'Jurassic World' mit Chris Pratt und Bryce Dallas Howard: Männer, die in Mäulern verschwinden

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Jurassic World: Blutbad im Vogelgehege
Blutbad im Vogelgehege: Der Indominus Rex lässt nichts als Chaos zurück

4 von 5 Punkten

22 Jahre nach dem Original ist es endlich wieder so weit: Der wohl berühmteste Freizeitpark in der Geschichte des Kinos öffnet erneut seine Pforten - 'Jurassic Park' geht in die vierte Runde. Und auch dieses Mal stellt sich die Frage, wie man das Original noch toppen will, das längst als Klassiker gilt und neue Maßstäbe bei den Spezialeffekten gesetzt hat. Was für eine Mammutaufgabe das ist, zeigt schon die Entstehungsgeschichte des Films. Eigentlich sollte 'Jurassic World' bereits 2005 erscheinen. Doch es gab Theater beim Drehbuch, dann starb 2008 Drehbuchautor und Verfasser des Originalromans Michael Crichton. Und haben wir schon erwähnt, dass es anschließend Probleme mit dem Drehbuch gab?

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Kein Wunder: Schon 1993 meinte man förmlich, den heißen Atem des Tyrannosaurus auf der Haut spüren zu können, als der sein Maul aufriss. Und wer wagte es bitte zu blinzeln, als die Raptoren die Kinder durch die Küche scheuchten? Was soll man also heute den verwöhnten Zuschauern bieten? Das fragt sich auch die ehrgeizige Claire (macht das Beste aus ihrer Rolle: Bryce Dallas Howard), die den Laden am Laufen halten muss. Denn die Macher von 'Jurassic World' übertragen ihre eigene Problematik geschickt auf ihre Protagonistin: 22 Jahre nach der Katastrophe auf der Isla Nublar hat der Themenpark tatsächlich geöffnet und lockt jährlich Millionen von Besuchern an. Doch mittlerweile ist ein Stegosaurus für die Besucher nicht mehr spektakulärer als ein Elefant und der Triceratops-Streichelzoo reißt auch niemandem mehr vom Hocker - die Absätze schwächeln.

Deshalb wird unter Leitung von Dr. Henri Wu (BD Wong) eifrig im Gen-Labor herumgerührt, um eine neue Attraktion zu präsentieren. Größer, schneller, gefräßiger und bitte einen nicht allzu komplizierten Namen soll sie haben. Das Ergebnis ist der Indominus Rex. Der frisst erst mal seine Schwester und ist obendrein so schlau, dass er – wie könnte es anders sein - aus seinem Gehege entkommt. Da muss Owen Grady (gar nicht trottelig und beste Leistung des Films: Chris Pratt) ran. Was Dr. Grant im Original war, ist er in 'Jurassic World'. Ein hemdsärmeliger Typ, der im Park als Fachmann für Tierverhalten weiß, wo's lang geht und Sätze sagt wie "Bring die Kinder in Sicherheit" oder "Wir müssen jetzt schnell irgendwo rein, folge mir". Zudem beschäftigt er sich mit Velociraptoren, die mit ihm als Alpha-Tier aufgewachsen sind.

Und die sind genau wie der Rest ihrer Artgenossen brillant dargestellt: Die mattgrün schimmernde Haut, der Aufschlag eines gelb-grünen Echsenauges, der Speichel im aufgerissenen Maul – wow. So ist man als Zuschauer während eines großen Teil des Films einfach nur mit Glotzen beschäftigt, denn auf dieser Ebene ist 'Jurassic World' äußerst kurzweilig. Im Gegensatz zum Original wird nicht lange gefackelt, bis es die ersten Dinos zu sehen gibt. Auch im weiteren Verlauf wird der Zuschauer durch spannende Verfolgungsjagden und schön anzusehende Saurier-Kämpfe bei Laune gehalten, die nicht viel Raum zum Verschnaufen lassen.

Owen Grady und Claire in Jurassic World
Owen Grady (Chris Pratt) findet ein Zahn-Souvenir

Das wirkt sich leider zulasten der Charaktere aus: Trotz zweistündiger Laufzeit wird der Zuschauer kaum mit den Protagonisten warm. Am sympathischsten ist da noch Raptorenflüsterer Owen. Ansonsten wirkt es relativ beliebig, welcher der Mitarbeiter im Maul des nächsten Viechs verschwindet. Allzu blutig geht es übrigens nicht zu, die Kamera schwenkt in den blutigen Szenen jedes Mal rechtzeitig weg, so dass auch die kleineren Zuschauer nicht ständig die Hände vors Gesicht halten müssen.

Wie sehr der Film letztendlich überzeugt, hängt also auch von der Erwartungshaltung ab, mit der man in den Film geht: 'Jurassic World' ist kurzweiliges und absolut unterhaltsames Actionkino, gleichzeitig aber ohne Tiefe mit viel Popcorn-Elementen. Wenn in Ruhe herumgeknutscht wird, während ringsherum hungrige Flugsaurier die panisch durcheinander stürmenden Besucher vom Boden pflücken, wirkt das auch im größten Blockbuster einfach lächerlich. Wie der Stoff zudem für zwei weitere angekündigte Fortsetzungen reichen soll, bleibt bis auf Weiteres das Geheimnis der Crew um Produzent Steven Spielberg. Im Ranking der bisherigen Teile sichert sich der Film aber einen soliden zweiten Platz.

Kinostart: 11. Juni 2015

Genre: Science Fiction

Originaltitel: Jurassic World

Filmlänge: 124 Minuten

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