Luxuslärm im Interview: "Wir haben uns hochgeboxt!"

Luxuslärm im Interview In Plauderlaune: die Band Luxuslärm.

Neues Album, neue Single, neuer Plattenvertrag: Luxuslärm sind mit ihrem vierten Album 'Alles was du willst' auf der Überholspur angekommen. In völliger Eigenregie schafften die fünf 2006 den nationalen Durchbruch mit dem Ohrwurm '1000 km bis zum Meer' und zeigen so eindrucksvoll, wie man es vom unbekannten Newcomer zu einer der angesagtesten Deutschrock-Formationen schafft. Im Interview verrät die Band, wie sie sich dabei treu geblieben ist.

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von Nicole Feybert

‚Alles was du willst‘ ist euer viertes Album. Was gibt es Neues darauf? Jan: Wir haben in den Jahren musikalisch viel gebastelt und mittlerweile kann man durchaus sagen, dass man einen Luxuslärm-Song am Sound erkennt. Man merkt aber deutlich, dass hier alle Bandmitglieder ihren eigenen Sound eingebracht haben. Jeder von uns hat teilweise mitgeschrieben, mitkomponiert. Man hört die harten Gitarrenriffs von unserem Hardrocker Freddy, und Chris, unser Keyboarder, kommt eigentlich mehr aus dem Elektro-Bereich, auch das hört man. Da haben wir uns früher nicht herrangetraut. Man hat aber immer noch ein Luxuslärm-Album, was modern und frisch klingt, und unsere Fans bedient, ohne sie zu enttäuschen. Jini: Wir haben das Album zusammen live in Hilversum eingespielt, wir waren alle sehr aufgeregt, weil eben jeder Ton von fünf Menschen gleichzeitig stimmen muss. Das war eine große Herausforderung, hat aber so viel Spaß gemacht, dass wir gesagt haben: Beim nächsten Album bitte wieder! Luxuslärm zwei Punkt Null (lacht)

Was macht den Unterschied für den Hörer aus, ob man alles als Band einspielt oder ob jeder einzeln aufgenommen wird? Jan: Wir sind in der Vergangenheit oft von unseren Fans angesprochen worden: "Die CD ist ja klasse, aber live ist das ein Erlebnis". Viele, die uns von '1000 km bis zum Meer' aus dem Radio kennen, denken immer, das ist so eine kleine Popgruppe, mit einer kleinen süßen Blondine am Mikro … Jini: … bin ich ja auch!! Jan: (grinst) … und wenn sie Jini live sehen und die Band dahinter, dann ist das ein ausgewachsenes Rockkonzert. Wir waren es irgendwann Leid zu hören, dass die CD "ja ganz nett" klingt und wollten den Moment eines Live-Konzerts einfangen. Die Herausforderung ist natürlich, dass du mit fünf Leuten niemals eine perfekte Aufnahme hinbekommst. Man weiß im Vorfeld, dass es nicht so perfekt wird, als wenn jeder einzeln einspielt und es mit Computer bearbeitet wird. Das war's uns aber wert, ab und zu ein paar Fehler draufzulassen, sie nicht glattzubügeln. Es ist dieses "Back to basics" Ding. Deshalb haben wir uns auch dazu entschieden, eine kleine Auflage auf Vinyl zu machen. Wir sind da total stolz drauf und haben uns alle erst mal einen Plattenspieler gekauft (lacht)

Ihr habt die Platte in acht Tagen eingespielt. Ganz schön sportlich. Steht man da nicht massiv unter Druck? Jan: Ja, total. Aber es ist halt auch eine finanzielle Geschichte. Ein tolles Studio ist nicht gerade günstig, aber du hast super Instrumente, kompetente Techniker, die Aufnahmeräume sind der Hammer, und wenn du da z.B. zwei Monate lang erstmal Kaffee trinkst und dich schön "kreativ locker machst", dann muss das irgendwie bezahlt werden. Wir haben das zu der Zeit noch alles selbst gestemmt. Unserem Produzenten haben wir damals den Vogel gezeigt, als der uns was von acht Tagen erzählt hat, aber wir haben's geschafft und sind sogar noch relativ entspannt fertig geworden. Wir haben teilweise noch im Studio Texte geschrieben. Es war auch eine coole Erfahrung, 24 Stunden am Tag ununterbrochen zusammen zu sein.

Das Video zu eurer aktuellen Single 'Einmal im Leben' erinnert stark an die Underdog-Story von 'Rocky' ... Jan: Das lag nahe. Wenn es darum geht, sich nach oben zu kämpfen, liegt natürlich die einzige Boxergeschichte, die wirklich jeder kennt, nahe. Das ist eine Story, mit der wir aufgewachsen sind, und es ist natürlich toll, eine solche Geschichte im Video mit dem eigenen Song zu hinterlegen. David: Man kann die Story auch gut auf uns beziehen. Wir haben quasi als Underdog angefangen, und uns dann von der Amateurliga hochgeboxt. Und jetzt kämpfen wir quasi mit um die Meisterschaft (lacht). Jan: Genau. Erste Runde! *ding dong* (alle lachen)

Ein großer Unterschied zum letzten Album: Ihr seid jetzt unter Vertrag. Wie kam es dazu, nachdem ihr bislang alles in Eigenregie gemacht habt – und das auch so wolltet? Jini: Es hat sich in den letzten zwei Jahren so angefühlt, als hätte man mehr mit dem Management zu tun als mit der Musik. Das ganze Marketing, die Organisation für den Livebereich, die ganze Promo, das war fast wie ein BWL-Studium. So haben wir fast das vergessen, was wir am liebsten machen, nämlich Musik. Die Kreativität ist dann nicht mehr da, weil du so viele Dinge im Kopf hast - von der Tourbus-Organisation bis zur Abrechnung. Die letzten sechs Jahre sind immer wieder Angebote reingekommen, aber für uns nicht sehr lukrativ. Wir haben gesagt, wenn wir das unterschreiben, geben wir uns und unsere Entscheidungsfreiheit komplett auf – und das ist nicht das, was wir wollen. Als dann Universal auf uns zugekommen ist, kurz nachdem wir das Album fertig hatten, haben wir einen Vertrag auf Augenhöhe geschlossen. Wir haben jetzt einen starken Partner im Rücken, der für uns da draußen ordentlich Gas geben kann.

