Kunstauktionen nach Trump-Triumph: Gift oder Geschenk?

New Yorker Kunstauktionen
"Untitled XXV" von Willem de Kooning (Ausschnitt). Foto: Hannah Mckay © deutsche presse agentur
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Unter Künstlern ist Donald Trump alles andere als beliebt. Der Fotograf Wolfgang Tillmans veröffentlichte nach dem Sieg des Republikaners bei der US-Präsidentschaftswahl das Bild einer weinenden Freiheitsstatue beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Die britische Künstlerin Cornelia Parker sagte, sie sei "völlig geschockt", und ihr Kollege Pablo Helguera betont: "Ironischerweise ist die Relevanz und Dringlichkeit von Kunst jetzt größer denn je."

Trump selbst gilt nicht als großer Kunstkenner und -sammler, aber zum ersten Mal nach seiner für viele überraschenden Wahl wurde - nur wenige Straßenblocks von seinem Wolkenkratzer in Manhattan entfernt - der Kunstmarkt nun auf die Probe gestellt. Eigentlich hätten die traditionellen New Yorker Herbstauktionen, die immer für Rekorde gut sind, schon eine Woche früher stattfinden sollen. Um nicht mit der Wahl zu kollidieren, wurden sie aber nach hinten verschoben. Erst Brexit, dann Trump - will da noch jemand Kunst kaufen?

Es gab viele skeptische Vorhersagen, aber einige Rekorde wurden dann doch geknackt: Ein Gemälde des französischen Impressionisten Claude Monet erzielte bei Christie's umgerechnet rund 76,1 Millionen Euro und damit den höchsten je bei einer Auktion gezahlten Preis für ein Monet-Werk. Auch der Rekordpreis für ein Werk des niederländisch-amerikanischen Malers Willem de Kooning wurde bei Christie's mit umgerechnet 61,5 Millionen Euro geknackt, ebenso wie der für den britischen Maler David Hockney bei Sotheby's mit umgerechnet rund 11 Millionen Euro.

Die von den Auktionshäusern erwarteten Zahlen wurden erreicht - aber die Ziele waren tief gesteckt gewesen, teils Dutzende Millionen Dollar tiefer als die gleichen Auktionen im vergangenen Jahr. Viele Werke konnten nur zur Versteigerung gestellt werden, weil den Verkäufern im Vorfeld Preise garantiert wurden. Zahlreiche Auktionsstücke fanden keinen Abnehmer. "Es war langsam und ernüchternd", sagte der Sammler Eli Broad der "New York Times". "Der Markt ist müde."

Kaufen sei nicht das Problem, sagte Sotheby's-Chef Tad Smith dem US-Sender CNBC. "Unter Kunstsammlern war die Stimmung ziemlich gut diese Woche. Es gibt sehr viele sehr reiche Menschen aus aller Art Länder ... und sie haben viel Geld auszugeben." Das Problem seien die Verkäufer, die wegen der politisch unsicheren Lage und der Aussicht auf möglicherweise niedrigere Preise nicht verkaufen wollten, vor allem keine Top-Werke. "Das Problem in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten war, dass es nicht genug gab, was wir anbieten konnten", sagt Smith. "Wir müssen die Verkäufer überzeugen, dass die Käufer da sind - das ist die große Herausforderung."

Die Stimmung sei zögerlich, sagte auch der US-Kunstsammler J. Tomilson Hill der "New York Times". "Wenn man etwas wirklich Gutes hat, verkauft man es nicht, weil man nicht sicher ist, was man dafür bekommt." Wenn sich überhaupt noch etwas gut verkaufe, dann absolute Top-Werke. Für unbekanntere Künstler sei das eine schwierige Situation, sagt ein Bildhauer aus Brooklyn, der seinen Namen nicht nennen will. Gerade sei eine Ausstellung von ihm im New Yorker Galerieviertel Chelsea eröffnet worden. "Aber die Wahl hat da nun wirklich nicht geholfen, die Stimmung ist mies."

Trumps Triumph könnte unter Umständen aber auch gut für den US-Kunstmarkt sein, sagt Amy Cappellazzo von Sotheby's - auch wenn sie selbst nicht für ihn gestimmt habe. "Wenn man es analysiert, ist Trump wahrscheinlich besser für den Kunstmarkt." Der Republikaner hat den Reichen Steuersenkungen versprochen - das gesparte Geld könnten sie in Kunst stecken. Und selbst diejenigen, die gegen Trump waren, könnten in der Kunst Trost finden. "Bilder können wunderbar Trost spenden. Also werden die Menschen vielleicht sogar mehr Kunst haben wollen."


Quelle: DPA
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