Kaufsüchtige Newcomerin: Shopaholic

Kaufsüchtige Newcomerin: Shopaholic

Mireilla Zirpins

Hätte man dieses Drehbuch in die Finger bekommen, man hätte es vermutlich nach Seite 30 verbrannt: Shoppingsüchtige Käseblatt-Redakteurin träumt von Job bei Frauenzeitschrift ("Der Teufel trägt Prada“ lässt grüßen), landet aber stattdessen beim sexy Chefredakteur eines Sparer-Blättchens. Dabei fällt sie auf jeden Designersale rein, überzieht gnadenlos sämtliche Kreditkarten, wird fortan von einem Zwangsvollstrecker durch New York gejagt und verpfändet in ihrer Not das Brautjungferndress für die Hochzeit der besten Freundin. Stereotyper geht’s eigentlich nicht. Umso erstaunlicher, dass Erfolgs-Produzent Jerry Bruckheimer bei diesem Story-Wagnis die Hauptrollen mit zwei eher unbekannten Newcomern besetzt hat. Mit zwei viel versprechenden Newcomern allerdings.

Denn die kaufwütige Rebecca wird gespielt von der entzückenden Isla Fischer, die auch in ihren quietschbunten Outfits noch eine gute Figur macht. Sie ist sich nicht zu schade, auch mal in violetten Strumpfhosen über einen Konferenztisch zu robben, als wäre es die Weltmeisterschaft im Frauen-Schlammcatchen oder ihr Dekolletee derart unförmig in ein schwarz-weißes Kleid zu quetschen, dass man sie glatt für die Kellnerin hält. Und neben all diesem eher groben Slapstick überzeugt sie auch bei den sanfteren Tönen, denn ihre Rebecca hat natürlich auch eine ganz romantische Seite.

Dazu passt wunderbar der schnuckelige Brite Hugh Dancy, dem man sogar seinen charmanten englischen Akzent gelassen hat. Er ist die Seele des Films und sorgt dafür, dass Rebecca nicht so flach bleibt wie viele Frauenfiguren in Komödien, die darauf reduziert werden, gern zu shoppen und von der Hochzeit in Weiß zu träumen. Er mimt einen Vollblutjournalisten, der aus der etwas konfusen Rebecca eine richtig gute Kolumnistin macht. Die beiden gäben das ideale Paar ab, wäre Rebeccas ganzes Leben nicht auf ein Gerüst aus Lügen und ungedeckten Kreditkarten gebaut...

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Kaufsüchtige Newcomerin: Shopaholic

Man darf wirklich erstaunt sein, wie viel Herz und Humor diese Komödie allen Erwartungen zum Trotz aufbieten kann, und das, obwohl das krude Drehbuch den Zuschauer alle naselang in eine andere Umgebung wirft oder mit allerhand Unglaubwürdigkeiten konfrontiert. Das Erfolgsrezept: Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt perfekt, und zwischen den manchmal plumpen Spaßeinlagen gibt es auch noch ein paar erfrischende Wortwechsel zu entdecken.

Kurzum: Chapeau vor Jerry Bruckheimers Riecher, ein flaches Skript mit einem Dutzend cooler Songs und zwei gut gelaunten Stars von morgen zu retten. Regie führte übrigens Paul J. Hogan, der mit "Muriels Hochzeit“ und "Die Hochzeit meines besten Freundes“ ein Händchen für romantische Komödien bewiesen hat. Sein Film bietet nicht nur nette Unterhaltung - für konsumkritische Geister wie für Fashion Addicts, die übrigens trotz der ganzen Designerklamotten nicht in Versuchung geführt werden, gleich alles nachzukaufen: Isla Fisher sieht zwar in jeder Einstellung hinreißend aus, an den grellbunten Fetzen, die sie trägt, liegt's allerdings nicht.

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