Kastelruther Spatzen: Alles nur erschwindelt?

Die Kastelruther Spatzen sollen angeblich auf keiner CD ihre Instrumente selbst gespielt haben
Der Produzent der erfolgreichen Volksmusiker erhebt böse Vorwürfe © picture alliance /

Produzent erhebt schwere Vorwürfe

Es könnte der größte Skandal der deutschen Volksmusik werden: Angeblich sollen die Kastelruther Spatzen, Europas erfolgreichste Volkmusik-Truppe, auf ihren CDs keinen einzigen Ton selbst gespielt haben. Nur die Stimme von Sänger Norbert Rier soll echt sein. Das behauptet zumindest jemand, der die siebenköpfigen Gruppe sehr gut kennt: Ihr Produzent Walter Widemair.

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Der ‚Bild‘ verriet der 54-Jährige jetzt: „Der Erfolg der Band ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut“. Und Widemair sollte es wissen: Er ist nicht nur der Produzent und Erfinder der Spatzen, Widemair ist auch ihr Komponist und auch Trompeter. „Ich habe den Betrug immer für mich behalten, aber ich kann nicht länger mit dieser Lüge leben“, so Widemair weiter. „Der Erfolg der Spatzen, ihre Gold- und Platin-Auszeichnungen, die 13 Echos – ALLES IST ERSCHWINDELT!“

Ein Vorwurf, der schwerer nicht sein könnte. Alles erinnert an den Skandal um das Pop-Duo ‚Milli Vanilli‘, die in den 80er Jahren nur Marionetten waren und keine einzige Silbe selbst gesungen haben. Als der Schwindel aufflog, war die kurze, aber steile Karriere der beiden von einem Tag auf den anderen beendet.

Sollten die Vorwürfe des Produzenten Norbert Widemaier sich bewahrheiten wären zahlreichen Fans sicher sehr enttäuscht
Um die erfolgreiche Gruppe 'Kastelruther Spatzen' spinnt sich derzeit ein Riesenskandal © picture-alliance / Eventpress He, Eventpress Herrmann

Die Kastelruther Spatzen sind allerdings schon seit 30 Jahre erfolgreich und überaus beliebt. Doch wenn sie selbst auf keiner CD ihre Instrumente selbst gespielt haben, wer war es dann? „Das waren hervorragende Studiomusiker. Ich selbst habe von Beginn an Trompete geblasen, der Gitarrist von Howard Carpendale und der Schlagzeuger der ‚Söhne Mannheims‘ waren auch mal dabei. Aber niemals einer von diesen Bierzeltmusikanten, die sich Spatzen nennen“, plaudert Widemair weiter aus dem Nähkästchen.

Und was ist mit den vielen Live-Auftritten der Band? „Da hört man genau, dass die Spatzen nur durchschnittlich spielen. Ich habe mich oft für die unsägliche Schrammelei geschämt“, gesteht der Produzent. ‚Bild‘ konfrontierte ‚Chef-Spatz‘ Norbert Rier mit den Vorwürfen: „Das mit den Studiomusikern machen wir, um Kosten zu sparen. Außerdem wollen wir immer eine perfekte Produktion abliefern und das geht nun mal nicht anders“, gesteht der Sänger.

In einer offiziellen Stellungnahme wehren sich die Musiker gegen die Vorwürfe: "Die Studioaufnahmen der Kastelruther Spatzen wurden immer hochwertig produziert. Es wurde mit Tontechnikern und Arrangeuren gearbeitet und wie bei allen professionellen Produktionen wurden auch Studiomusiker eingesetzt. Die mitwirkenden Musiker wurden

immer im CD-Booklet veröffentlicht und sind dort nachzulesen." Die Kastelruther Spatzen sind vom ihrem Produzenten enttäuscht: "Dass er jetzt sein Vertrauensverhältnis missbraucht und eine werbewirksame Schlagzeile für sein Buch nutzt, ist beschämend."

In mehr als 3.0000 Konzerten habe die Band einem Millionen-Publikum bewiesen, dass jeder Ton live gespielt werde und dass sie überdurchschnittliche Musiker seien, betonten die sieben Mitglieder in der Erklärung. Für Sänger Norbert Rier ist klar: "Es gibt immer wieder Wegbegleiter, die aus Eigeninteresse den Kastelruther Spatzen schaden wollen und das ist für uns eine große, persönliche Enttäuschung."

Bildquelle: dpa

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