Kein schöner Tod fürs Bondgirl: "Ein Quantum Trost"

Kein schöner Tod fürs Bondgirl: "Ein Quantum Trost"

Von Mireilla Zirpins

Wie einst Shirley Eaton in "Goldfinger" endet eins der Bondgirls in Daniel Craigs zweitem 007-Abenteuer – nur nicht vollends vergoldet, sondern eher als Pechmarie. Der nackte Körper des Mädchens ist von Kopf bis Fuß mit Öl eingestrichen. Schöner kann man dem vielleicht besten aller 007-Streifen nicht Referenz erweisen, und doch fehlt in "Ein Quantum Trost" ein bisschen das originäre Bond-Feeling, das Elegant-Ironische des dandyhaften Ladykillers, das einst Sean Connery mit in die Serie brachte.

In "Casino Royale" war das Programm, schließlich hatte es sich der Film zur Aufgabe gemacht aufzuzeigen, wie der zunächst egomanische Auftragskiller erst zum aalglatten Doppelnullagenten wurde. Und er erklärte mit links, wie der verliebte James zum seriellen Aufreißer mutierte, nachdem ihm Vesper Lynd das Herz gebrochen hatte. Von dem Bond, wie wir ihn aus den anderen 20 Streifen kennen, ist jedoch noch nicht so viel zu merken in der Geschichte, die uns der deutschstämmige Regisseur Marc Forster präsentiert. Aber man muss das nicht zwangsläufig schlecht finden. Denn dafür ist der Umgangston rauer als bei Roger Moores oder Pierce Brosnans Abenteuern. Und das kann durchaus eine Qualität sein.

Knallhart geht es hier gleich in der ersten Sequenz zur Sache, als der rachsüchtige Bond in Italien Jagd macht auf Vespers Kontaktleute. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und bald ohne Fahrertür laviert er seinen Aston Martin durch den Gegenverkehr der Passstraßen hinein in die Marmor-Brüche von Carrara, bis er in den Katakomben von Siena dem Mann gegenüber sitzt, der ihm mehr sagen soll über die Umstände von Vespers Tod.

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Kein schöner Tod fürs Bondgirl: "Ein Quantum Trost"

Doch so einfach läuft das nicht. White (Jesper Christensen) arbeitet für eine globale Organisation, die ihre Leute überall hat. Auch im MI6. Und so muss Bond erstmal für eine spektakuläre Verfolgungsjagd zu Fuß über die Dächer von Siena, ohne am Ende einen Deut schlauer zu sein. Ordentlich Action wird in der ersten halben Stunde geboten, doch merkt man den etwas zu durchgestückelten Szenen sehr an, dass Marc Forster ("Drachenläufer", "Monster’s Ball", "Wenn Träume fliegen lernen") bislang eher besinnliche Dramen inszeniert hat. Hier fehlt ein wenig die Routine, um dem Zuschauer die Highspeed-Fights wirklich transparent zu machen. Der Bourne-Style mit wackliger Handkamera und Rappelschnitten ist eben nicht jedermanns Sache.

Besser wird es, als Bond seine Suche nach Haiti verschlägt. Dort trifft er auf die geheimnisvolle Camille (Olga Kurylenko, die im Thriller "Hitman" hüllenlos zu sehen war und hier nun artig angezogen auf Bondgirl macht). Sie führt ihn zum Bösewicht des Films: zum charismatischen Öko-Mafioso Dominic Greene. Der wird gespielt vom französischen Kinostar Mathieu Amalric (hierzulande am ehesten bekannt aus dem Oscar-Drama "Schmetterling und Taucherglocke").

