Kristen Stewart oben ohne in 'On The Road' - Filmkritik

Kristen Stewart zieht blank: 'On The Road'
'On The Road': Kristen Stewart zieht blank

3 von 5 Punkten

Dagegen waren ihre Fremdgeh-Fotos geradezu harmlos: Kristen Stewart tanzt ekstatisch, konsumiert Drogen, hält ihre nackten Brüste in die Kamera und holt auf der Frontbank eines Wagens gleich zwei Jungs auf einmal einen runter. So zügellos haben Fans der eher prüden ‚Twilight‘-Saga die Schauspielerin noch nie gesehen. Was man nicht alles macht für eine Rolle in Walter Salles ‚seriösen‘ Verfilmung von Jack Kerouacs Kultroman ‚On The Road‘! Dabei sind die Szenen in der Buchvorlage nicht halb so explizit.

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Kann man den Schlüsselroman der Beatnik-Generation überhaupt verfilmen, das Lebensgefühl der Jugendgeneration aus den späten 40ern heute noch nachvollziehen? Walter Salles (‚Dark Water‘) versucht’s – und scheitert auf hohem Niveau. Die vielen kleinen Episoden der jugendlichen Tramper-Bande, die hier porträtiert wird, hat Salles auf wenige Fahrten komprimiert und sich auf ein paar zentrale Charaktere konzentriert. Im Vordergrund steht die einseitige Freundschaft zwischen Erzähler Sal Paradise (zurückhaltend gespielt von Sam Riley aus ‚Control‘) und dem Frauenverschleißer Dean Moriarty (großartig energiegeladen: Garrett Hedlund). Dean schleppt den unter Schreibblockade leidenden Sal und seinen sensiblen Freund Carlo Marx (süß als verträumter Schwuler: Tom Sturridge) auf einen Trip quer durch die Vereinigten Staaten.

Immer mit dabei: Deans 16-jährige Ehefrau Marylou (Kristen Stewart), eine echte Schlampe, die auch auf Sal ein Auge geworfen hat. Doch auch Dean hat stets andere Frauen am Start, zum Beispiel Camille, wegen der er Marylou regelmäßig verlässt - und umgekehrt. Dean geht es nur vordergründig stets um Sex. Für Drinks, Drogen und Be-Bop-Konzerte lässt er glatt jede Frau stehen. Doch ist Dean wirklich ein treuer Freund für Sal? Kann sich Sal mit dem Konzept der freien Liebe anfreunden? Und wie lange kann man ein rastloses Reisen ohne Ziel eigentlich durchhalten?

Kleine Schwächen, aber großartige Bilder und mutige Darsteller

Dirty Dancing: Kristen Stewart in 'On The Road'
Kristen Stewarts Dirty Dancing in 'On The Road'

Diese Fragen stehen mehr als Sals Suche nach seiner Erzählerstimme im Vordergrund von Salles Interpretation des Stoffes, der die nur lose verknüpften Episoden des Buches in eine stärkere Chronologie zu pressen versucht. Die Vermischung von Realität und Fiktion geht dabei freilich komplett verloren. Es gelingt dem Regisseur immerhin, in seinem Roadmovie mit großartigen Bildern die Unwirtlichkeit des US-Mittelwestens und die piefig-angestaubte Atmosphäre der Nachkriegsgesellschaft, gegen die die Protagonisten rebellieren, stimmungsvoll einzufangen.

Wer das Buch nicht gelesen hat, wird vermutlich irritiert sein, obwohl Salles deutlich storybetonter erzählt als Kerouac. Immerhin machen die jungen Schauspieler ihre Sache gut: Kristen Stewart spielt erfolgreich gegen ihr Vampir-Image an gibt sich hemmungsloser, als man ihr zugetraut hätte. ‚Tribute von Panem‘-Star Garrett Hedlund glänzt als egomanischer Dean Moriarty, auch wenn er selten was anhat. Selbst kleine Nebenrollen sind mit Weltstars wie Viggo Mortensen oder Amy Adams besetzt. Alles in allem ein mutiger Versuch, einen sperrigen und bisher nicht verfilmten Klassiker für die Leinwand zu adaptieren, auch wenn er nicht gänzlich gelungen ist.

Von Mireilla Zirpins

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