Königin und Kennerin: Josefine Schlumberger liebt den Wein

Josefine Schlumberger
Die deutsche Weinkönigin Josefine Schlumberger will Winzerin werden. Foto: Patrick Seeger © DPA

Josefine Schlumberger muss sich nicht groß vorbereiten, wenn sie über Wein reden soll. Er begleitet sie schon seit Kindheitstagen.

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Auf dem elterlichen Weingut in Sulzburg-Laufen im Markgräflerland südlich von Freiburg hat sie täglich mit dem Thema zu tun. Sie ist mit der Arbeit in Weinberg und Weingut groß geworden - und hat die Liebe dafür entdeckt. Als Deutsche Weinkönigin geht die 22-Jährige nun in den letzten Monat ihrer Amtszeit. Am 30. September wird in Mainz ihre Nachfolgerin gewählt. Schlumberger, die 67. Deutsche Weinkönigin, muss Krone und Amt dann abgeben.

"Das Jahr als Deutsche Weinkönigin war unglaublich rasant, lehrreich und bleibt mit vielen schönen Erinnerungen verbunden", erzählt Schlumberger daheim auf dem Weingut im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ihr Zuhause hat die Winzertochter aus Sulzburg in den vergangenen Monaten nur wenig gesehen. Gerade kommt sie von einer Reise aus China und Japan zurück, zuvor war sie in Kanada und hat alle 13 Weinanbaugebiete in Deutschland bereist. Die nächsten Termine stehen schon im Kalender.

Eine Weinkönigin ist viel unterwegs: Rund um den Globus vertritt sie die Interessen des Deutschen Weins, sie muss repräsentieren und sich auch fachlich als Kennerin beweisen. "Das Amt der Weinkönigin hat in der Öffentlichkeit ein etwas falsches Image", sagt Schlumberger: "Es gilt manchen als verstaubt und nicht mehr zeitgemäß." Doch statt im Dirndl trete sie meist im Businessdress auf, statt einfach nur freundlich zu lächeln und zu winken, müsse sie ihre Botschaft mit Inhalt füllen und sich genau auskennen.

Repräsentieren alleine funktioniere nicht mehr, sagt die 22-Jährige. Weinhoheiten müssten heute genau so viel wissen wie jeder hauptberufliche Winzer: "Mit schönem Schein oder Standardfloskeln geben sich Verbraucher nicht mehr zufrieden." Und das sei gut so, obwohl es für die Hoheit manchmal eine Herausforderung sei.

"Die Menschen spüren sehr schnell, ob da ein Model vor ihnen steht, das irgendeinem Produkt einfach nur das Gesicht gibt", sagt sie: "Oder ob es jemand ernst meint." Für sie selbst sei das eine Chance gewesen. Das sieht auch Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, so. Schlumberger punkte "mit echter Begeisterung und Fachwissen", sagt er. "Und mit ihrer fröhlichen Lebensart und ihrem Lachen hat sie uns alle angesteckt."

Damit stehe die Badenerin für das Amt der Weinkönigin, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Die Hoheiten seien nicht austauschbare Werbeträger, sondern Kennerinnen ihres Fachs.

Das Amt wird zwar ehrenamtlich ausgeführt, ist aber dennoch ein Vollzeitjob. Schlumberger hatte bereits Übung, als sie im September vergangenen Jahres gewählt wurde und die Krone aufgesetzt bekam. Ein Jahr lang war sie zuvor Badische Weinkönigin - und vertrat damit das drittgrößte der 13 deutschen Weinanbaugebiete. Die Rolle der Deutschen Weinkönigin war für sie dennoch neu.

Ihre Erkenntnis nach rund knapp einem Jahr im Amt: "Der deutsche Wein muss sich auf weltweitem Parkett mehr anstrengen, um wahrgenommen zu werden." Im internationalen Vergleich zu großen Weinnationen wie Frankreich und Italien gehe Deutschland häufig unter. Mehr Werbung und Präsenz seien daher wichtig. "Die Produkte stimmen", sagt Schlumberger: "Aber als kleines Weinland, wie Deutschland es ist, müssen wir stärker auf uns aufmerksam machen."

Sie selbst will dem Wein verbunden bleiben, ihr Psychologiestudium an der Universität Konstanz hat sie abgebrochen. Im Oktober wird sie an der Hochschule im hessischen Geisenheim ihr dort 2014 begonnenes Weinbau- und Kellerwirtschaftstudium fortsetzen und Winzerin werden. "Es ist der Beruf meiner Wahl", sagt sie. Wein sei ein "vielfältiges, positives und lebensbejahendes Produkt". Und die Arbeit in und mit der Natur mache, trotz aller Widrigkeiten, großen Spaß.

Wieder mehr Zeit haben will sie auch für ihre Hobbys. Seit der E-Jugend spielt sie in der Frauenmannschaft Fußball. Und sie geht mit Hündin Jolie gerne in den Weinbergen spazieren.


dpa
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