'Lone Survivor' mit Mark Wahlberg, Taylor Kitsch und Eric Bana: Dieser Film ist nix für Zimperliche

Filmkritik zu 'Lone Survivor'
'Lone Survivor': Dieser Film ist nix für Zimperliche

3 von 5 Punkten

Schauen Sie sich den Titel gut an! Nun, was glauben Sie, wie viele Überlebende es bei dem US-Einsatz in Afghanistan, um den es in Peter Bergs Kriegsfilm geht, geben wird? Richtig: Mehr als einer wird es wohl kaum sein. Wenn man dann am Anfang des Films sieht, wie Mark Wahlberg in einem US-Helikopter reanimiert wird und die eigentliche Story mit einer „drei Tage früher“-Rückblende einsetzt, ist es auch keine Kunst zu erraten, wer am Ende der 'Lone Survivor' sein wird. Da muss das, was in den gut zwei Stunden dazwischen passiert, aber schon mächtig imposant sein, damit noch Spannung aufkommt. Und genau das ist das Problem dieses knallharten Heldenstreifens, der trotz einer Top-Besetzung mit Hollywood-Schönlingen wie Eric Bana, Emile Hirsch und Taylor Kitsch höchstens was für Militärfetischisten mit Sympathie für die Vereinigten Staaten von Amerika ist. Was geht da also schief?

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Von Mireilla Zirpins

'Hancock'-Regisseur Peter Berg setzt auf die gleiche Karte wie schon bei 'Operation Kingdom' und versucht, ein historisches verbürgtes Kriegsereignis mit den Mitteln eines Thrillers abzubilden. Das war 2007 schon nicht jedermanns Geschmack und muss es bei seinem neuesten Wurf noch viel weniger sein. Denn schon die Einführung seiner Protagonisten ist derartig testosteronlastig und von billigem Machogehabe geprägt, dass das die Zielgruppe gleich zusammenschrumpfen lässt. Eine Elitetruppe von vier US Navy Seals (Actionfilm-Veteran Mark Wahlberg, Indiefilm-Liebling Emile Hirsch aus 'Into The Wild', 'John Carter'-Darsteller und Action-Newcomer Taylor Kitsch und Robin Wrights neuer Toyboy Ben Foster, zuletzt erfolgreich mit 'The Mechanic') wird im Jahr 2005 während des Afghanistan-Kriegs von ihrem Lieutenant Commander (Ex-'Hulk' Eric Bana) für die Operation 'Red Wings' abkommandiert. Die Jungs sollen den Taliban-Führer Ahmad Shah dingfest machen und notfalls töten. Nach wenigen Minuten Film sitzen die vier auf einem Felsplateau in der afghanischen Provinz und stellen fest, dass nichts so läuft wie vorgesehen. Der Funkempfang ist oben auf dem Berg beschissen, und Shah ist keinesfalls mit einer Hand von Leuten im Tal unterwegs, sondern mit einer ganzen Armee. Und dann treffen die Soldaten noch eine fatale Fehlentscheidung, als sie ein paar Ziegenhirten wieder laufen lassen...

Berg kostet den Heldentod seiner Protagonisten richtig aus

Filmkritik zu 'Lone Survivor'
'Lone Survivor' ist ein knallharter Heldenstreifen für Militärfetischisten

Der erfahrene Zuschauer schaut in diesem Moment auf die Uhr und rechnet nach: Noch anderthalb Stunden, bis drei der vier nicht mehr zurückkommen. Puh, was soll denn da noch alles passieren? Nun, eine ganze Menge, schließlich werden die Jungs ja wie schon erwähnt mit einer großen Menge von Feinden konfrontiert. Die werden wie so gern in US-Kriegsfilmen allesamt eher gesichtslos als kajalverschmiertes Wickelmützen-Kanonenfutter gezeigt und sterben wie die Fliegen im Kugelhagel der Helden aus den Vereinigten Staaten, während die Kämpfer aus den USA ihr Blut in Nahaufnahmen in Zeitlupe verspritzen dürfen. Da krachen die Knochen hörbar, wenn die Jungs wieder und wieder Meter in die Tiefe fallen und auf Felsen aufprallen. Jeder normale Mensch hätte sich bei diesen Stürzen längst das Genick gebrochen und müsste gar nicht mehr von Taliban-Kugeln durchsiebt werden, aber Berg kostet den Heldentod seiner Protagonisten richtig aus. Schlecht inszeniert ist das Ganze nicht – aber auf jeden Fall nichts für Zartbesaitete.

Doch selbst wer der Meinung ist, dass ein Kriegsfilm mindestens so authentisch blutrünstig sein sollte wie einst Stanley Kubricks 'Full Metal Jacket', beginnt spätestens zu zweifeln, wenn am Ende eine seltsame Cover-Version von David Bowies 'Heroes' über die Fotos der 'echten' Navy Seals gelegt wird. Eine derartige Helden-Stilisierung passt nicht zu dem Anspruch, hier ein historisches Ereignis korrekt abbilden zu wollen. Zu einseitig und undifferenziert ist hier die Figurenzeichnung , zu schwarz-weiß-malerisch die Unterteilung in Gut und Böse. Freunde feurigen Geballers könnten ihre Freude an den knackig inszenierten Gefechten in 'Lone Survivor' haben, solange sie sich am offenen Patriotismus nicht stören. Für alle anderen empfiehlt sich eher ein fiktionaler Actionfilm mit tiefer angelegten Identifikationsfiguren und klassischem Spannungsbogen.

Kinostart: 20.03.2014

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