Karoline Herfurth: Kein Thailand-Dreh? Gar nicht schlimm!

Karoline Herfurth: Kein Thailand-Dreh? Gar nicht schlimm!
Karoline Herfurth beim Deutschen Filmpreis 2015 in Berlin © ddp images

Karoline Herfurth (31, "Traumfrauen") ist in Deutschland schon in viele Rollen geschlüpft, ihre Figur der strebsamen und leichtgläubigen Lehrerin Lisi Schnabelstedt in "Fack ju Göhte" gehört aber sicherlich zu ihren sympathischsten. Diese Woche läuft der zweite Teil des Überraschungs-Hits von 2013 an, Fans können sich wieder auf jede Menge grammatikalisch inkorrekte Sprüche und actionreiche Hau-Drauf-Szenen freuen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Herfurth, warum diese Art von Humor ihrer Meinung nach so gut ankommt. Außerdem verrät die Schauspielerin, warum sie ein bisschen erleichtert war, als der Cast ohne sie nach Thailand geflogen ist.

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Kinostart "Fack ju Göhte 2"

 

Im Film fahren Sie nicht mit auf Klassenfahrt, warum musste Lisi Schnabelstedt zuhause bleiben?

 

Karoline Herfurth: Zeki sollte mit der 10b einfach noch überforderter sein, deswegen musste Lisi zuhause bleiben. Ich war natürlich ein bisschen traurig, als die anderen ohne mich verreist sind - aber ich war auch ein klitzekleines bisschen erleichtert, als ich von der Hitzewelle und der Magen-Darm-Epidemie bei den Dreharbeiten erfahren habe.

 

Beim Publikum kommt am Ende vor allem viel Spaß an. Warum funktioniert diese Art von Humor, vielleicht auch der Humor von Regisseur Bora Dagtekin, wohl so gut?

 

Herfurth: Bora hat ein sehr gutes Gespür dafür, er schaut sehr genau hin. So erschafft er Welten, die er auf eine sehr liebevolle Art überzieht. Trotzdem hat das Ganze aber noch etwas mit der Realität zu tun. Er verrät seine Figuren auch nie, man kann sie immer lieben. Ich denke, diese Mischung macht es auch aus, dass die Menschen so berührt werden.

 

Welche Rolle spielen dabei Klischees?

 

Herfurth: Es gibt natürlich eine Menge Klischees in "Fack ju Göhte 2", aber Klischees und Komödien gehören ja auch ein bisschen zusammen. Ich würde es eher eine Überhöhung von Klischees nennen, Bora bleibt dabei immer ironisch. Das heißt, er behandelt Klischees immer augenzwinkernd, verkackeiert sie sozusagen.

 

Sehen Sie denn Ihre eigene Schulzeit im Film?

 

Herfurth: Wir waren eine sehr laute Klasse. Ich glaube, die Lehrer sind nicht gerne zu uns gekommen. Ich war aber trotzdem eine kleine Streberin.

 

Waren Sie die Lieblingsschülerin der Lehrer?

 

Herfurth: Das würde ich nicht sagen. Ich habe gerne gelernt, war aber auch eine kleine Klugscheißerin. Aber eine interessierte Schülerin, was vielleicht für jeden Lehrer erst mal angenehm ist.

 

Hätten Sie sich als Schülerin einen Lehrer wie Zeki Müller gewünscht?

 

Herfurth: Unsere Klasse war einfach anders als die 10b. Ich war aber sehr zufrieden mit meinen Lehrern, überhaupt war die Schule eine wahnsinnig tolle Zeit für mich. Mein Abi-Jahr war eines der tollsten und interessantesten Jahre überhaupt. Insofern kann ich mich nicht beschweren.

 

Hätten Sie sich denn auch vorstellen können, selbst Lehrerin zu werden?

