Keine Strumpfhosen, keine Romantik: 'Robin Hood'

'Robin Hood': Russell Crowe in Lederleggings

Keine Strumpfhosen, keine Romantik: 'Robin Hood'
© Kerry Brown

Nach „Batman Begins“, „Exorcist – The Beginning“ und „Hannibal Rising“ nun also auch ein „Robin Hood“-Prequel, das sogar das Filmfestival in Cannes eröffnen darf. Schade eigentlich, dass in Hollywood entweder die gleichen Stories immer wieder aufgewärmt werden oder man einfach die Vorgeschichte zu den altbekannten Stoffen erfindet. Ridley Scott hat sich immerhin Mühe gegeben, vieles anders zu machen als seine zahlreichen Vorgänger.

So trägt unser Titelheld, gespielt von Scotts Lieblingsschauspieler Russell Crowe, keine grünen Strumpfhosen, sondern eine Art schwarze Lederleggings – ist sogar heute wieder in, allerdings eher bei Mädchen. Darüber Kettenhemd und Harnisch, denn Robin Longstride, wie er in seiner Vorgeschichte noch heißt, ist noch nicht der im Wald hausende Outlaw, wie wir ihn kennen, sondern ein Soldat im Dienste von Richard Löwenherz. Allerdings kein sehr getreuer. Ihm stinkt, dass sein Herr im Kreuzzug gegen Frankreich Gräueltaten an der Bevölkerung begeht. In früheren Filmen gab Robin Hood den Armen, heute entspricht seine Attitüde eher der „Political Correctness“ unserer Zeit.

Als der König das Zeitliche segnet („Es ist belegt, dass er von einem französischen Koch mit dem Pfeil erlegt wurde“, erzählt Russell Crowe begeistert in Cannes) und Sir Loxley, der die Krone des Toten heimführen sollte, ihm bald darauf ins Grab folgt, gibt sich Robin einfach selbst als Loxley aus, trägt die Krone heim nach England und erbt dort, mit dem Segen von Loxleys blindem Vater, gleich auch noch die Gattin des Verstorbenen. Doch diese Marianne Loxley ist alles andere als eine Lady.

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In dieser 'Robin Hood'-Version geht es rüder zur Sache als bei den Vorgängern

Cate Blanchett spielt sie mit so burschikoser Attitüde, dass nicht nur Robin sie zunächst für die Magd hält. „Ich war immer schmutzig“, freut sich die weibliche Hauptdarstellerin, nun wieder blond und hübsch herausgeputzt, in Cannes. „Ridley hat ständig auf den Boden gelangt und irgendwas auf mich draufgeschmiert.“ Tja, ihr hat das Stallknecht-Gehabe sichtlich Spaß gemacht. Der Zuschauer hingegen hat es schwer, mit der etwas spröden, sehr erwachsenen Love Story zwischen den beiden nicht mehr ganz taufrischen Figuren warm zu werden.

Die frisch verwitwete Lady ist nämlich ganz schön widerborstig und hilft Robin auch nur aus seiner Kluft, weil er so stinkt und sich fürs Bad nicht allein ausziehen kann. Eine nette Szene, die die Geschlechterverhältnisse umdreht - aber leider ist sie völlig unsexy. Sie merken schon, es geht eher rüde zur Sache bei Ridley Scott, dessen Film nicht ohne Grund stellenweise an den größten gemeinsamen Erfolg mit Russell Crowe erinnert. Man hat manchmal das Gefühl, in „Gladiator in Nottingham“ zu sitzen.

Der Ansatz, das Mittelalter so brutal und schmuddelig zu zeigen, wie es vermutlich wirklich war, ist äußerst löblich. Oder haben Sie sich nie gefragt, wie Errol Flynn im Sherwood Forest immer so sauber gewaschen und rasiert sein konnte? Andererseits geht Russell Crowe der Charme eines Errol Flynn oder Sean Connery, um nur einige seiner Vorgänger in der Rolle zu nennen, gänzlich ab. Er wirkt eher wie ein furchteinflößender Kraftprotz, der ganz am Ende das Herz von Lady Marianne gewinnt, weil die eh vor nichts Angst hat.

Das wär’s auch schon mit den Neuerungen. Von Ridley Scott, der mit Filmen wie „Alien“ oder „Blade Runner“ neue Kinowelten erschuf, hätte man ein bisschen mehr erwartet. Handwerklich ist der actionreiche Streifen, bis auf ein paar Kulissen, die fast genauso nach Pappmaché aussehen wie die Bauten im Technicolor-„Robin Hood“ von 1938, perfekt. Dank exzellenter Kameraarbeit von John Mathieson („Königreich der Himmel“, „Gladiator“) fliegt man mit den Pfeilen mitten ins Kampfgetümmel, in dem es stets handfest, aber nie zu blutig zur Sache geht. Getroffen werden dabei vor allem die Gastgeber des Filmfestivals, die Franzosen, die hier als intrigante Vollidioten dargestellt werden.

Die fuselseligen Kneipenszenen mit Gesangseinlagen gehen einem jedoch bald auf den Zeiger, weil man sie schon so oft woanders genau so gesehen hat. Und dann ist da noch die Altersfrage: Sean Connery war, genau wie Russell Crowe, schon 46 (im 12. Jahrhundert galt man damit als „alter Sack“) und am Bart reichlich grau, als er die Wälder um Nottingham unsicher machte. Aber hier sind wir ja in der „Vorgeschichte“! Einige Längen lassen einen spüren, dass man 140 Minuten abgesessen hat. Und das alles für einen Film, der zwar durchaus unterhaltsam ist, aber den die Welt wahrlich nicht gebraucht hätte.

Von Mireilla Zirpins

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