Lady GaGa: “Ich habe mich immer berühmt gefühlt”

Exklusiv-Interview mit Lady Gaga
Interview mit der exentrischen Lady GaGa

Interview mit Lady Gaga

Provokant, provokanter, Lady GaGa! Sie wurde vom ’Forbes’ Magazin zur einflussreichsten Berühmtheit der Unterhaltungsindustrie gekürt und dominiert die Popwelt nicht nur mit ihrem musikalischen Talent, sondern mindestens genauso mit ihrem schrillen Auftreten. Niemals trägt sie zweimal das gleiche Outfit - was im Falle ihres unvergesslichen ’Fleischkleides’ bei den MTV Music Awards auch ratsam ist. Ihre Live-Auftritte sind spektakulär, ihre Musikvideos polarisieren. Eins scheint jedoch unbestritten: So gut wie jeder hat eine Meinung über sie. Umso gespannter waren wir, was uns beim Interview mit der derzeit berühmtesten Lady der Musikwelt wohl erwarten würde.

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von Nicole Feybert

Lady GaGa, Glückwunsch zum neuen Album! Einer der Songs hat den Titel “Scheisse” , das ist ja nicht gerade ein netter Begriff...

LG: Oh, ist das echt ein so schlimmes Wort?

Nun ja, irgendwie schon...

LG: Ich habe es im Sinne von “Scheiße, ist das gut” gemeint. Man kann es aber auch anders betrachten, im Sinne von allem Mist, der dir in den Weg gelegt wird. Den Song habe ich geschrieben, kurz nachdem ich aus Berlin abgereist bin. Den Abend vorher hatte ich eine Menge Spaß mit Freunden in einem Club namens 'Lab.Oratory'.

Ist es das einzige deutsche Wort, das du kennst?

Nein, aber ich mag es, das klingt sehr sexy. (lacht)

Du hast eine persönliche Beziehung zu Berlin, was magst du besonders?

Ich liebe die Kultur, die tollen Museen und die Kunst. Es ist sehr inspirierend dort.

Könntest du dir vorstellen, auch hier in Deutschland zu leben?

Ja, warum nicht! Ich habe viele Freunde hier. Besonders Posh, er war gemeinsam mit mir auf der 'Monster Ball'-Tour. Ich habe ihn in New York kennen gelernt, und er ist nach Berlin gezogen. Irgendwann rief ich ihn an und meinte “Beweg dich in den Flieger und mach den Backup Gesang für mich”!

Dein Auftreten und deine Outfits sind bereits legendär. Hast du nicht manchmal Angst, dass deine Musik dadurch zu sehr in den Hintergrund rückt?

Eigentlich nicht. Mit 'Born this Way' wird meine Musik mehr denn je in den Vordergrund gestellt. Mich hat es wahnsinnig gefreut, wie die Musik angekommen ist, denn ich habe sehr hart daran gearbeitet. Ich bin Musikerin, schreibe und co-produziere jeden einzelnen Song, jede Zeile, jede Melodie, jeden Mix. Es ist mir wichtig, das, woran ich glaube, auch umzusetzen und musikalisch so visionär wie möglich zu sein.

Du bist kürzlich zur Fashion-Ikone gekürt worden. Wie oft schaust du dir Bilder an und denkst “Oh Gott, was habe ich mir denn dabei gedacht?”

Ständig - die ganze Zeit! Aber das macht doch auch den Spaß daran aus, weißt du. Ich versuche immer, mich mit einer Portion Humor zu kleiden. Es geht mir weniger darum, sexy oder attraktiv zu wirken, sondern einfach um den Spaß daran.

Was war dein bislang bester Fashion-Moment?

Genau der hier! (lacht und präsentiert ihr Kleid)) Das ist ein 'Gianni Versace'- Kleid, das vorher noch nirgends zu sehen war. Ein Kleid, das vor seinem Tod genäht wurde. Die nächsten zwei Monate werde ich wohl nur Versace tragen, ich habe quasi eine Liebesbeziehung mit Donatella!

