Letztes Album von Unheilig

Unheilig
Der Graf zieht sich ins Privatleben zurück. Foto: Rolf Vennenbernd © deutsche presse agentur
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Manche Abschiede im Musikgeschäft dauern bekanntlich lange. Der von Unheilig gehört dazu.

Der Graf hat es in den vergangenen zwei Jahren fast zu einer Meisterschaft gebracht, immer wieder den eigenen Abschied zu thematisieren und sich so im Gespräch zu halten - und bei vielen Menschen für Verwunderung zu sorgen, nach dem Motto: "Unheilig? Ich dachte, die hätten längst aufgehört."

Das ganze begann damit, dass der Graf im Oktober 2014 in einem Offenen Brief an die Fans seinen Abschied ankündigte. Aber nicht für sofort, sondern für 2016. So blieb Zeit für eine ausgedehnte Abschiedstournee, bei der es anderthalb Jahre lang Abschiedskonzerte in zahlreichen Städten gab. Im September war es dann so weit: Der endgültige Abschied von der Bühne mit einem letzten Konzert in Köln.

Doch kurz vorher wandte sich der Graf erneut schriftlich an seine Fans: Es werde noch ein Abschiedsalbum geben, kündigte er an. "Von Mensch zu Mensch" heißt es.

Die Reaktionen der Fans vor dem Verkaufsstart, nachzulesen auf der Facebook-Seite von Unheilig, sind denn auch gemischt. Während viele ihre Vorfreude auf das neue Album ausdrücken, finden sich auch eine Reihe kritischer Kommentare: "Na ja Geld stinkt nicht", heißt es da zum Beispiel, oder "Das Weihnachtsgeschäft hat geöffnet. Abschied mit jede Menge Kohle."

"Dieses Album möchte ich als Mensch, Euch, meinen Fans als Menschen, widmen", schrieb der Graf in seinem Brief. "Wir waren für Euch ein letztes Mal im Studio, um mit diesem Album Unheilig nun auch musikalisch abzuschließen."

Herausgekommen ist ein Album mit 16 Titeln, die die Klangbreite von Unheilig widerspiegeln. Es gibt nachdenkliche Balladen wie das bereits ausgekoppelte "Ich würd' dich gern besuchen" oder das sehnsuchtsvolle "Mein Leben ist die Freiheit". Lieder wie "Heimatlos" schildern, dass die rasante Karriere des Grafen auch Spuren bei ihm hinterlassen hat. In eher düster anmutenden, basslastigen Songs wie "Tausend Rosen" oder "Walfänge" kommt die markante dunkle Stimme des Grafen besonders kraftvoll zum Tragen.

Im Wesentlichen orientiert sich das neue Album am Unheilig-Sound, wie ihn das breite Publikum seit dem Superhit "Geboren um zu leben" im Jahr 2010 kennt. Davor war Unheilig nur in der Gothic-Szene bekannt, der Graf trat mit Vampir-Kontaktlinsen und schwarzem Nagellack auf. Dass der aus Aachen stammende Musiker dieses Image ablegte, ist einigen Fans der ersten Stunde bis heute ein Dorn im Auge.

Doch mit der Karriere von Unheilig ging es fortan steil bergauf. Das Album "Große Freiheit" sauste auf Platz eins der deutschen Albumcharts und hielt sich dort hartnäckig. Es folgten Preise wie Echo, Bambi und Goldene Kamera. Der glatzköpfige Mann mit Gehrock und Backenbart, der als Junge stotterte und durch die Musik zurück zur Sprache fand, hatte es nach ganz oben geschafft.

Wie es dem Grafen jetzt ohne Rampenlicht geht, ist unbekannt. Für Presseauskünfte stehe er nicht mehr zur Verfügung, weil er sich eben ganz ins Privatleben zurückgezogen habe, sagt eine Sprecherin der PR-Agentur, die ihn vertritt. Als Begründung für seinen Abschied hatte der Graf angegeben, dass er mehr Zeit für seine Familie haben wolle. Allerdings plane er, in Zukunft Songs für andere Künstler zu schreiben, erläutert die Sprecherin. Also bestehen gute Chancen, auch nach seinem Abschied noch ab und zu etwas vom Grafen zu hören.


Quelle: DPA
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