heraus - und führt damit nicht nur seine Protagonisten an der Nase herum.

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Von Laura Hatko

Wahre Cineasten wissen: Auf Woody Allen und seinen Pragmatismus ist Verlass. Ganz nach dem Motto 'Was sich einmal bewährt hat', jongliert kaum ein anderer Autorenfilmer mit derartiger Kontinuität mit wiederkehrenden Themen. Skurrile Fantasy-Elemente und Zauberei haben uns schon durch viele seiner Werke wie etwa 'Midnight in Paris' begleitet, auch begegnen uns dort immer wieder Abziehbilder bestimmter, wenn auch sehr fein gezeichneter, Standard-Charaktere. So wird schon nach wenigen Minuten von 'Magic in the Moonlight' klar: Auch die neueste Schöpfung des Regisseurs, Engländer Stanley Crawford (Colin Firth, 'A Single Man'), steht in puncto Zynismus und Pessimismus Allens Parade-Figur Alvy Singer aus dem Meisterwerk 'Der Stadtneurotiker' in Nichts nach.

Crawford tourt als berühmtester Zauberer seiner Zeit um die Welt - und weiß natürlich bestens über alle Tricks der Branche Bescheid. Als er von seinem Freund Howard Burkan, gespielt von Simon McBurney, von der jungen Wahrsagerin Sophie Baker (Emma Stone, 'Einfach zu haben') hört, die behauptet, tatsächlich übernatürliche Kräfte zu haben, steht seine Mission fest: die angebliche Spiritistin zu entlarven. Undercover reist Crawford kurzerhand an die französische Riviera, wo er die Catledge-Familie besucht, bei der sich auch die Seherin eingefunden hat: Die junge Frau soll Kontakt zum verstorbenen Vater der Familie aufnehmen. Während Crawfords rationales Kartenhaus zunehmend zu wackeln beginnt, kommt er der hübschen Sophie immer näher. Ob es ihm letztlich gelingt, die selbst ernannte Hellseherin zu demaskieren?

'Magic in the Monnlight' ist das neue Werk von Woody Allen. Woody Allen bleibt in 'Magic in the Moonlight' seinem Stil treu.

Woody Allen bleibt in 'Magic in the Moonlight' seinem Stil treu

Klingt nach einem dramaturgischen Wirrwarr - und das ist es letztlich auch. Verstärkt wird dieser Eindruck vor allem durch Allens typischen Erzählstil: Wie gewohnt werden seine Szenen von geistreichen, unterhaltsamen Dialogen beherrscht, wirken aber insgesamt ziemlich vollgepackt. Aber keine Sorge, der Schauwert bleibt trotzdem nicht auf der Strecke. Der Filmemacher weiß den Zuschauern hier und da eine Verschnaufpause zu gönnen und versetzt sie mit romantisch aufgeladenen Bildern perfekt zurück in die 1920er Jahre, in denen der Streifen spielt.

Bei der Wahl der Schauspieler bewies Allen ein ebenso glückliches Händchen: Colin Firth macht als grantiger Rationalist eine genauso gute Figur wie Emma Stone, die mit ihrem roten Schopf im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert. Obwohl die Darsteller einzeln durchaus brillieren, wollen sie im Zusammenspiel leider nicht so recht funktionieren: Ihre Liebesgeschichte kommt nicht zuletzt aufgrund des Altersunterschiedes ziemlich schwerfällig daher. Es scheint so, als wolle Allen die Beziehung der beiden eher auf eine intellektuelle als auf eine körperliche Ebene bringen. Eine Liebesstory ohne Feuerwerk - wenig befriedigend für das Publikum, aber nicht untypisch für den Regie-Altmeister.

Letztlich gelingt es Woody Allen dennoch, eine unterhaltsame Reise durch die 1920er zu inszenieren. Einige zeitlose Themen schwingen dabei stets mit: Woran können wir in unserer zunehmend rationalisierten Welt glauben? Gibt es Dinge, die sich Auge und Verstand entziehen? Allens Antwort darauf: Ja, die gibt es. So muss auch Crawford am Ende des Tages einsehen, dass sich eben nicht alles im Leben erklären lässt, erst recht nicht die Liebe. Und so zerfällt sein fein säuberlich errichtetes Kartenhaus dann letztlich doch.

Fazit: Für alle Woody Allen-Fans ein absoluter Muss-Streifen. Für den Rest eine schöne, wenn auch anspruchsvolle Abendunterhaltung.

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