Die Band Luxuslärm im Talk Eine echt lustige Truppe, doch die fünf von Luxuslärm haben auch hart für ihren Erfolg gearbeitet.

"Wir gehen sehr gerne raus zu den Leuten"

Mit wachsendem Erfolg werden auch die Konzerte größer. Wie schwierig wird es da, den direkten Fankontakt aufrecht zu erhalten? Jini: Das ist auf Festivals fast unmöglich geworden. Du willst ja der nachfolgenden Band Respekt zollen und nicht gleichzeitig eine Autogrammstunde machen, wenn die spielen. Bei Clubkonzerten können wir selbst bestimmen. Wir gehen sehr gerne raus zu den Leuten, um Feedback zu bekommen. Man darf niemals vergessen, dass das die Menschen sind, die dich auf deinem Weg begleitet haben. Ich finde es ganz gut, wenn man da noch ein kleines Stückchen von sich preis gibt, zu zeigen, "ich bin ganz normal und trinke jetzt eine Cola mit dir". Ich glaube, das wissen die Leute an uns zu schätzen. Irgendwann kommen vielleicht die großen Hallen, wo das nicht mehr so einfach geht. Dann muss man das exklusiver machen. Jan: Das ist immer ein Kompromiss. Auf der einen Seite ist man gerne mit den Leuten nach dem Konzert zusammen, auf der anderen Seite muss man vernünftig sein, denn wenn man vier Tage die Woche je zwei Stunden abends volles Brett spielt, davor Soundcheck und Aufbau hat, und Jini zum Schluss noch mit 1000 Leuten Fotos machen soll, ist das schon viel. Wir sind immer eine Band, die ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie 500 Autogramme gegeben hat und den anderen 500, die genauso lange gewartet haben, nicht mehr. David: Dafür versuchen wir ab jetzt aber, online mehr für die Fans zu machen. Wir lassen sie teilhaben mit Band-Cam, Fotos auf Facebook, Instagram und so. Checkt das mal (grinst).

Pflegt ihr eure Facebookseite höchstpersönlich? David: Facebook machen wir selbst. Wir posten die Bilder, schreiben die Texte dazu. Das ist uns wichtig. Wir sind eine Fan-nahe Band, und das möchten wir auch gerne bleiben. Facebook ist das Medium, wo man nah dran bleiben kann, das machen wir schon. Auf der Homepage schaffen wir das nicht mehr selbst, aber Facebook ist 100 Prozent Freddy, Chris, Jan, Jini und ich!

Werdet ihr mittlerweile auf der Straße erkannt? Jan: Ich wurde gestern im Drogeriemarkt an der Kasse erkannt. Von einer älteren Dame, die mit mir ein Foto machen wollte! Jawohl! Und ich bin nur der Schlagzeuger! (beifälliges „ooh“ der restlichen Band). Stell dir vor, Jini hätte an der Kasse gestanden … Jini: Wir wohnen ja in einem 24.000-Seelen-Dorf, und es gibt viele, die nett grüßen, und ich grüß dann auch lieb mit einem "Mensch, Hallo!" zurück und weiß oft gar nicht, wer das ist. Neulich war ich im Supermarkt, da kam einer auf mich zu und meinte "Ich muss dir unbedingt was zeigen" und zeigte mir auf seinem Handy alle Fotos, die er während eines Konzerts von mir geknipst hatte. Er ging Foto für Foto durch, und ich stand da mit meinem Frischkäse. So ist das in Letmathe. Wenn wir z.B. Oberhausen zum Shoppen sind, hörst du oft dieses "x" von "Luxuslärm" aus den leisen Gesprächen raus. Aber immer mit sehr viel Respekt. Ich persönlich habe es noch nie erlebt, dass jemand unangenehm geworden ist, die Leute sind immer höflich.

Welche Schlagzeile würdet ihr gerne mal über euch lesen? Jini: Luxuslärm rockt 1.000.000 Menschen bei Rock am Ring! David: 'Alles was du willst' bestes Rock/Pop-Album beim Echo 2014. Freddy: … bei den Grammys dann aber auch! (lacht) David: 'Alles was du willst' bekommt Gold. Jini: Platin. Doppelplatin! Jan: Die Millionäre von Luxuslärm machen Urlaub auf den Malediven (großes Gelächter)

Es gibt sicher Leute, die das mit den Millionen auch heute schon glauben … Jan: Oh ja, Jini wurde allen Ernstes von einer lokalen Moderatorin mal gefragt, was sie denn mit dem ganzen Geld anfängt. Auf welcher Jacht sie denn Urlaub macht. Wir haben todernst geantwortet, dass wir uns zwischen all den Jachten gar nicht entscheiden können und Chris dann ohne zu fragen manchmal meine nimmt und umgekehrt. David: (lacht) Aber zum Glück gibt’s ja die Geissens, die verwalten das alles für uns.

Vielen Dank für das Interview!

 
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