'Kiss & Kill': Ashton Kutcher wird in diesem Leben kein Agent mehr

'Kiss & Kill': Ashton Kutcher in seiner üblichen Großer-Junge-Manier

'Kiss & Kill': Ashton Kutcher wird in diesem Leben kein Agent mehr

Demi Moores Toy Boy Ashton Kutcher ist jetzt auch Produzent. Damit kann er sich für Rollen ins Gespräch bringen, die mancher Regisseur dem Anfangdreißiger, dem immer noch das Chaoten-Image aus „Ey Mann, wo is mein Auto“ anhaftet, so nicht anbieten würde – oder für solche, die er immer schon mal spielen wollte. Das schwüle Softerotikfilmchen „Toy Boy“, in dem sich Kutcher hauptsächlich selbst zu mimen schien und sich halbnackt mit Anne Heche durch die Laken wälzte, wanderte in Deutschland direkt ins DVD-Regal. „Kiss & Kill“, in dem sich der gutaussehende Darsteller seinen Traum von einer Agenten-Rolle erfüllte, wird sogar im Kino zu sehen sein, dabei hätte er durchaus das gleiche Schicksal verdient.

Denn man kauft Ashton Kutcher den Auftragskiller im Dienste des US-Geheimdienstes von Anfang an nicht ab. Schnelle Schlitten und dicke Knarren machen aus einem Schnulliboy noch keinen harten Kerl. Und so hampelt Kutcher mit seiner üblichen Großer-Junge-Manier durch den Film. Das hat nichts von James Bond, sondern erinnert an einen kleinen Jungen, der begeistert mit seiner Plastikpistole durch die Gegend ballert. Schade, denn die Story ist im Ansatz eigentlich nett ausgedacht.

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Romanze zwischen verklemmtem Controlfreak-Mädchen und selbstsicherem Slacker

Katherine Heigl, die seit „Beim ersten Mal“ keine gute Rollenentscheidung mehr getroffen hat, spielt die verwöhnte höhere Tochter Jen, die mit Mutti und Vati in Urlaub nach Südfrankreich fährt, weil sie schon wieder verlassen worden ist. „Ich höre das“, faucht die unausgeglichene Single-Frau, als sich ihre Eltern über ihren Kopf hinweg über ihre gelöste Verlobung unterhalten, „und wir haben uns einvernehmlich getrennt.“ „Ja, nachdem er dich verlassen hat“, unkt der Vater. Die Mutter hat die Anweisung, den Namen des Verflossenen am besten gar nicht mehr zu erwähnen.

Was sich wie der Auftakt zu einer flotten Screwball-Comedy anlässt, verkommt jedoch bald zu tempoloser Beliebigkeit, als Jen im Aufzug dem attraktiven Nichtsnutz Spencer (Auftritt Asthon Kutcher oben ohne) in die Arme läuft. Die Romanze zwischen dem verklemmten Controlfreak-Mädchen und dem selbstsicheren Slacker wird mehr behauptet als eingefädelt. Erst nestelt sie sich verzweifelt aus der Wurstpelle, die sie ohne zu murren den ganzen Abend getragen hat, dann verschläft sie den gemütlichen Teil des Abends – und am nächsten Morgen sind sie ein Paar, und Spencer hält bei Jens Papi (für Tom Selleck hat sich auch mal wieder eine Rolle gefunden) um die Hand an. Man hat als Zuschauer ständig das dumme Gefühl, etwas verpasst zu haben, obwohl einem völlig überflüssige Handlungselemente in epischer Breite aufgetischt werden.

Schnitt. Drei Jahre später haben Jen und Spencer eine Ehekrise, die auch wie Kai aus der Kiste kommt. Und natürlich findet Jen noch raus, dass ihr Macker gar kein reicher Arbeitsloser ist, sondern beruflich Leute umbringt. Sie kann ja nicht ahnen, dass er den Job längst an den Nagel gehängt hat. Plötzlich nämlich tauchen überall Killer auf, die dem Aussteiger nach dem Leben trachten. Und das ist nicht die einzige blöde Storyidee, mit der Robert Luketic („Natürlich blond“, „Das Schwiegermonster“) und sein Drehbuchautor Bob DeRosa hier um die Ecke kommen.

Dass es dem Ganzen auch noch an Tempo fehlt, macht die Sache nicht besser. So kann Katherine Heigl, die eigentlich komisches Talent hat, ihre Pluspunkte nicht wirklich ausspielen. Ashton Kutcher sieht wie immer nett aus, wird aber im Leben kein guter Agent mehr – geschweige denn ein Charakterschauspieler. Und die Komödie ist, bis auf ganz wenige gelungene Gags, einfach nicht lustig. Das möchte man trotz der prominenten Besetzung wirklich höchstens auf DVD sehen.

Von Mireilla Zirpins

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