Jump & Run mit Schleimer-Aliens: 'Die Jagd zum magischen Berg'

Jump & Run mit Schleimer-Aliens: 'Die Jagd zum magischen Berg'

Von Mireilla Zirpins

Seien Sie ganz ehrlich: Wenn Sie ein Alien wären und bei einer friedlichen Mission auf der Erde plötzlich Stress bekämen und einen Beschützer bräuchten, würden Sie dann nicht gern an einen Typen wie Dwayne „The Rock“ Johnson geraten? Er sieht zwar aus wie ein Schrank, aber so ist das nun mal, wenn man vorher Wrestler war. Diese Jungs wollen meist nur spielen, tun bei den Kämpfen eh nur so als ob und können sich mit ihren durch Anabolika modellierten Muskelpaketen auch nur im Ring richtig bewegen. So einer tut einem wahrscheinlich nichts, kann aber Feinde durch seine Statur erstmal wirksam abschrecken.

Ein Riesenglück also für die beiden Blondschöpfe (AnnaSophia Robb aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und Alexander Ludwig aus „Wintersonnenwende“) vom einem anderen Stern, dass sie sich ausgerechnet auf den Rücksitz von Jack Brunos (Johnson) Taxi geschlichen haben. Den etwas abgehalfterten Fleischberg kann nichts mehr schockieren. Gerade erst hat er zwei Sternenkrieger in voller Montur zu einem „Star Wars“-Kongress gefahren und fast von dubiosen Typen aus seiner Vergangenheit aufs Maul gekriegt. Da können ihn zwei Kids mit beseeltem Lächeln und etwas zu blonden Haaren nicht mehr wundern, auch wenn sie ein bisschen viel dummes Zeug schwatzen. Zudem haben die zwei reichlich Bargeld dabei. Warum sollte er sie also nicht bei Mutti und Vati abliefern?

Bruno kann ja nicht ahnen, dass den beiden ihr Ufo über der Wüste von Nevada abgestürzt ist und sie nun von einem Darth-Vader-Verschnitt gejagt werden. Doch bald hat er den Widersacher in Plastikschale dicht auf den Fersen, und das an UFOs immer interessierte US-Militär gleich dazu. Gut, dass die beiden Extraterrestrischen über magische Kräfte verfügen, denn allein mit Brunos schon etwas in die Jahre gekommenem Funkmietwagen könnten sie gegen ihre High-Tech-Feinde kaum etwas ausrichten. Mehr muss man zur Handlung, die zu einer einzigen Jump-and-Run-Flucht mutiert, nicht mehr sagen – außer, dass Dwayne Johnson noch mit Carla Gugino als Wissenschaftlerin Alex eine halbwegs gut aussehende Helferin zuläuft.

- Anzeige -
Jump & Run mit Schleimer-Aliens: 'Die Jagd zum magischen Berg'

Diese Hatz hat Regisseur Andy Fickman, der schon bei „Daddy ohne Plan“ mit Dwayne Johnson zusammenarbeitete, immerhin spannend inszeniert, aber zu unblutig für Erwachsene und ein bisschen zu bedrohlich für die Kinder, die Disney mit diesem Sci-Fi-Abenteuer ins Visier nimmt. Zuschauer über zwölf werden zudem von den Spezialeffekten enttäuscht sein und genervt von den beiden Kindern, die als Helden einfach eine Spur zu clean und schleimig sind. Sie würden besser auf eine Packung Kinderschokolade passen. Ex-Wrestler Johnson wird zwar kein Charakterdarsteller mehr, spielt seinen Part aber glaubwürdig. Leider müssen die Akteure zu oft wie erstarrt stehen bleiben und unbekannte Flugobjekte oder ihre Feinde anstarren. Ein wenig mehr Abwechslung darf man schon erwarten, selbst in einem Film für kleine Jungs.

Immerhin darf man ab und zu lachen, wenn die kleinen Aliens Bruno trockene Sprüche reindrücken oder mit ihrem bulligen Beschützer das Sternenkrieger-Treffen in Schutt und Asche legen. „Best convention ever“, raunt einer der „Star Wars“-Nerds ergriffen. Tja, so ein Superlativ wäre bei der „Jagd zum magischen Berg“ nicht angezeigt. Man bekommt nur, was das Plakat verspricht: einen einfachen, ehrlichen Abenteuerfilm, der mehr auch gar nicht sein will, schön keimfrei mit ein paar braven Kinder-Aliens und einem nicht allzu brutalen Fiesling aus Vollplastik. Und mit einem echten Helden, dem man sich als Alien glatt anvertrauen kann, als Cineast eher nicht.

— ANZEIGE —