Lady Gaga: Mit schwierigen Themen zurück nach oben?

Lady Gaga: Mit schwierigen Themen zurück nach oben?
Faible für Trophäen: Lady Gaga hat gerade erst einen Golden Globe gewonnen - nun ist sie für einen Oscar nominiert © ddp images

Eigentlich verblassen sie schon ein wenig - die Tage, in denen Lady Gaga die Pop-Queen des ganzen Planeten war. Denn in den vergangenen zwei Jahren war die 29-Jährige nicht mehr wirklich die Mysteriöse mit den großartigen Disco-Melodien und dem "Pokerface". Sondern eher eine Musikerin mit Problemen: Gagas Alben "Artpop" und "Cheek to Cheek" floppten zwar nicht - blieben aber hinter den Hit-Erwartungen zurück. Und die exzentrische Musikerin selbst sprach mehr über Depressionen, gesundheitliche Beschwerden und eine durchlittene Vergewaltigung, als - wie früher - durch ihren wilden Style aufzufallen.

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Song über Gewalt gegen Frauen

Umso bemerkenswerter ist für Lady Gaga und ihre Fans der Donnerstag (14. Januar) gewesen. Denn in Beverly Hills ist Gaga an diesem Tag erstmals für einen Oscar nominiert worden. Auch für Musiker eine echte Riesenehre. Zumal wenn echte Pop-Songs auf die Shortlist kommen, anstelle von Soundtrack-Schnipseln. Für Adele (27) war der Oscar für "Skyfall" vielleicht genau das notwendige Sprungbrett für ihren aktuellen Riesenerfolg. Vor allem aber hat Gaga die Nominierung nicht für irgendeinen Song erhalten. Sondern just für "Til It Happens To You" - ein eigentlich schwer verdauliches Stück über Verlust und häusliche Gewalt.

 

"Frau des Jahres" ist sie schon

 

Gelaufen ist der Song im Film "The Hunting Ground". Eine Doku über Fälle sexuellen Missbrauchs an US-amerikanischen Hochschulen. Songschreiberin Diane Warren (59) war auf der Suche nach einer Interpretin auf Gaga zugekommen, gerade weil die von ihren Erfahrungen mit Vergewaltigung erzählt hatte: "Sie hatte Dinge in ihrem Leben, zu denen sie einen Bezug herstellen konnte", erklärte Warren dem "Billboard"-Magazin. Und tatsächlich scheint die Sängerin alles in ihre Stimme zu legen, wenn sie singt: "Till it happens to you/you won't know/It won't be real/No It won't be real/Won't know how it feels."

In den USA wurde der Song auch für Kampagnen gegen Gewalt gegen Frauen eingesetzt. Besonders düster fiel Gagas Promo-Video aus: Beinahe schmerzhaft detailliert werden Übergriffe auf Frauen gezeigt. Warren erzählte auch, Lady Gaga sei der Track sehr nahe gegangen: "Es war eine sehr emotionale Angelegenheit für sie. Teilweise konnte sie nicht einmal mehr darüber sprechen", sagte Warren dem US-Magazin "People". Der Aufwand hat sich allerdings gelohnt. Mindestens in einer neuen öffentlichen Anerkennung, wenn schon nicht in Chartnotierungen.

Und so ist die Oscar-Chance für Lady Gaga tatsächlich ein kleiner Treppenwitz: Die Sängerin, die einige Kommentatoren wegen ihrer Schwächen schon für erledigt hielten, könnte noch stärker und mit einem neuen Image zurückkommen - weil sie sich musikalisch ihren dunkelsten Momenten gestellt hat, und eher nach innen geschaut, denn knallige Outfits angelegt hat. Erst im Dezember hatte "Billboard" Gaga zur "Frau des Jahres" gekürt. Explizit auch wegen "Til It Happens To You" und seines aufrüttelnden Videos.

 

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