'Life' mit Robert Pattinson: Sensibles Biopic über Hollywood-Legende James Dean

Life

Kinostart: 24. September 2015
Genre: Biopic / Drama
Originaltitel: Life
Filmlänge: 112 Minuten

4,5 von 5 Punkten

Innerhalb nur weniger Jahre hat es ‘Twilight‘-Vampir Robert Pattinson geschafft, sich zu einem DER Teeniestars Hollywoods zu mausern. Doch die Zeiten, in denen der Schauspieler als blasser Blutsauger sein zumeist weibliches Publikum in die Ohnmacht trieb, sind – nachdem die letzten 'Twilight‘-Filme bereits in den Kinos liefen - schon vorbei. Jetzt hat Starfotograf Anton Corbijn den Teenie-Schwarm für seinen Film über die Leinwandikone James Dean vor die Kamera geholt – allerdings nicht (wie man es zunächst erwarten würde) für die Rolle des legendären Hollywood-Rebellen. Pattinson schlüpft in die Rolle des Fotografen Dennis Stock.

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Von Larissa Spinrad

Das neue Werk Corbijns, der mit seinem Thriller 'A Most Wanted Man' (2014) zuletzt sowohl Kritiker als auch Publikum begeisterte, erzählt auf sensible und zugleich eindringliche Weise die Geschichte hinter den unverkennbaren und berühmten schwarz-weiß Fotografien, die den so jung verstorbenen James Dean zusätzlich zu einem Mythos haben werden lassen. Wir werden zurückgeworfen in das Jahr 1955. Der 26-jährige Fotograf Dennis Stock (Robert Pattinson) lässt Frau und Sohn in New York zurück, um sich in Los Angeles zu verwirklichen. Während er um die Gunst seines Chefs John Morris (Joel Edgerton) buhlt, muss er bald ernüchtert feststellen: Die Fotografie am roten Teppich gleicht einer unbefriedigenden und heuchlerischen Fließbandarbeit.

Das soll sich ändern, als er auf einer der typischen Glamour-Partys auf den aufsteigenden Jungstar James Dean trifft (einfühlsam gespielt von Dane DeHaan, 'The Amazing Spider-Man 2'). Der junge Schauspieler, der kurz vor seinem großen Durchbruch steht, zieht ihn sofort in seinen Bann. Stock sieht in ihm die Chance, endlich seine eigene Vorstellung von Fotografie, eine Art “neue Bewegung“, zu realisieren: Weg vom Glanz und Glamour, hin zu ungekünstelten Schauplätzen, provokativ, ehrlich und direkt.

James Dean (Dane DeHaan) und Dennis Stock (Robert Pattinson). James Dean (Dane DeHaan) und Dennis Stock (Robert Pattinson). Bildquelle: SquareOne/Universum

Robert Pattinsons Filmauswahl wird immer 'arthousiger'

Die Zusammenarbeit soll beiden zu lang ersehntem Ruhm verhelfen, denn Dean, der sich bessere Rollen erhofft, ist zunächst skeptisch und fragt: “Machst du mich denn auch berühmt?“ “Ich garantiere es“, verspricht der Fotokünstler selbstbewusst – und er soll Recht behalten. Auch wenn sich sein Vorhaben schwieriger herausstellt als gedacht, begleitet er James Dean einige Tage in New York, wo ein Bild entsteht, das bis heute zu den am meisten reproduzierten Bildern der Nachkriegszeit gehört: ‘James Dean haunted Timesquare‘.

Ob mit dem Historiendrama 'Bel Ami', welches auf den gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant (1885) beruht, oder mit Werner Herzogs US-amerikanischer Filmbiographie 'Königin der Wüste' (2015): Robert Pattinson scheint das Image des charmanten 'Twilight'-Vampirs und Teenie-Idols durch eine gezielt 'arthousigere'-Rollenauswahl ablegen zu wollen. Seine aktuelle Lebensgefährtin FKA Twigs, die für ihre aufwändig inszenierten und sehr künstlerisch anmutenden Videos bekannt ist, könnte zu dieser Neu-Ausrichtung vielleicht einen Teil beigetragen haben.

Keine Frage, in ‘Life‘ überzeugt Pattinson mit seinem souveränen Spiel und geschickten Umgang mit der Kamera – hat er mit Anton Corbijn einen Regisseur im Hintergrund, der wie kaum ein anderer die internationale Musikfotografie der letzten vier Jahrzehnte geprägt hat. So erlaubt er dem Zuschauer den Blick durch die Kameralinse und lässt ihn ins Geschehen mit all seinen bunten Bildern eintauchen.

Und auch das Zusammenspiel mit Dane DeHaan könnte authentischer nicht sein, wirkt Letzterer zunächst vielleicht auch etwas zu “weich“ für die Rolle der Filmikone James Dean. Doch im Laufe der Erzählung löst man sich schnell von dem optischen Konflikt und lässt sich auf DeHaans außergewöhnliches Spiel ein. Mimik, Gestik und Sprache spiegeln den Rebellen wider, zeigen aber genauso seine verletzliche, lethargische und melancholische Seite. Nicht zuletzt durch die originalgetreuen Kostüme und die rekonstruierten Schauplätze wird die Stimmung der 1950er auf die große Leinwand zurückgebracht, was ‘Life‘ für alle Hollywood-und Fotografie-Fans zu einem absoluten Muss macht.

Bildquelle: Universum Film
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