'Kill Billy': Die Entführung des Ikea-Gründers

"Kill Billy"
Bjørn Sundquist (r) als Harold und Vidar Magnussen Harolds Sohn in "Kill Billy. Foto: NFP/dpa © DPA

Es gibt Pläne, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Dazu gehört auch der des einstigen Möbelhändlers Harold, den Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zu entführen. Aus Rache, weil die neue Filiale des Möbelriesen in Norwegen seinen Familienbetrieb ruiniert hat.

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Doch leider ist Harold - die Hauptfigur der fiktiven Tragikomödie "Kill Billy" - der unfähigste Kidnapper aller Zeiten. Mit tiefschwarzem Humor erzählt der norwegische Regisseur Gunnar Vikene die Geschichte eines Mannes, der gegen Windmühlen kämpft - und dabei in die absurdesten Situationen gerät.

Jahrzehntelang waren Harold Lunde (Bjørn Sundquist) und seine Frau Marny (Grethe Selius) stolze Eigentümer von "Lunde Furniture" - bis der Kapitalismus in Gestalt von Köttbullar und Knut-Schlussverkauf nebenan einzieht. "Wir haben auch das Wasserbett überstanden", sagen sich die Eheleute zunächst noch optimistisch. Doch am Ende müssen sie feststellen: "Die Schweden haben uns ruiniert."

Aber für Harold kommt es noch dicker: Marny wird dement und muss ins Heim, und dem Senior misslingt sogar der Versuch, "Lunde Furniture" abzufackeln. "Er verliert alles, und das verändert ihn", sagt Regisseur Vikene der Deutschen Presse-Agentur.

"Das Geschäft ist futsch, Mutter ist tot. Tut mir leid", verkündet Harold seinem Sohn, in dessen Wohnung in Oslo nur Ikea-Möbel stehen. Nur noch getrieben von Rachegelüsten macht sich Harold auf den Weg über die Grenze nach Schweden, um den milliardenschweden Konkurrenten in seine Gewalt zu bringen. Harold aber hat so wenig Ähnlichkeit mit einem abgebrühten Gauner, dass der Ikea-Greis bei seiner Entführung zunächst sogar an eine Überraschungsparty glaubt. Wider Erwarten gelingt der Plan durch einen Zufall dann doch, aber ansonsten läuft nichts so, wie Harold sich das vorgestellt hat.

Denn Kamprad (Björn Granath) ist ein naiver, aber schlitzohriger alter Mann, der mit Inkontinenz kämpft und nicht im Geringsten beeindruckt von Harolds verzweifeltem Unterfangen ist. "So spannend war es schon lange nicht mehr", freut sich der Ikea-Gründer stattdessen über die Abwechslung.

Regisseur Vikene spielt mit den Klischees, die sich um den Schweden ranken, der mit Sparsamkeit, Fleiß und Pragmatismus ein Möbelimperium aufgebaut hat. Den Wohnwagen, in den der Norweger ihn verfrachtet, bewundert er als "Compact Living". Einen Bleistift bricht er in zwei Teile, um seinem Entführer klarzumachen, wie man Geld spart - indem man kurze Bleistifte statt langen produzieren lässt.

"Hobbys und Urlaub sind was für faule Menschen", konstatiert der Leinwand-Kamprad, der einiges mit dem echten Kamprad gemein haben dürfte, meint Vikene. Als er seinen Film der Ikea-Belegschaft in Bergen zeigte, habe diese ihren Chef jedenfalls darin wiedererkannt. Selbst getroffen hat der Norweger den Möbel-Patriarchen aber nie. "Ich würde ihn gern mal treffen", sagt der Regisseur. "Ich wüsste gern, was er über den Film denkt."

Schlecht kommt Kamprad jedenfalls nicht weg als "komisches Gegengewicht zu Harolds Existenzkrise". Angesichts der gnadenlosen Überlegenheit des Konkurrenten erkennt der gescheiterte Möbelhändler zum Schluss sogar, was im Leben wirklich zählt. Auch wenn es zu viel des Guten wäre, von einem Happy End zu sprechen.


dpa

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