In ihm hat Bond einen ebenbürtigen Gegenspieler gefunden, auch wenn der 1,68 Meter kleine Mann mit den lieben Knopfaugen so überhaupt nicht dem gängigen Klischee vom äußerlich wie innerlich hässlichen Schurken entsprechen will. Der harmlos aussehende Lump macht sich selbst zwar nicht die Finger schmutzig, ist dennoch ein eiskaltes Arschloch. "Gehört der zu uns?" fragt sein Mitarbeiter, als Bond ihm einen Mann auf die Kühlerhaube wirft. Gehört er nicht. "Was guckst du mich an?" sagt Greene achselzuckend und beschert dem Typ damit sein Todesurteil. Ohne den ganzen Film über ein einziges Mal mit der Wimper zu zucken.

Kein schöner Tod fürs Bondgirl: "Ein Quantum Trost"

Vor allem kann Greene es in anderer Hinsicht mit Bond aufnehmen. Denn er versprüht auf seine Weise mindestens ebenso viel Lässigkeit wie der Mann im Geheimdienst Ihrer Majestät. Das Hemd immer weit offen bis auf die behaarte Brust, bewegt er sich scheinbar mühelos von Land zu Land, tauscht hier einen Diktator aus und macht da schmutzige Geschäfte mit biologischen Ressourcen. Und das, ohne je aufzufallen. Ein ganz modern globalisierter Fiesling also. Nur bei den Girls ist er eher old-fashioned: „Sie ist ganz umwerfend, vor allem, wenn sie auf dem Rücken liegt“, äußert er über seine ehemalige Bettgefährtin Camille. Die gut gebaute Stewardess schleppt er ganz billig auf die Flugzeugtoilette.

So einnehmend schleimig Bonds Widersacher und sein Schatten Elvis mit dem Pottschnitt (der Deutsch-Schweizer Anatole Taubman) auch sind: Die Bondgirls bleiben ein bisschen flach. Olga Kurylenko sieht zwar hübsch aus, entfaltet aber kaum verführerische Rafinesse. Sie und Bond wirken stellenweise eher wie eine Selbsthilfegruppe als wie das „schöne Paar“, das Greene in ihnen sehen will. Wesentlich mehr Pep, Sexappeal und britischen Humor versprüht da schon die blutjunge Gemma Arterton (als sexy Schulsprecherin in „Die Girls von St. Trinian“ im Sommer 2008 erstmals auf der Leinwand präsent). Von ihr hätte man gern mehr gesehen, aber das Drehbuch hat andere Akzente gesetzt.

Kein schöner Tod fürs Bondgirl: "Ein Quantum Trost"

Dafür gibt’s reichlich handgemachte Kämpfe zum Beispiel mit einer Nagelschere, allerhand Pyrotechnik und auch manche elegische Einstellung. Und die gelingen Forster am besten. So ist das Gipfeltreffen der Quantum-Leute bei der Tosca-Inszenierung auf der Bregenzer Seebühne virtuos choregrafiert und vertont. Und vor allem M sorgt wieder für ein paar schön trockene Oneliner, von denen man gern noch ein paar mehr gehört hätte.

Daniel Craig hat ebenfalls denen einen oder anderen coolen Spruch parat und ist als Bond genauso gut wie bei seinem ersten Einsatz. „James, du bist so unglaublich effektiv“, schnurrt Camille und könnte damit genauso gut Craig meinen, der nie übertreibt, sich nie in den Vordergrund drängt und mit seinem kantigen Spiel körperlich sehr präsent ist.

So macht Bond trotzdem Spaß, auch wenn unser Held sich bei den Ladies diesmal extrem zugeknöpft gibt und weniger 007 drinsteckt als jemals zuvor. Die Actionsequenzen mögen zwar wirken wie in einem beliebigen hochwertigen Agententhriller, doch wo bitte rutscht das Publikum gespannt auf den Sitzen herum, wenn der sturztrunkene Bond gefragt wird: „Was trinken Sie?“ „Vodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt“, wollen Sie rufen? Vergessen Sie’s! Daniel Craig sorgt auch diesmal für eine Überraschung. Die verraten wir hier aber nicht. Denn es ist der vielleicht netteste Gag des Films.

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