Kratzen, beißen, treten für den „Top Job“

Kratzen, beißen, treten für den „Top Job“

Von Mireilla Zirpins

Will man in Zeiten der Wirtschaftskrise wirklich einen Film sehen, in dem sich Mitarbeiter die Köpfe um einen Job einschlagen? Es könnte ganz schön zynisch wirken, aber wer Humor hat, kann vielleicht so mit Lachen die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust wirksam bekämpfen. Und so geben wir der Komödie „Top Job“ eine Chance. Schließlich ist „American Pie“-Beau Seann William Scott (besser bekannt als „Stifler“) in einer der Hauptrollen zu sehen, und der Mann hat bekanntlich kein Problem mit anarchistischem Humor.

Scott spielt den Supermarktangestellten Doug, der sein tristes Dasein zwischen Fleischtheke und Parkplatzaufsicht fristet. Als er endlich eine Chance wittert, zum Manager einer neuen Filiale aufzusteigen und ein spießiges Neubau-Eigenheim am Fleischgürtel von Chicago zu erwerben, kommt ihm ein anderer Kollege in die Quere. Der Neue ist angeblich Ex-Junkie, sieht seltsam aus, hat komische Angewohnheiten und kommt auch noch aus Kanada. Doug ist sich sicher: Das ist keine Konkurrenz für ihn. Aber er muss merken, dass Richard (gespielt von John C. Reilly) es schnell raus hat, sich bei den Kollegen einzuschleimen und die Geschäftsleitung auf sich aufmerksam zu machen.

- Anzeige -
Kratzen, beißen, treten für den „Top Job“

Bei Doug brennt die Sicherung durch und er eröffnet den Krieg, den Richard begeistert und mit genau so unfairen Methoden gern annimmt. Auf dem Weg zur Beförderung scheint den beiden jedes Mittel recht. Wer glaubt, dass einer der beiden bald wie Kassiererin Emily endet, die ihren Kassiererinnenjob wegen Getränkebons im Wert von 1,30 Euro verlor, irrt jedoch. Die Streiche, die sich die beiden Protagonisten spielen, sind allesamt eher in der Kategorie harmlos zu verbuchen.

Regie-Debütant Steve Conrad nimmt sich nämlich lieber Zeit für umfassende Milieuschilderungen und eine genauere Beleuchtung seiner Hauptfiguren. Das ist soweit auch löblich, nur dass er dabei völlig aus den Augen verliert, dass er eigentlich eine flotte Komödie vorlegen wollte. Die Lacher bleiben so leider ein wenig auf der Strecke, und es macht sich Langeweile breit, weil einfach zu wenig passiert. Da können sich Seann William Scott und John C. Reilly noch so abmühen – ihre Figuren sind einfach schon nicht konträr genug angelegt, um einen richtigen Konflikt ausbrechen zu lassen.

So dümpelt diese gut gemeinte Komödie etwas antriebslos vor sich hin und bietet einfach nicht genug Spaß für das Publikum von Judd-Apatow-Filmen. Schade, denn die Idee ist durchaus nett und manches sogar schön beobachtet. Aber will man in Zeiten, in denen sich so mancher Bundesbürger Sorgen um seine Arbeitsstelle macht, wirklich acht Euro dafür ausgeben, um zuzusehen, wie zwei testosterongesteuerten Kampfhähnen ihr Job nicht mehr gut genug ist?

— ANZEIGE —