'Love Is All You Need' - Filmkritik

Pierce Brosnan und Trine Dyrholm
Pierce Brosnan in 'Love Is All You Need' © dpa, PROKINO Filmverleih

3,5 von 5 Punkten

Der Ex-Bond-Darsteller mimt in dieser Komödie von Susanne Bier ausnahmsweise mal nicht den gut aussehenden Charmeur, sondern ein ausgemachtes Ekelpaket – zumindest zunächst.

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Auf dem Weg zur Hochzeit seines Sohnes in Italien gerät Brosnan als Manager eines florierenden Gemüsehandels mit einer scheinbar durchgeknallten Frau (Trine Dyrholm) aneinander. Die kopflos wirkende Endvierzigerin Ida fährt im Flughafen-Parkhaus seinen schicken Wagen über den Haufen, bricht dann in Tränen aus und reißt sich die Perücke vom Kopf. Und dann müssen die beiden auch noch entdecken, dass ihre beiden Kinder einander in Italien heiraten werden (engelhaft als Idas Tochter Astrid: Molly Blixt Egelind und etwas farblos: Sebastian Jessen als Gemüsehändler-Sohn Patrick).

Was nur der Zuschauer bis dahin weiß: Die Friseurin hat nicht nur eine Brustkrebs-Operation und Chemotherapie hinter sich, sondern gerade auch ihren Handwerkergatten (extrem prollig: Kim Bodnia) in flagranti mit Nagelstudio-Tilde aus der Buchhaltung (tussig und blond-blöd: Christiane Schaumburg-Müller) erwischt. Da könnte sie wirklich ein bisschen Zuspruch gebrauchen und nicht noch einen neuen Grantler in der Familie!

Vor allem die Hauptdarsteller überzeugen

Trine Dyrholm und Pierce Brosnan
Pierce Brosnan: 'Love Is All You Need' © dpa, PROKINO Filmverleih

Natürlich werden Philip, der Zitronenmagnat, und Ida, „die kahle Frisörin“, so der viel treffendere Titel des dänischen Originals, auch im Verlauf der Hochzeitsvorbereitungen weiter aneinandergeraten – trotz der Traumkulisse des italienischen Sorrent. Erst als der Proletengatte samt seiner Büroschlampe es wagt, ebenfalls auf den Feierlichkeiten aufzukreuzen, erwärmt sich der grantige Philip langsam für die verletzte Ida. Bis hierhin wirkt manches platt, der Humor etwas zu zotig und die Story sehr vorhersehbar. Zum Glück reißt Regisseurin Susanne Bier, die nicht nur schwere Kost wie ‚Brothers‘ oder ‚Things We Lost In The Fire‘ im Repertoire hat, sondern mit Open Hearts auch schon bewies, dass sie ernste Themen wie Verlust oder Behinderung mit einer guten Portion Humor versehen kann, das Ruder noch einmal herum.

Gerade als man denkt, dass die Geschichte hier ihrem etwas zu konventionellen Ende entgegensteuert, kommt alles nochmal anders. Es ist vor allem den beiden wunderbaren Hauptdarstellern Pierce Brosnan, der hier ganz uneitel sein Wohlstandsbäuchlein spazieren führt, und seiner dänischen Kollegin Trine Dryholm, die schon in Biers ‚In einer besseren Welt‘ zu sehen war, zu verdanken, dass man hier begeistert bei der Stange bleibt und so manchen unscheinbaren oder überkandidelten (hier zu nennen: Paprika Steen) Nebendarsteller verschmerzt. Nicht der große Wurf, aber eine nette Komödie, in der es mal die älteren Semester sind, die die schönere Liebesgeschichte erleben.

Von Mireilla Zirpins

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