'La La Land' mit Ryan Gosling und Emma Stone: So geht perfekte Unterhaltung

Emma Stone und Ryan Gosling sind nicht Ginger Rogers und Fred Astaire, berühren aber unser Herz

Ryan Gosling ist der männliche Star, auf den sich momentan alle Frauen verständigen können. Er spielt gut, sieht gut aus – und nun singt er auch noch im nostalgischen Musical 'La La Land'. Zwar nicht besonders gut, aber ihm verzeihen wir das gern.

3,5 von 5 Sternen

Von Mireilla Zirpins 

Als erfolgloser Pianist Sebastian hupt sich Ryan Gosling in der etwas holprig choreografierten Eröffnungssequenz, einer netten Verbeugung vor dem Genre-Klassiker 'Fame', genervt durch den Stau, der die Menschen auf dem Freeway auf die Dächer ihrer Autos tanzen lässt. Aggressiv tutend braust er vorbei an der verträumten Mia (Emma Stone). Bald wird der grummelige Musiker uns – und Mia – ans Herz wachsen.

Denn diese Geschichte von zwei Künstlern, die sich in der 'City of Stars' immer wieder über den Weg laufen, die stets nur Ablehnung erfahren und sich zunächst auch gegenseitig ablehnen, lebt davon, dass sie von unten erzählt wird. Aus der Perspektive von jungen Menschen, die noch Träume haben, die mehr noch als auf die große Liebe auf den Durchbruch hoffen – in Los Angeles, in L.A., in La La Land, dem  Land aller Träume für junge Künstler.

Mia verkauft dort zwischen erfolglosen Castings Lattes in einer kleinen Bar bei den Filmstudios, Sebastian seine Seele als Keyboarder in einer Eighties-Revival-Band, die auf Hollywood-Partys Songs von A-ha spielt. Dass die beiden sich zunächst nicht riechen können und dann doch ein Paar werden, ist erwartbar und dramaturgisch keineswegs stringent herbeigeführt, doch ab dem Moment, in dem die beiden sich annähern, wird man als Zuschauer warm mit der Geschichte.

Denn es knistert gewaltig zwischen Emma Stone und Ryan Gosling. Da sieht man generös drüber hinweg, dass sie bei den musikalischen Einlagen nicht immer perfekt miteinander harmonieren – was auch daran liegen könnte, dass beide damit manchmal ganz schön gefordert sind. Die Tanzeinlagen sind nett anzusehen, jedoch eher anspruchslos, Ryan Gosling wird kein Meistersänger mehr, trifft aber die Töne. Emma Stone ist auch kein Stimmwunder, läuft in ihrem letzten Solo aber durch eine sehr emotionale Interpretation zu großartiger Form auf. Aber sie mimen ja Künstler am Beginn ihrer Karriere, da passt es zum Konzept, wenn die beiden nicht  steppen wie Ginger Rogers und Fred Astaire.

Damien Chazelle ('Whiplash', Jahrgang 1985) legt seinen dritten Musikfilm gezielt als unperfekte Hommage an seine großen Vorbilder an. Fleißig zitiert er sich durch die Filmgeschichte, lässt Ryan Gosling und Emma Stone durch Kulissen tanzen, die bewusst gemalter aussehen als die in 'Ein Amerikaner in Paris', zitiert fleißig die Künstlichkeit von Jacques Demys 'Die Mädchen von Rochefort' und die 'Regenschirme von Cherbourg'. Überzeugend ist sein 'La La Land' aber vor allem in den originellen Momenten, in denen er die fröhliche Künstlichkeit des Musicals verlässt für eine tiefe Melancholie. Da, wo er Emma Stone und Ryan Gosling spielen lässt statt zu singen, da ergreifen sie unser Herz und nehmen uns ein für dieses Musical, das sicher nicht vollkommen ist, aber einen Abend lang perfekt unterhält. Dafür wurde 'La La Land' mit sieben Golden Globes belohnt.

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