 

Herfurth: Ich habe einmal meinem kleinen Bruder und einem seiner Kumpel eine Nachhilfestunde gegeben - ich werde diesen frustrierten Blick nie wieder vergessen. Das war mit Sicherheit eine der verheerendsten Stunden, die sie je hatten. Es war Russisch. Ich liebe es, bin aber kläglich gescheitert. Ich denke, da war klar, dass ich dafür nicht gemacht bin. Früher wäre ich gerne Ärztin geworden, aber dann ist das mit der Schauspielerei gekommen.

 

Haben Sie das jemals bereut?

 

Herfurth: Nein. Naja, ab und zu schon, wie das bei jedem Beruf ist. Die meiste Zeit aber nicht.

 

Im Film sprechen Sie im Rahmen einer Schul-Kampagne einen Werbespot ein. Denken und hoffen Sie, dass so etwas das Ansehen des Lehrerberufs steigert?

 

Herfurth: Ich hoffe sehr, dass es insgesamt positives Licht auf den Beruf wirft und ihm einfach mehr Aufmerksamkeit schenkt. Das Prestige von Lehrern sollte dringend angehoben werden.

 

Sollen die Zuschauer das - abgesehen vom Spaß - am Ende auch mit nach Hause nehmen?

 

Herfurth: Ja, dass die Schule ein toller und wichtiger Ort ist, sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Letztere haben eine der wichtigsten Funktionen innerhalb unserer Gesellschaft. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die 10b im Film auch zurück zu ihren echten Gefühlen geführt wird, zurück zu ihrem Herzen. Ich hoffe, das kommt an.

 

Hatten Sie nach dem ersten Teil Angst, dass der zweite Film die Erwartungen nicht erfüllt? Wie groß war der Druck?

 

Herfurth: Auf mir als Schauspielerin lastet da eigentlich kein besonderer Druck. Natürlich wünscht man sich, dass die Zuschauer wieder Spaß im Kino haben. Mir persönlich war wichtig, dass das Publikum wieder Lisi Schnabelstedt sieht. Wenn man so eine Figur erlebt und ins Herz geschlossen hat, dann will man sie auch wiedersehen und keine völlig neue Person vorgesetzt bekommen.

 

Denken Sie, Lisis Großherzigkeit, ihre Leichtgläubigkeit ist eine Stärke oder eher eine Schwäche?

 

Herfurth: Ich kann mir Großherzigkeit niemals als Schwäche vorstellen. Ich bin selbst auch etwas leichtgläubig, aber lieber leichtgläubig und großherzig, als zynisch und kleinherzig. Ich gebe lieber an falsche Leute zu viel, als an die richtigen Menschen zu wenig.

 

Engagieren Sie sich für Flüchtlinge?

 

Herfurth: Das ist für mich ein sehr großes Thema. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht darüber nachdenke. Es ist ein erschütternder Umstand, und ich bin froh, dass er hier ankommt, dass uns allen die Lage bewusst wird, die es seit Ewigkeiten so gibt. Ich finde es gut, dass wir aufwachen. Wir als Wähler in Europa müssen diese Situation ändern. Das muss uns allen klar sein, jeder einzelne muss tun, was er kann. Ob es Geld und Spenden sortieren oder sonst etwas ist: Diese Menschen müssen aufgefangen, willkommen geheißen und in die Gesellschaft integriert werden. Dafür müssen auf allen Ebenen Mittel geschaffen werden, politisch und mit Menschlichkeit. Ich selbst möchte in einer Einrichtung in Berlin, "Moabit hilft", Spenden sortieren. Ich habe viele Sachen aussortiert und einen Dauerauftrag für diese Organisation eingerichtet.

 

Wie haben Sie die Situation am Münchener Hauptbahnhof erlebt?

 

Herfurth: Als ich dort angekommen bin, habe ich sehr viele Flüchtlinge gesehen, auch mit Kindern. Wir können jetzt in keiner Blase mehr leben, diese Zeiten sind vorbei. Dafür bin ich dankbar. Das ist eine sehr brennende Situation, die wir so schnell wie möglich lösen müssen.

spot on news

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