Kurzweilig, amüsant und besinnlich: Johnny Depp in ‚The Rum Diary‘

Amber Heard und Johnny Depp in 'The Rum Diary'
Amber Heard und Johnny Depp spielen gemeinsam in 'The Rum Diary' © PETER MOUNTAIN

3,5 von 5 Punkten

Nicht nur in den USA floppte Johnny Depps neuer Film ‚The Rum Diary‘, auch in Frankreich, Belgien und Schweden konnte der ‚Fluch der Karibik‘-Star als Journalist Paul Kemp sein Publikum nicht überzeugen. Vielleicht sorgen ja in Deutschland die Beziehungs-Gerüchte über Depp und seine Kollegin Amber Heard für bessere Besucherzahlen. Immerhin heißt es, die blonde Schauspielerin sei der Grund für die Trennung von Depp und seiner langjährigen Freundin Vanessa Paradis. Da wird bei den intimen Film-Szenen der beiden der ein oder andere bestimmt ein weniger genauer hinschauen…

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Puerto Rico 1960: Der nordamerikanische Journalist Paul Kemp (Johnny Depp) tritt in San Juan eine Stelle als Reporter bei einer Lokalzeitung an. Das Land ist in Aufruhr: Die puerto-ricanische Bevölkerung protestiert gegen US-Geschäftsleute, die das Land ausbeuten. Doch darüber darf Kemp nicht schreiben, denn der Herausgeber des ‚The Sun Juan Star‘ will den vornehmlich aus den Vereinigten Staaten stammenden Touristen ihren Urlaub nicht vermiesen. Also wendet sich der Journalist gemeinsam mit seinem Mitbewohner, Freund und Kollegen Sala (Michael Rispoli) den angenehmen Dingen des Lebens zu. Doch Kemp fällt es zunehmend schwerer, den Problemen des Landes gegenüber gleichgültig zu bleiben. Da nützt auch der übermäßige Rum-Konsum wenig, obwohl er dem Alkohol durchaus zugetan ist.

Als der reiche und skrupellose Geschäftsmann Sanderson (Aaron Eckhart) Kemp in ein schmutziges Bau-Geschäft verwickeln will, zieht der Journalist im letzten Moment die Reißleine. Doch dadurch wird sein Leben nicht leichter, denn die Polizei ist ihm und Sala auf den Fersen. Zudem haben sich die beiden Ärger mit einigen Puerto-Ricanern eingehandelt. Und auch die Tatsache, dass Kemp sich in Chenault (Amber Heart), Sandersons Verlobte verliebt hat, sorgt nicht für rosige Zukunftsaussichten.

Johnny Depp spielt in 'The Rum Diary' den Journalisten Paul Kemp
Johnny Depp spielt in 'The Rum Diary' den nordamerikanischen Journalisten Paul Kemp © PETER MOUNTAIN

Amber Heard schwingt als Chenault in dem auf einem Roman von Hunter S. Thompson basierenden Film ‚The Rum Diary‘ gekonnt ihre schmalen Hüften und setzt sich in Pose – übermäßiges schauspielerisches Talent ist bei der blonden Schauspielerin allerdings nicht zu entdecken. Immerhin knistert es ordentlich, als sie und Johnny Depp sich unter der Dusche zum ersten Mal küssen. Und auch sonst scheint die Chemie zwischen den beiden zu stimmen. Angeblich hat sich der Hollywood-Schönling beim Dreh zu ‚The Rum Diary‘ sogar in seine hübsche Kollegin verliebt. Sie soll sogar der Grund für die Trennung von Johnny Depp und dessen langjähriger Freundin Vanessa Paradis sein.

Und Mister Depp? Der Hollywood-Star überzeugt in der Rolle des trinkenden Journalisten, dessen anfängliche Zerrissenheit und zunehmenden Zweifel spürbar werden. Die Entwicklung vom antriebslosen und nur an seinem eigenen Vergnügen interessierten zu einem moralischen, mitfühlenden Menschen gelingt dem ‚Flucht der Karibik‘-Star ohne Probleme. Darüber hinaus sieht er gut aus, versprüht Charme und weiß auch ohne Worte zu überzeugen.

Tolle Lichtstimmungen, gedämpfte Farben und wunderschöne Landschaftsaufnahmen bringen das Flair des damaligen Puerto Rico überzeugend auf die Leinwand und lassen erahnen, wie verlockend das Land 1960 für Besucher und Investoren gewesen sein muss.

Es gibt durchaus amüsante und skurrile Momente in dem ansonsten ruhigen, besinnlichen Film. Journalist Moburg (Giovanni Ribisi), dem der selbstdestillierte Rum den Verstand geraubt hat, sorgt für einige Lacher. Auch der mit Edelsteinen besetzte Panzer einer Schildkröte oder die lautstarken Beschwörungen eines Voodoo-Zwitters amüsieren. Dann wieder macht der Film auf die Ausbeutung des damals noch unberührten Paradises und die Ausbeutung der Puerto-Ricaner aufmerksam. Regisseur Bruce Robinson scheint sich nicht ganz sicher gewesen zu sein, ob er eine Komödie oder einen sozialkritischen Film drehen wollte. Fazit: Kurzweilig, amüsant und besinnlich. Auch wenn ‚The Rum Diary‘ nicht durchgängig überzeugen kann, so ist alleine Johnny Depp den Besuch des 120 Minuten andauernden Dramas wert.

Britta Ploetner

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