Luxuriöses Wohnen in luftiger Höhe

Europaviertel
Die neuen Wohntürme "Westside Tower" (l) und "Axis" (r) im Europaviertel in Frankfurt am Main. Foto: Alexander Heinl © DPA

Die einzige Skyline in Deutschland wandelt sich: In der Frankfurter City wachsen Wohnhochhäuser in kleinen Gruppen in die Höhe.

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Für den höchsten Wohnturm der Republik, den luxuriösen "Grand Tower", haben die ersten Arbeiten begonnen. Mit mindestens 172 Metern soll er das von dem amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry geplante Haus am Berliner Alexanderplatz noch überragen. Im neuen Henninger Turm (140 Meter) im Stadtteil Sachsenhausen ziehen die ersten Mieter Anfang 2017 ein. Frankfurt hat bei den Wohn-Giganten in Deutschland die Nase vorn.

Nach Einschätzung von Peter Cachola Schmal, dem Leiter des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, beschränkt sich der Trend zu Wohnhochhäusern nach asiatischem oder nordamerikanischem Vorbild noch weitgehend auf die Bankenstadt. Das Berliner Projekt am Alexanderplatz habe Realisierungsschwierigkeiten, in München seien nur kleinere Wohnhochhäuser erlaubt. In der Hamburger Hafencity sei der Wohnturm des Stuttgarter Büros Behnisch Architekten eine Ausnahme - dieser ist aber auch nur rund 60 Meter hoch.

"Der Bau von Wohnhochhäusern kostet mehr Geld. Wenn ein Projektentwickler im normalen Preissegment landen würde, dann könnten Wohnhochhäuser auch in anderen Städten mit Platzmangel interessant werden", sagt Schmal. Begünstigende Faktoren in Frankfurt: Die fünftgrößte deutsche Stadt hat bereits eine Skyline, wächst jedes Jahr um mehr als 15.000 Menschen, und die Fläche - insbesondere der Innenstadt - ist sehr klein. Inzwischen würden die erste Wohnhochhäuser im mittleren Preissegment geplant - im verkehrsgünstig gelegenen Kaiserlei-Viertel an der Grenze zu Offenbach.

Zu den markantesten Wohngebäuden, die in der City in Planung sind, gehören der "Tower 90" (90 Meter) mit hängenden Gärten und das Porsche Design Wohnhochhaus (100 Meter). Mit dem US-amerikanischen Unternehmen Tishman Speyer (Messeturm) plant erstmals ein Projektentwickler im Frankfurter Finanzdistrikt einen Wolkenkratzer, der wie in New York Wohnen, Hotels, Gewerbe und Büros unter einem Dach vereint. Und der "Grand Tower" soll auf 47 Stockwerken Platz für rund 400 Luxus-Wohnungen bieten, mit zwei Terrassen sowie Aussichtsplattform für die Bewohner in luftiger Höhe. 19.000 Euro kostet ein Quadratmeter in den obersten fünf Geschossen im Schnitt.

Benedikt Hotze vom Bund Deutscher Architekten stellt fest: "Wohnen im Hochhaus heute ist ein Prestigephänomen im hochpreisigen Eigentumswohnungsbau und unterscheidet sich damit ganz grundsätzlich von den Großsiedlungen der 1960er und 70er Jahre." Eine Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes bringen die Türme aber nicht. "Für eine Luxuswohnung, die zusätzlich auf den Markt kommt, wird kaum bezahlbarer Wohnraum an anderer Stelle frei." Dieser müsse vielmehr gebaut werden, sind sich Hotze und Zukunftsforscher Andreas Steinle einig.

"Die Wohntürme definieren das Wohnen neu", sagt Steinle. "Als ein Rundum-Sorglos-Service wie in einem Luxus-Hotel." 24-Stunden-Empfang, Paketannahme, Wäscherei-, Reinigungs- und Parkservice nennt er als Beispiele. Oft finde sich in den unteren Etagen ein Hotel, auf dessen Service die Mieter zurückgreifen könnten - vom Roomservice bis zum Schwimmbad.

Steinle, Geschäftsführer der Zukunftsinstitut Workshop GmbH, nennt neben dem weltweiten Run auf Städte auch die anhaltende Niedrigzinsphase als Triebfeder, Wohnungen in Luxustürmen zu kaufen. Hotze vom Bund Deutscher Architekten mahnt: Eine Wohnung in Berlin oder Frankfurt sei für viele Reiche aus aller Welt schick. "Sie nutzen die Wohnung aber nur ein paar Mal im Jahr, den Rest der Zeit steht sie leer." Eine Verödung des Umfelds drohe.

Die Stadt Frankfurt sollte künftig wieder strenger darauf achten, dass die Hochhäuser zur Belebung der Umgebung beitrügen, mahnt auch Schmal. "Ein geschicktes Hochhaus versucht - wie in Asien - die ersten Geschosse sehr lebendig zu halten. Wenn die Öffentlichkeit die unteren Stockwerke gut annimmt, dann verbessert dies das Hochhaus und das Viertel drum herum." Die Anbindung im Untergeschoss an den öffentlichen Verkehr wie an eine U-Bahn-Linie sei ebenfalls sehr wichtig. "Wenn dann noch eine Bar, ein Restaurant oder eine Besucherplattform in den oberen Stockwerken dazu kommen, ist das öffentliche Leben im Turm gesichert."


dpa
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