Kreuzverhör: Sabine W. hält an schweren Vorwürfen fest

Kachelmann-Anwälte zufrieden mit der Befragung

Der Kachelmann-Prozess geht heute mit der Vernehmung des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers weiter. Dabei kommt es zum Kreuzverhör: Richter, Staatsanwalt und die Kachelmann-Anwälte befragen Sabine W. – und die 37-Jährige bleibt bei ihrer Version der Tatnacht im Februar. "Sie hält an ihren Aussagen fest", sagte Kachelmanns Verteidigerin Andrea Combé in einer Pause der nichtöffentlichen Sitzung. "Die Grundtendenz steht."

Die 37-Jährige Nebenklägerin beschuldigt Kachelmann, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe.

Sabine W. ist in der Verhandlung wieder einem immensen Druck ausgesetzt: Nachdem schon vergangene Woche neun Gutachter jede Regung in ihrem Gesicht auf einer vier Quadratmeter großen Leinwand verfolgten, stellt sich die Radiomoderatorin heute den Fragen von allen Seiten. "Natürlich sieht sie sehr angespannt aus", sagte Combé über das mutmaßliche Opfer. "Sie weiß aber, dass sie da durch muss."

Am Vormittag befragten zunächst weiterhin die drei Richter der Strafkammer die Frau. Erst anschließend erhalten Staatsanwaltschaft, Gutachter und Verteidigung die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Combé zeigte sich zufrieden mit der - wie sie sagt - sehr ausführlichen und gewissenhaften Vernehmung durch das Gericht. "Das habe ich in der Intensität in 28 Jahren noch nicht erlebt."

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"Soziopath": Bizarre Botschaft von Sabine W.

Bei ihrer Ankunft am Landgericht erregte Sabine W. Aufsehen: Um sich vor den Fotografen zu schützen, hielt sie sich ein Buch vor den Kopf. Titel: 'Der Soziopath von nebenan'. Der Untertitel lautet: 'Die Skrupellosen: ihre Lügen, Taktiken und Tricks.' Als Soziopath wird jemand bezeichnet, der psychisch nicht in der Lage ist, sich in Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen. Schwer zu glauben, dass Sabine W. mit dem bizarren Auftritt keine Botschaft mitteilen wollte.

Die Glaubwürdigkeit der ehemaligen Geliebten des Moderators ist für den Ausgang des Prozesses entscheidend, weil Aussage gegen Aussage steht. Schon in der vergangenen Woche war das mutmaßliche Opfer rund zehn Stunden lang als Zeugin vernommen worden.

Unterdessen kommt noch einmal Bewegung in die Diskussion um die Befangenheit des Gutachtern Bernd Brinkmann, der von Kachelmanns Anwälten beauftragt worden war und den das Gericht abgelehnt hatte: Inzwischen liegen weitere Untersuchungsergebnisse zu digitalen Fotos vor, die auf dem Computer der Nebenklägerin gefunden wurden. Sie hatte fast ein Jahr vor der angeblichen oder mutmaßlichen Tat Fotos von blauen Flecken auf ihren Oberschenkeln gemacht. Brinkmann hatte die Bilder als Dokumente einer "Selbststudie" gedeutet. Die Frau habe den "zeitlichen Verlauf" eines Hämatoms untersuchen wollen.

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