Kommentar zum ESC-Eklat: Null Punkte für Andreas Kümmert

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Andreas Kümmert
Andreas Kümmert kümmert sich nicht um seine Fans © dpa, Jochen Lübke

Man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Angela Merkel, gerade frisch im Amt als Bundeskanzlerin bestätigt, tritt vor das Volk und verkündet, dass sie sich leider nicht in der Verfassung sehe, die Regierung zu führen. Ihren Job übernehme deshalb Peer Steinbrück, der Zweitplatzierte der Wahl. Klingt irgendwie falsch oder? Ist es auch!

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Ein Kommentar von Thomas Ziemann

Man mag es kaum glauben, aber so hat es sich gestern beim ESC-Vorentscheid in Hannover tatsächlich abgespielt. Mit klarer Mehrheit haben die Zuschauer Andreas Kümmert zu ihrem Mann für Wien gewählt. Dort findet in diesem Jahr der Eurovision Song Contest statt. Allerdings ohne Herrn Kümmert. Der Schmusebarde mit dem Fusselbart hatte nämlich keine Lust auf Sieg und verkündete während der Siegerehrung prompt seinen Verzicht. Und zwar mit folgenden Worten: "Ich bin nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen."

Als ich das hörte, war mein erster Gedanke die Frage: “Warum hast du dann überhaupt mitgemacht?“ Eine Antwort gab es nicht. Das ist äußerst schade, denn ich bin mit Sicherheit nicht der Einzige, dem sein Rückzieher irgendwie nicht passt. Schließlich hat eine überwältigende Mehrheit der Zuschauer für Kümmerts Song ‘Heart of Stone‘ angerufen oder gesimst. Und all diese Zuschauer hat der “The Voice of Germany“-Gewinner mit seiner Aktion ordentlich vor den Kopf gestoßen. Unabhängig davon, dass die Zuschauer sogar Geld für die Stimmabgabe gezahlt haben, sie wollten IHN beim ESC sehen. Sie wollten, dass ER sie vertritt beim musikalischen Kampf der Nationen. Nicht die Zweiplatzierte Ann Sophie, der Kümmert mit seiner Entscheidung übrigens die fette Bürde der “nicht gewollten Siegerin“ aufgelastet hat. Aber das nur so am Rande.

Dass der 28-Jährige trotz des Sieges nun also in den Sack haut, ist – Entschuldigung – schlichtweg eine Frechheit. Wer beim ESC antritt, der muss auch damit rechnen, dass er gewinnt. Das haben Wettbewerbe nun mal so an sich. Dass Herr Kümmert beim deutschen Publikum einen Stein im Brett hat, dürfte ihn seit seinem Sieg bei “The Voice“ auch nicht unbedingt wundern.

Die Plattenfirma des Sängers versuchte sich noch am gleichen Abend in Deeskalation und drückte, wie in dem Business üblich, auf die Tränendrüse. Die Lampe, die da angeht, sei zu groß. Sprich, der öffentliche Wirbel könnte ihm zu viel werden. Mmmhh… aha... na dann! Dass er mit seiner nerdigen Art nicht unbedingt in die schrille Welt der Conchita Wursts und Co. passt, hätte ihm auch durchaus in einer der ersten drei Runden des Vorentscheids auffallen können. Oder Jahre früher. Denn schon bei seiner Teilnahme an der Casting-Show ließ Kümmert liebend gerne durchblicken, dass er mit all dem Mainstream ja nicht wirklich viel am Hut hat. Wie schon damals, frage ich mich, warum er bei solchen Formaten dann überhaupt mitmacht.

Was immer der finale Beweggrund für seinen Verzicht gewesen sein mag, eins steht fest: In Wien dürfen sich die Zuschauer auf einen fairen Wettkampf freuen. Und Andreas Kümmert sollte sich in Zukunft vielleicht vorher überlegen, auf welche Bühne er sich stellt. Denn egal wie schrill, nerdig oder alternativ ein Musikwettbewerb auch ist, es gibt tatsächlich Künstler, die diesen ernst nehmen. Auch Andreas Kümmert wollte als Musiker immer ernst genommen werden. Seit gestern ist das für mich nicht mehr möglich!

Eine andere Sicht der Dinge hat mein Kollege Sebastian Werner: Kommentar - Es kümmert ihn nicht – gut so!

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