Leichte Kost: "Im Rausch der Sterne"

Leichte Kost: "Im Rausch der Sterne"
Adam Jones (Bradley Cooper) ist nur dann er selbst, wenn er kochen kann © © 2015 The Weinstein Company. All Rights Reserved.

In Zeiten, in denen Streetfood-Märkte und Food-Blogger wie Shitake-Pilze aus dem Boden schießen, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch immer mehr Filme mit der hohen Kunst des Kochens auseinandersetzen. TV-Köche wie Jamie Oliver oder Gordon Ramsay bleiben nicht länger die gesichtslosen Künstler, die in der Küche ihre Meisterwerke zur Perfektion führen. Auch "Im Rausch der Sterne" führt den Zuschauer in die Welt der Sterne-Küche. Zwischen gewetzten Messern, Pfannengeklapper und zerbrochenem Geschirr erzählt Regisseur John Wells eine Geschichte, bei der einem das Wasser im Mund zusammenläuft.

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Sterne-Küche für die Augen

 

Ein Rockstar in der Küche

 

Adam Jones (Bradley Cooper) war ein Rockstar. In Paris brillierte er unter den Augen seines Mentors, datete dessen Tochter, bekam seine ersten beiden Michelin-Sterne. Doch er verfiel Alkohol und Drogen. Dann verschwand er plötzlich von Bildfläche und Arbeitsplatte. Böse Zungen munkelten, dass er tot sei. Doch Jones verbrachte drei Jahre in New Orleans, um seine selbstauferlegte Buße zu tun: eine Millionen Austern knacken.

Kaum ist er fertig, packt er seine Lederjacke und fährt nach London. Hier trifft er auf seinen alten Freund Tony (Daniel Brühl), dessen Restaurant er zu neuem Glanz und großen Ruhm verhelfen will. Mithilfe alter Freunde und neuen Komplizen kocht er jetzt gegen seinen Rivalen Reece (Matthew Rhys) und für einen dritten Michelin-Stern, die höchste Ehre der Branche.

Dabei fällt es ihm schwer, aus den alten Mustern auszubrechen, die neuen Trends der Küche zu übernehmen und Berufliches von Privatem zu trennen. Er treibt seine Mitarbeiter in den Wahnsinn, ständig auf der Suche nach neuen Kreationen und innovativen Ideen. Und dann hat er auch noch ein Auge auf seine Sous-Chefin geworfen: die alleinerziehende Helene (Sienna Miller), die ihn nicht wirklich ausstehen kann.

 

"Foodporn" über 103 Minuten

 

Wells Einblick in die Arbeitsroutine einer Nobel-Küche kann ohne zu zögern als "Foodporn" bezeichnet werden. Die Kamera fängt jedes Detail der kunstvoll garnierten Teller ein, die Leidenschaft und Präzision der Köche kommt unter der Wärmelampe zum Vorschein. Selten wurden Veilchen so liebevoll auf einem Steinbutt drapiert. Wer bei Instagram und Facebook jede eigene Mahlzeit mit einem Schnappschuss verewigt, für den ist "Im Rausch der Sterne" ein absolutes Muss.

Zuschauer, die Wells gefeierten Film "Im August in Osage County"(2014) um eine kaputte Familie kennen und lieben, könnten allerdings zu viel erwarten. Wer Ansprüche an eine tiefergehende Story mitbringt, wird enttäuscht. Nach einem vielversprechenden Aperitif driftet die Geschichte leider in Klischees ab.

Der Hauptgang punktet dank der appetitanregenden Bilder, doch das Dessert droht schnell allzu vorhersehbar zu werden. Dank einer unerwarteten Wendung bekommt das Menü eine neue Würze, die den Abgang zum Glück etwas verfeinert. "Im Rausch der Sterne" liegt weder schwer im Magen noch im Kopf: ein Feel-Good-Movie, das versucht, einem gebrochenen Mann und seinen Träumen etwas Tiefgang zu verleihen, dann aber doch an seiner Berechenbarkeit scheitert.

 

Leidenschaft in der Küche und im Kino

 

Die etwas unbefriedigende Geschichte kann man jedoch verzeihen. Das liegt vor allen an den Bildern, an denen man sich nicht satt sehen kann. "Im Rausch der Sterne" funktioniert deswegen so gut, weil man sowohl beim Film, als auch in der Küche Leidenschaft mitbringen muss. Und die erkennt man auch im Spiel der Darsteller:

Bradley Cooper (40, "American Sniper") spielt einen ignoranten Egozentriker, den man trotz allem gern haben muss. Daniel Brühl (37, "Die Frau in Gold") brilliert als Restaurantbesitzer und bester Freund, der stets mit Haltung den Katastrophen entgegen geht. Sienna Miller (33, "Foxcatcher") ist die Einzige, die ihrem Chef die Stirn bietet und ihm, im übertragenen Sinne, das Filetiermesser auf die Brust setzt. Ihr Einsatz beim Dreh wurde mit mehreren Schnitten und Verbrennungen belohnt. Doch genau davon lebt der Film: von der Authentizität der Küche.

 

Fazit

 

Wer "Im Rausch der Sterne" wie einen guten Wein erstmal atmen lässt und sich bewusst ist, dass ihn die Geschichte nicht um- oder in die Pfanne hauen wird, kann sich mit Genuss ins Kino setzen. Geschmackvoll servierte Filets, Kuchen und Salate machen auf der großen Leinwand einfach mehr Spaß. Von diesem Wohlfühl-Film wird niemand sauer aufstoßen müssen. Der Film ist in allen Rollen hochkarätig besetzt, die Passion der Küche schwappt wie eine appetitliche Duftwolke in den Zuschauerraum. Aber am wichtigsten ist: Nicht mit leerem Magen reingehen, das Knurren könnte den Sitznachbar stören!

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