Kinderkino mit Herz, Hirn und Humor: 'Vorstadtkrokodile 2'

Kinderkino mit Herz, Hirn und Humor: 'Vorstadtkrokodile 2'

Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass die Verfilmung von Max von der Grüns Jugendbuch-Klassiker ‚Vorstadtkrokodile’ in den deutschen Kinos anlief. Das Buch wurde von Generationen von Schülern gelesen und hat bereits mehr als 30 Jahre auf dem Buckel. Dass man aus dem alten Stoff trotzdem einen zeitgemäßen Jugendfilm machen kann, bewiesen Produzent Christian Becker und sein Regisseur Christian Ditter: ‚Vorstadtkrokodile’ lockte knapp 650.000 Zuschauer in die Kinos und heimste mehrere Kinderfilmpreise ein. Und mit dem Erfolg schienen die Herren durchaus gerechnet zu haben, legten sie doch prompt mit den Planungen für eine Fortsetzung los, bevor das Bandenabenteuer aus dem Ruhrgebiet überhaupt ein einziges Mal über die Leinwand geflimmert war. Aber kann eine Fortsetzung der Geschichte auch überzeugen, wenn sie nicht aus von der Grüns Feder stammt?

Die Chancen stehen gut. So gibt es im zweiten Teil nicht nur ein Wiedersehen den Kroko-Darstellern, die mittlerweile ein Jahr älter geworden sind, auch die Story kommt ein wenig erwachsener daher. Während die Krokobande im Vorgänger erst zusammenwachsen musste, sind die kleinen Reibereien innerhalb der Gruppe mittlerweile abgeschrieben. Der gelähmte Kai (‚Killerpilze’-Schlagzeuger Fabian Halbig) rast mit seinem aufgepimpten Rollstuhl den restlichen Kids davon, für Jorgo (Javidan Imani) ist seine griechische Herkunft kein Problem mehr und auch Peter (Robin Walter) ist nicht mehr ganz so ängstlich. Schließlich haben die ‚Vorstadtkrokodile’ im ersten Teil erfolgreich eine Einbrecherbande aus dem Verkehr gezogen. Die Erlebnisse haben zusammengeschweißt und so wird die Freiheit der Sommerferien genutzt, um gemeinsam ein neues Hauptquartier in einem alten Bergwerk einzurichten.

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Ein besonders inniges Verhältnis haben mittlerweile Hannes (Nick Romeo Reimann) und Maria (Leonie Tepe), die sich ineinander verknallt haben und erste unbeholfene Flirtversuche unternehmen. Das Leben könnte so schön sein, wären da nicht diese merkwürdigen Zwischenfälle in der Firma von Ollis (Manuel Steitz) und Marias Eltern (Esther Schweins und Dietmar Bär). Aus unerklärlichen Gründen streiken die Maschinen plötzlich, die Mitarbeiter werden auf Kurzarbeit gesetzt. Laufen die Geräte nicht bald wieder, muss die Belegschaft entlassen werden.

Für die Krokodile wäre dies der Supergau, denn wenn ihre Eltern ihren Job verlieren würden, müssten Olli und Maria aus der Stadt ziehen. Doch so einfach will sich die Gang nicht geschlagen geben. Schnell bemerkt die Bande, dass die zwielichten Boller-Zwillinge (Roman und Raoul Brauner) irgendwas mit den Geschehnissen in der Fabrik zu tun haben. Dumm nur, dass die Erwachsenen von diesem vermeintlichen Kinderkram nichts wissen wollen. Den Vorstadtkrokodilen bleibt nichts anderes übrig, als wieder einmal auf eigene Faust loszuziehen.

Wie schon im ersten Teil verzichtet Regisseur Ditter auf ein Friede-Freude-Eierkuchen-Szenario und führt dem Zuschauer erfrischend ehrlich die Probleme des Heranwachsens vor Augen - sei es nun die erste Liebe oder Eltern, die ihren Nachwuchs nicht ernst nehmen. Gleichzeitig beweist ‚Vorstadtkrokodile 2’, dass auch ein anspruchsvolleres Thema wie Arbeitslosigkeit durchaus seinen Platz im Kinderkino finden kann, ohne zwangsläufig Einbußen bei Spannung oder Spaß mit sich zu bringen. Was in Teil eins die soziale Integration war, ist im zweiten Teil die soziale Verantwortung.

Aber auch wer mit seinen Sprösslingen ins Kino geht, dürfte durchaus das ein oder andere Mal selbst ins Schmunzeln geraten. So sieht Hannes’ Mutter (Souverän: Nora Tschirner) mit Gurkenscheiben auf den Augen und Quarkmaske im Gesicht einfach herrlich bescheuert aus. Auch Hannes’ Idee, sie per Kontaktanzeige im Internet zu verkuppeln, entfaltet im weiteren Verlauf durchaus komisches Potential. Wie bereits der Vorgänger steht ‚Vorstadtkrokodile 2’ für Kinderkino mit Herz, Humor und Hirn und kann auch ohne coole Vampirgeschichte problemlos mit den ‚Wilden Kerlen’ mithalten.

Von Timo Steinhaus

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