Lauwarmes Fertiggericht: 'Bon Appétit'

Lauwarmes Fertiggericht: 'Bon Appétit'

In Zeiten, in denen jede noch so ereignisarme Kochshow stattliche Zuschauerzahlen aufweisen kann, müsste ein Film, in dem sich die süße Nora Tschirner als Sommelière zwischen einem Restaurantbesitzer und einem Koch entscheiden muss, eigentlich das Zeug zum Publikumsliebling haben. Doch schon beim faden Drehbuch merkt man: Viele Köche verderben den Brei.

Drei spanische Autoren (Paco Cabezas, Juan Carlos Rubio und David Pinillos) haben sich bemüht, die besten Zutaten für einen internationalen Eintopf zusammenzurühren, doch hat das Resultat den Esprit eines lauwarmen Fertiggerichts. Es fängt schon damit an, dass die Story hauptsächlich in Zürich spielt, dessen geleckte Fassaden keine wirklich sexy Filmkulisse bieten (vielleicht gab’s wenigstens Filmförderung dafür). Schweizerisch gekocht wird dort auch nicht, sondern irgendein europäischer Nouvelle-Cuisine-Einheitsbrei.

Hierhin verschlägt es den ambitionierten Jungkoch Daniel (Euro-Shooting-Star Unax Ugalde aus Spanien), der sich ein bisschen über den Schnee wundert – und über die Sommelière Hanna (Nora Tschirner), die von der wahren Liebe träumt und sich ausgerechnet vom schmierig-despotischen Restaurantchef (Herbert Knaup) hat schwängern lassen. Das bringt die aufkeimende Romanze zwischen den beiden jungen Neukollegen gleich wieder ins Stocken – es passiert wenig, gekocht wird auch kaum, und die spärliche Handlung wird meist beim Arrangieren der Tellerdeko unter der Wärmelampe von Daniel mit seinem Kollegen Hugo (gespielt vom Italiener Guilio Berruti) diskutiert. Kulinarische Sinnlichkeit kommt da nicht auf.

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Lauwarmes Fertiggericht: 'Bon Appétit'

Umso mehr Zeit hat man, die ganzen Ungereimtheiten der Geschichte zu bemerken: Was findet Hanna an dem alten Sack, der ihr Baby nicht mal will? Warum trinkt die schwangere Sommelière, die doch am besten wissen sollte, wie schädlich das für ihr Baby ist, die ganze Zeit munter Alkohol? Und warum ist die ganze Schwangerschaft über Winter – in neun Monaten darf man Jahreszeitwechsel in unserem Breitengraden voraussetzen, Zürich liegt schließlich nicht im ewigen Eis.

Auch die Schauspieler können nicht durch die Bank überzeugen. Nora Tschirner, sonst stets erfrischend und komisch auf der Leinwand, spielt zwar charmant das Mädchen, dem das Lebenskonzept noch fehlt, aber als Weinberaterin taugt sie wirklich nichts. Ihre Empfehlungen klingen auswendig gelernt. Und auch wenn Unax Ugalde einen hübsch verklemmten Protagonisten abgibt, hat es der Gemeinschaftsproduktion verschiedener EU-Staaten und –Fernsehsender nicht gut getan, das Ganze auf Englisch zu drehen und dann im Studio zu synchronisieren.

Zu viele Wermutstropfen für eine höchstens ganz nette Romanze, die vielleicht besser ausgefallen wäre, wenn man sich nicht so sehr bemüht hätte, auf den Erfolgszug der Kochsendungen aufzuspringen. Herr Ober, abräumen!

Von Mireilla Zirpins

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