Justin Timberlake als Actionheld: 'In Time'

Amanda Seyfried mit roter Perücke
Kaum wieder zu erkennen: Amanda Seyfried

3 von 5 Sternen

Vom Boybond-Schnulli zum ernstzunehmenden Musiker und neuerdings auch Schauspieler – Justin Timberlake hat sich gemausert und mit Filmen wie 'Alpha Dog' oder 'The Social Network' sogar die Kritiker überzeugt. Doch kann er auch als Actionheld in Andrew Niccols düsterer Zukunftsvision 'In Time' überzeugen?

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Vor allem viel rennen musste Justin Timberlake für seine erste Hauptrolle in einem SciFi-Thriller. Denn ihm läuft ständig die Zeit davon. Er spielt den jungen Will Salas, der sich in einer nicht näher bezifferten Zukunft als Tagelöhner verdingt. Zeit, nicht Geld, ist nun die Währung auf der Erde. Die genmanipulierten Menschen werden mit einer digitalen Zeitanzeige im Unterarm geboren. Mit 25 beginnt sie zu laufen. Man altert dann nicht mehr, hat aber nur noch ein Jahr auf der Uhr. Wer seinen 26. Geburtstag überleben will, muss sich durch Arbeit, Diebstahl oder Ausbeutung anderer ein Polster aufs Zeitkonto schaffen. Für die Reichen heißt das: Sie sehen für immer aus wie 25. Die meisten jedoch leben von der Hand in den Mund, auf der Uhr oft nicht mal mehr genug für den nächsten Tag.

So geht es auch Will Salas. Seine hübsche Mutter (gespielt von Olivia Wilde, die drei Jahre jünger ist als Timberlake) hat es bis zu ihrem 50. Geburtstag geschafft, doch eine Mieterhöhung und die Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr kosten sie das Leben. Zu spät hat Will die nötige Zeit besorgt. Und jetzt hat er Ärger damit. Denn die Jahre, die er auf einmal auf dem Unterarm hat, hat ihm ein Lebensmüder (Matt Bomer) vor dem Selbstmord einfach so übertragen.

Justin Timberlake als Actionheld: 'In Time'

Natürlich glaubt Will das keiner, und so wird er bald gejagt, vor allem von Zeithüter Raymond Leon (der richtige Mann für den bösen Cop: Cilian Murphy). Will flieht in die Zeitzone der Reichen und Schönen, gewinnt dort beim Poker eine halbe Ewigkeit, verliert alles wieder und entführt kurzerhand die Tochter des reichsten Mannes der Welt (mit roter Pagenkopf-Perücke kaum wieder zu erkennen: Amanda Seyfried). Nun rennen sie zu zweit vor der ablaufenden Uhr davon, jetzt aber etwas langsamer, denn das Töchterchen aus gutem Hause hat immer sündhaft hohe Hacken an...

Genau das ist das Ärgerliche an 'In Time': Die ganze Zukunftsvision und die Story sind so kompliziert, dass man sie kaum nacherzählen kann. Hat man sich nach einer dreiviertel Stunde endlich reingesehen und -gedacht, verkommt der Endzeitthriller leider zu einem Abklatsch von 'Bonnie und Clyde', denn nun räumen unser Held und seine ihm mittlerweile zugetane Geisel eine Zeitbank nach der nächsten aus. Dabei hüpfen sie, Miss Seyfried natürlich immer noch auf Zwölf-Zentimeter-Pumps, wie in einem Jump-and-Run-Game von Dach zu Dach. So bleiben die großen Gefühle, die sozialkritische Botschaft und die Logik zunehmend auf der Strecke.

Da hilft es auch nicht, dass Justin Timberlake den Anforderungen seiner Rollen prima gerecht wird und Kameramann Roger Deakins die unterschiedlichen Welten der Zeitzonen wunderbar illustriert. Regisseur Andrew Niccol hat sich bei seinem Drehbuch am Anfang etwas zu sehr verzettelt und am Ende zu sehr auf Action gesetzt. Auch wenn der Film abwechslungsreiche und spannende Unterhaltung bietet, bleibt Niccol deutlich hinter dem Maßstab zurück, den er 1997 mit der stylisheren und emotional aufwühlenderen SciFi-Vision 'Gattaca' selbst gesetzt hatte.

Von Mireilla Zirpins

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