Lauer Film für heiße Tage: "Summertime Blues"

Lauer Film für heiße Tage: "Summertime Blues"
© dpa, A3322 Universum Film

Von Mariana Jang

Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden Die Leidtragenden sind dabei oft die Kinder - und einer der Betroffenen ist der 15-jährige Alex (Francois Goeske) in der Teenie-Romanze ‚Summertime Blues’.

Als hätte Alex nicht schon genug mit den alltäglichen Schwierigkeiten eines pubertierenden Jungen zu kämpfen, beschließen seine Eltern Diana (Karoline Eichhorn) und Steffen (Christina Nickel) sich scheiden zu lassen. Die sensible Thematik wird schnell und mit wenig Tiefgang abgehandelt: Die Eltern haben hier den schwarzen Peter und machen falsch, was falsch zu machen ist. Während der Vater seine deutlich jüngere Sekretärin Mandy (Maja Schöne) schwängert, glänzt die Mutter mit Feinfühligkeiten der Marke „Wir sind eigentlich nur wegen dir zusammengeblieben“.

Auch Mutti hat schnell wieder einen neuen Partner: den Schauspieler Seth (Alexander Beyer). Mit ihm will sie den Sommer in England verbringen – und Alex bleibt keine andere Wahl, als widerwillig zu folgen. In England ist er schnell vom Dorfleben in der Grafschaft Kent gelangweilt. Doch das ändert sich schlagartig, als er Bekanntschaft mit der ortsansässigen Louie (Zoe Moore) macht. Als auch noch Seths Tochter Faye (Sarah Beck) aus den USA hinzustößt, ist das Gefühlschaos komplett. Erst ist die Abneigung groß, weil er Faye als Konkurrenz empfindet, doch dann entwickeln sich Gefühle zwischen Alex und dem Mädchen, das seine Stiefschwester werden könnte.

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Lauer Film für heiße Tage: "Summertime Blues"

Marie Reich gibt mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Julia Clarke ein recht bescheidenes Regiedebüt. Es wird kaum ein Klischee ausgelassen, wobei das Thema Scheidung einseitig und oberflächlich behandelt wird. Hauptdarsteller Goeske, der fünf Jahre älter als seine Filmfigur ist, passt ebenso wenig in die Rolle wie die geschwollenen Monologe, die keineswegs dem Spielalter seiner Figur entsprechen.

In oft überflüssigen Off-Kommentaren wird jeder seiner Gedanken bis ins kleinste Detail wiedergegeben, was die interpretatorische Freiheit des Zuschauers auf ein Minimum reduziert. Die aufrichtige Liebe zwischen Alex und Faye kauft man den Hauptdarstellern Goeske und Beck auch kaum ab. Es fehlt das Knistern zwischen den beiden, nicht zuletzt aufgrund von Becks bescheidener Schauspielleistung, die wohl eher in eine Daily Soap als auf die große Leinwand gehört.

Der Zuschauer wird mit einer Vielzahl von Ereignissen überhäuft, die in ihrer Gesamtheit viel zu konstruiert wirken. Alex' Auseinandersetzung mit seiner chaotischen Gefühlswelt wird ermüdend in die Länge gezogen. Mit der Zeit erfassen die emotionalen Verwirrungen letztendlich auch den Geist des Zuschauers.

Die allzu offensichtlich angestrebte Identifikation des jugendlichen Zielpublikums mit dem Protagonisten könnte allerdings trotz oder gerade wegen dieser Irrungen und Wirrungen erreicht werden. Es geht eben um zentrale Themen, die alle Teenager betreffen: das Erwachsenwerden und die erste große Liebe. ‚Summertime Blues’ richtet sich folglich an junge Leute, die sich ihre Unbeschwertheit nicht von allzu tiefgründigen Filmwerken verhageln lassen wollen. Schließlich haben wir Sommer!

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