"Lügner machen mir Angst!

"Lügner machen mir Angst!
© dpa, Robert Schlesinger

Benicio del Toro: "Lügner machen mir Angst!"

Benicio del Toro scheint auf böse Rollen gebucht zu sein. Der 42-jährige Puerto-Ricaner spielt im Remake von ‚Der Wolfsmensch‘ einen Werwolf, der selbst seiner charmanten Filmpartnerin Emily Blunt im Kino noch Angst einjagt. Der Oscar-Preisträger sitzt im feinen Berliner Hotel ‚Adlon‘ neben mir und strahlt etwas aus, das einem den Atem stocken lässt. Aber kaum spricht er die ersten Worte, ist all das Coole und Unheimliche verraucht. Er erscheint nachdenklich, ein überaus charmanter Künstler, der seine Worte mit Bedacht wählt. Im Interview erzählt er über seine persönlichen Ängste, wie man mehrere Stunden in der Maske übersteht und wie er mit Gerüchten in Hollywood umgeht.

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Den Film "Wolfman" zu machen war eine Idee von Ihnen, oder?

Ja, ich bin ein großer Fan von all diesen Horrorfilmklassikern. Also habe ich die Idee an Universal heran getragen. Ich habe mich also sozusagen selbst gecastet. Jeder hat immer gesagt: Er ist ein Tier, er sieht aus wie ein Tier… Ok, dann lasst mich auch das Tier sein. (lacht)

Rick Baker hat in einem Interview gesagt, dass Sie bereits aussehen wie ein Monster. Ist das ein Kompliment?

Ich hoffe es.

Wie lange hat Ihr Werwolf-Make-Up gedauert?

Drei bis vier Stunden, aber nicht jeden Tag. Am Ende waren wir richtig gut und haben nur noch drei Stunden und 15 Minuten gebraucht. Wir haben das tatsächlich gestoppt.

Was macht man in dieser Zeit?

Die Maske wird meist im Liegen gemacht. Ich habe schnell eine Taktik entwickelt, wie ich dabei schlafen konnte. Aber der Aufwand hat mich nicht gestört.

Wie wichtig ist das Monster in dem Film?

Ich muss Rick Baker (Maskenbilder, Anmerkung der Redaktion) meinen Respekt aussprechen. Er hat den Wolfman wirklich sehr authentisch gemacht. Aber ich glaube, dass bei dem Film viel vom Look des Monsters abhängt. Nehmen wir den Frankenstein von 1932, gespielt von Boris Karloff. Zeig heute einem zehn Jahre alten Kind, das den Film niemals gesehen hat, ein Foto, und es wird die Figur erkennen. Es ist also sehr wichtig, wie das Monster in einem Film aussieht. Und ich bin sehr zufrieden mit unserem.

"Lügner machen mir Angst!
© Anita Bugge/WENN.com, AB6/HSS

Welcher Film hat Ihnen als Kind Angst eingejagt?

Ich bin in einer Zeit geboren, da gab es noch kein Kabelfernsehen und auch keine DVDs. Da haben wir schon mal Filme über einen Projektor an die Wand geworfen. Aber die haben mir nicht so eine Angst eingejagt, weil sie ohne Ton waren. Soundeffekte sind ein großer Faktor bei Gruselfilmen und schüren die Angst. Aber als ich dann das erste Mal Bela Lugosis 'Dracula‘ im Fernsehen gesehen habe, hat mich das richtig umgehauen. Bis heute macht mich der Film verrückt. Im Kino hat mir dann 'Der weiße Hai‘ Furcht eingeflößt.

Wovor fürchten Sie sich heute?

Vor Lügnern. Die machen mir wirklich Angst. Aber auch wenn ich mich selbst anlüge, werde ich zum Werwolf – mir selbst gegenüber.

Wie gehen Sie mit den Gerüchten in Hollywood um?

Um ehrlich zu sein: Ich glaube nicht an das, was geschrieben wird.

Wie war die Zusammenarbeit mit Anthony Hopkins?

Anthony war wie mein eigener Dad. Mein Vater war auch streng und besaß Waffen. Okay, das war’s dann auch mit den Parallelen. Also, ganz ehrlich: Für mich war es, als würde ein Traum wahr. Anthony verschwendet keine Energie. Er geht in eine Szene, dreht sie ab, und das war’s.

Was war spannender: Emily Blunt zu küssen oder sich in ein Biest zu verwandeln?

Emily zu küssen war mit Abstand das Spannendere. Warum? Wegen ihres Gesichts, ihres Aussehens.. und wegen … (er stockt) meinen Sie das Ernst, dass ich DAS erklären soll?

Was haben Sie sich von ihrer ersten großen Gage in Hollywood gekauft?

Ein Gemälde. Ich dachte, und jeder hat das auch gesagt: Jetzt hast du es geschafft. Aber das stimmte nicht. Nach dem Gewinn des Oscars haben auch alle gemeint: Das ist dein Durchbruch. Von wegen! Seitdem bin ich vorsichtig geworden. Aber das Gemälde hab ich immer noch – und den Kauf bereue ich auch nicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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