Mads Mikkelsen: "Ich sah aus wie ein Idiot"

Mads Mikkelsen: "Ich sah aus wie ein Idiot"
Mads Mikkelsen ohne Locken und Schnurrbart © Richard Shotwell/Invision/AP

Mads Mikkelsen (49, "Casino Royale") ist Stammschauspieler von Dänemarks Regie-Rebell Anders Thomas Jensen (43, "Adams Äpfel"). In "Men & Chicken" wimmelt es mal wieder von schrägen Charakteren, auch bei Mikkelsen blieb kein Platz für Eitelkeit. Warum ihn das nicht störte und was er von der Diskussion um den James-Bond-Nachfolger hält, erzählte er spot on news im Interview.

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Der dänische Star im Interview

 

Sie sahen noch nie schlimmer aus als in diesem Film. War das eine Art Rebellion gegen ihren Status als Dänemarks Sexiest Man Alive?

 

Mads Mikkelsen: Nein, das verfolgt mich schon gar nicht mehr so sehr. Sagen Sie es nicht weiter, aber es gibt da draußen eine Menge junger Kerle, die als attraktiver gelten als ich. Also muss ich mich damit nicht mehr rumschlagen. Nein, der Look hat einfach zur Rolle gepasst. Wenn man einen derart nervigen Menschen wie Elias spielt, muss auch das Aussehen dazu passen. Und die Locken und der 80er-Schnurrbart sprechen eine so deutliche Sprache.

 

Was sagten Ihre Frau und Ihre Kinder zu dem Look?

 

Mikkelsen: Die dachten, dass ich wie ein Idiot aussehe, aber das denken die öfter. Ich sehe selten aus wie ich selbst, ich habe immer einen anderen Look für Projekte. Ich lasse mir nie selbst die Haare schneiden, ich warte immer, was für die nächste Rolle daraus werden soll. Aber der Look kam nicht von Anders Thomas alleine, wir Schauspieler bringen immer unsere eigenen Kommentare mit ein und erarbeiten das mit ihm zusammen.

 

Sie haben bei allen Regiearbeiten von Anders Thomas Jensen mitgearbeitet. Was reizt Sie an der Arbeit mit ihm?

 

Mikkelsen: Er ist in gewisser Weise Dr. Jekyll und Mr Hyde, denn die Drehbücher, die er für andere schreibt, sind in einem anderen Genre. Das, was er selbst dreht, macht außer ihm niemand. Er würde das von sich nie behaupten, aber ich finde, er ist einer der poetischsten Menschen, die ich kenne. Er erzählt extrem schöne Geschichten über die großen Fragen des Lebens: Leben und Tod, Gott und Satan, warum wir hier sind. Um damit davonzukommen und nicht vollkommen überheblich zu wirken, wirft er das alles in ein Universum, das total verrückt ist. Ich finde, dass das eine geniale Art des Geschichtenerzählens ist.

 

Sind Sie je schockiert von seinen Einfällen, wenn Sie eines von Jensens Drehbüchern lesen?

 

Mikkelsen: Nein. Ich bin nie schockiert. Ehrlichgesagt bin ich eher derjenige, der sagt: "Da können wir noch weiter gehen." Ich weiß, dass andere es für verrückt halten, aber ich kenne sein Universum, und ich finde es wunderschön.

 

Sie arbeiten in Hollywood und Europa. Haben Sie hier mehr Freiheit?

 

Mikkelsen: Das kann man nicht verallgemeinern. Ich arbeite seit drei Jahren an "Hannibal", und seit Ende der ersten Staffel sind wir Schauspieler die einzigen, die von Anfang an dabei waren. Also haben wir eine Menge Freiheit, eigene Ideen einzubringen. In Hollywood findet man das also auch. Aber weil wir in Europa natürlich kleinere Projekte mit weniger Geld machen, herrscht hier weniger Angst. Wenn man ein großes Budget hat, brechen mindestens fünf Produzenten in Panik aus und wollen mehr nackte Menschen oder Waffen unterbringen. Da ist es egal, was die Schauspieler sagen, es muss sich einfach verkaufen lassen.

 

Waren Sie traurig über das Aus von "Hannibal"?

 

Mikkelsen: Es kam nicht überraschend. Die Quoten waren von Beginn an kritisch, sie standen also immer kurz davor, uns abzusetzen. Wir sind dankbar, dass NBC es überhaupt gemacht hat und drei Jahre lang gesendet hat, denn es ist keine typische NBC-Show. Wenn also jetzt Schluss ist, dann hatten wir drei wunderbare Jahre mit einem sehr radikalen Projekt, und wenn es an anderer Stelle weitergeht, bin ich auch dafür bereit.

 

Wissen Sie schon, wie es weitergehen soll?

 

Mikkelsen: Ich weiß von nichts. Nur das, was in der Presse steht.

 

Würden Sie noch einmal bei einem James-Bond-Film mitspielen?

 

Mikkelsen: Ich wüsste nicht wie, sie haben mich im letzten ja umgebracht. Man soll ja niemals nie sagen, aber wenn es keinen guten Grund dafür gibt, dann nein. Ich finde, die Bond-Filme sind mit Daniel [Craig] auf einem guten Weg. Ich habe Gerüchte gehört, dass er nach dem nächsten aufhören soll. Ich bin absolut dagegen, ich finde, er ist perfekt für die Rolle. Er sollte noch mindestens zehn Jahre lang weitermachen. Er ist gut in Form - er ist noch nicht einmal 50.

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