Du hast deinen Song 'Fashion for Love' deinem Freund Alexander McQueen gewidmet. Kannst du dir vorstellen, ein eigenes Fashion-Label auf den Markt zu bringen?

(lächelt geheimnisvoll) Das hoffe ich...

Wie würde die Kollektion aussehen?

Das kann ich doch nicht erzählen - jemand würde die Idee stehlen!

Stimmt es, dass du dich ohne High Heels nackt fühlst?

Ja, ich fühle mich manchmal in Klamotten nackt! Und weniger nackt, wenn ich keine anhabe... Macht das jetzt Sinn? Ich fühle mich auch ziemlich wohl in Unterwäsche oder durchsichtigen Sachen. Irgendwie ist das so!

Was findest du denn zum Beispiel an anderen attraktiv?

Ich denke nicht, dass die Art, wie ich mich selbst gebe oder kleide, das Nonplusultra ist. Ich finde, dass jeder auf eine ganz eigene Art und Weise schön ist. Darum habe ich 'Born this Way' geschrieben. Das liebe ich auch an meinen Fans, sie sind so unterschiedlich und mögen sich so, wie sie sind und haben keinerlei Ambitionen meinem Vorbild zu entsprechen. Mein eigenes Schönheitsempfinden ist zweitrangig. SIE sind die Show.

Wie sieht es mit den inneren Werten aus? Welche Charakterzüge magst du an anderen?

Freundlichkeit. Großzügigkeit. Aufrichtigkeit.

Sind das die Werte, die du als frischgebackene Patentante auch Elton Johns Baby mit auf den Weg geben wirst?

Aber sicher. Obwohl ich das gar nicht müsste, der Kleine hat großartige Eltern.

Könntest du dir vorstellen völlig unbekannt zu sein?

Ich habe mich immer berühmt gefühlt. So etwas ist in dir drin, und es kommt darauf an, in welchem Maße du es in dein Leben hereinlässt. Ich habe mich in New York City auch dann berühmt gefühlt, als ich noch ganz allein auf mich gestellt war. Als ich im Drugstore mit meinen Freunden Drinks holte und als ich dann später Shows spielte und mir gedacht habe “ich hab’s geschafft”. Und ich glaube, dass Ruhm sich heute nicht so sehr um die Aufmerksamkeit und Kameras dreht, sondern eher um den Einfluss, den so etwas möglicherweise auf meine Fans und den Rest der Welt haben kann.

Deine Fangemeinde ist in der Tat wahnsinnig groß, gibt es auch so etwas wie Groupies bei dir?

Ich mag das Wort 'Groupies' nicht sonderlich. Das beschreibt Leute, die nur herumhängen. Ich habe Fans, die mit mir um die ganze Welt reisen, eher wie Freunde oder kreative Partner. Das Wort 'Groupie' mag ich wirklich nicht... es sei denn, ich wäre David Lee Roth in den Achtzigern.

Liest du eigentlich, was die Presse und bunten Blätter so alles über dich schreiben?

Nein! Gott sei Dank nicht.

Du bist vom 'Forbes Magazin' zur einflussreichsten Prominenten der Welt ernannt worden. Hast du nicht manchmal Bedenken, dass du gar nicht mehr erfolgreicher werden kannst?

Nun, stell dir vor, du läufst einen Marathon und kommst an die Ziellinie. Dann bleibst du ja auch nicht stehen und denkst 'Oh, wenn ich die jetzt überquere, ist es vorbei'. Du läufst, so schnell du kannst, drüber. Ich stelle mir daher die Frage 'Wie viele Marathons kann ich laufen? Wie viele Träume kann ich wahr machen?'. Nicht unbedingt für mich selbst, sondern für meine Fans.

Stimmt das Gerücht, dass du bereits eine neue Tour planst?

Ja, es wird Anfang 2012 werden, aber die Proben werden schon Ende dieses Jahres beginnen.

Und das, nachdem du gerade deine lange Welttour beendet hast...

Das ist nun einmal das, was ich mache.... hm, was soll ich sonst tun? Urlaub machen? Es ist Zeit für den nächsten Marathon!

Vielen Dank für das Interview!

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