Lou Rhodes: Vögel, Engel und der perfekte Moment

Lou Rhodes
Die Sonne, der Wald und Lou Rhodes. Foto: Laura Williams © DPA

Kann man Songs von The xx mit Harfe spielen? Unbedingt. Lou Rhodes gelingt das Kunststück mit der Neuinterpretation des Liedes "Angels", das sie durch diesen Kunstgriff zugleich aus dem eher urbanen Raum der Londoner Minimalisten in die rurale Abgeschiedenheit verschiebt.

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Lou Rhodes hat den Coversong schon Ende 2014 als Vorbote ihres jetzt erschienenen vierten Soloalbums "Theyesandeye" veröffentlicht. Dabei bewahrt sie die kristalline Schönheit des träumerischen Originals - und speckt den eh schon kargen Song noch einmal ab - bis die Paukenschläge kommen...

Lou Rhodes schleppt biographisch noch immer das Erbe ihrer ehemaligen Band Lamb - das sie aber nie verleugnet hat - mit sich herum, wobei sie sich von dem jazzy Trip-Hop aber schon lange verabschiedet hat und ihre Wurzeln in der Folk-Musik verankert hat. Natürlich, möchte man fast sagen, lebt Lou Rhodes mit ihren zwei Kinder auch auf dem Land - in Wiltshire, wo sie auch ihr neues Album aufgenommen hat.

Während viele Neo-Folk-Künstler eher das Bodenständige in ihrer Musik betonen, klingt Lou Rhodes im Vergleich stets ein wenig abgehoben und schwebend. Ihre Stimme klingt auf "Theyesandeye" erwartungsgemäß fabelhaft: Mühelos wechselt sie zwischen laszivem und ätherischem, hellem und rauchigem Tonfall. Viel mehr als diesen wunderbaren Gesang, eine sanft gezupfte Gitarre und ein transzendierendes Harfenspiel wie bei dem Song "Hope & Glory" braucht es nicht, um dem Hörer eine Gänsehaut zu bescheren.

Manchmal wird der Sound auch etwas satter, dann kommen Piano, Streicher und vor allem ein harmonisch und himmlisch schwebender Chor dazu, der einigen Songs sogar einen leicht psychedelischen Anstrich verleiht und "Theyesandeye" mit einer verhaltenen Opulenz, reicher Palette und Konzentration auf das Wesentliche zu einem abwechslungsreichen Abenteuer werden lässt.

Eine große Naturverbundenheit spricht aus dem Album, das passenderweise mit leichtem Vogelgezwitscher beginnt. Der Song "All I Need" spiegelt wiederum einen besonders idyllischen Moment unter Bäumen wieder, den Lou Rhodes einfangen wollte: "Es ist ein einfacher Song über das Glück und einen Moment, wo alles perfekt schien", sagt sie. Wer nach solchen Moment sucht, der dürfte auch mit Lou Rhodes' neuem Album sehr, sehr glücklich werden.


dpa
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