Kritik 'Keinohrhase und Zweiohrküken' - Filmstart: 26.9.

Keinohrhase und Zweiohrküken
Immer allein: der Keinohrhase © dpa, Warner Bros.

2,5 von 5 Punkten

Was macht Til Schweiger eigentlich nicht? Er hat allerhand Werbedeals, dreht als Regisseur und Schauspieler in Deutschland und Hollywood, ist seit kurzem auch ‚Tatort‘-Kommissar und hat jetzt auch noch einen Trickfilm am Start – Regie: Til Schweiger, Drehbuch: Til Schweiger, Synchronstimmen-Hauptrolle: Til Schweiger, und in den Tierstimmen-Nebenrollen sein Freund Matthias Schweighöfer und Schweighöfers Töchterchen Emma. Man soll niemandem vorwerfen, dass er viel kann, und Til Schweiger hat viele Talente, aber dieser Trickfilm ist höchstens was für Kinder im Vorschulalter.

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Das fängt bei der extrem schlichten Story an: Unser Held Keinohrhase, der auch mit 3D-Brille leider nichts besonders hübsch animiert wirkt und optisch nur entfernt etwas mit den putzigen Plüschtieren zu tun hat, das Nora Tschirner einst in ‚Keinohrhasen‘ nähte, wird von den anderen Hasen gemobbt, weil er keine Ohren hat. Nicht mal der böse Fuchs (Stimme: Schweighöfer) will sich die Mühe machen, ihn zu jagen. Also sucht er mit allen Mitteln einen Freund, zur Not auch bei einer Partnervermittlungshotline. Da fällt ihm ein Ei vor die Füße, das er mit Inbrunst ausbrütet. Daraus schlüpft ein gelbes Fellbündel – ein Küken, das – Sie ahnten es schon – zwei Ohren hat und damit genauso ein Außenseiter ist wie der Keinohrhase. Das wird natürlich von einer Schweiger-Tochter gesprochen, in diesem Fall von der jüngsten: Emma (10).

Vor allem für Kinder gemacht

Keinohrhase und Zweiohrküken
Jetzt zu zweit: Zweiohrküken und Keinohrhase © dpa, Warner Bros.

Natürlich müssen auch noch ein paar Probleme aufgeworfen werden: Zweiohrküken bemängelt die Verpflegung im Hause Keinohrhase, denn welches Küken mümmelt schon gern Möhrchen? Dazu ist das Küken deprimiert, dass es nicht fliegen kann, und der Fuchs würde es gern zu einer leckeren Suppeneinlage verarbeiten. Probleme also, die hauptsächlich Kindergartenkindern den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Für diese Zielgruppe ist der Film goldrichtig. Die Figuren bewegen sich nicht zu schnell, die Geschichte ist einfach zu erfassen und ganz herzig, 3D-Effekte werden eher spärlich eingesetzt, und Til Schweiger nuschelt sogar mal nicht, sondern spricht so, dass ihn sogar Zweijährige auf Anhieb verstehen. Für Erwachsene ist es etwas gewöhnungsbedürftig, dass er den Titelhelden mit einer Stimme versieht, mit der man normalerweise Häschenwitze erzählt, aber sei’s drum.

Für Freunde der Animationskunst ist das alles natürlich nichts, denn selbst wenn man kein Pixar-Niveau erwartet hat, ist der Film optisch doch enttäuschend. Wer auf zotigen Humor wie in Schweigers Realfilmkomödien ‚Keinohrhasen‘ oder ‚Zweiohrküken‘ wartet, wartet vergeblich. Mit diesen Streifen hat der neue Trickfilm wirklich nur den Namen gemein. Er ist höchstens was für die Pärchen, die sich vor vier Jahren gemeinsam durch ‚Zweiohrküken‘ gekichert haben und jetzt den Nachwuchs bespaßen müssen. Und wenn der klein genug ist, wird er schon seine Freunde an ‚Keinohrhase und Zweiohrküken‘ haben.

Von Mireilla Zirpins

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