'Julieta' mit Emma Suárez: Neues Drama von Pedro Almodóvar kann nicht an alte Erfolge anknüpfen

Julieta
Julieta (Adriana Ugarte) lernt im Zug ihrer zukünftigen Mann kennen. Foto: Tobis © DPA

Mit seiner frivolen, quietschbunten Flugbegleiter-Komödie "Fliegende Liebende" erlebte Regisseur Pedro Almodóvar (66) vor drei Jahren eine veritable Bruchlandung an den deutschen Kinokassen. Die harmlose Posse sollte erkennbar an die tabulosen, anarchistischen Chaos-Komödien des Spaniers aus den 1980er Jahren anknüpfen, erschöpfte sich aber leider in flauen Gags.

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Jetzt hat Almodóvar eine Kehrtwendung um 180 Grad vollzogen: In seinem neuen Film "Julieta" geht es in jeder Einstellung betont ernst und bedeutungsschwanger zu. Aber mit diesem viel zu konstruiert wirkenden, oft schlichtweg bleiernen Mutter-Tochter-Drama gelingt es Almodóvar trotz einiger starker Momente leider nicht, an seine großen Melodramen wie "Sprich mit ihr" oder "Volver - Zurückkehren" anzuknüpfen.

Im neuem Film nach Almodóvars eigenem Drehbuch, basierend auf einigen Kurzgeschichten von Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro, regieren der Zufall und die Tristesse: Die früh verwitwete Mutter Julieta (Emma Suárez) hat sich in ihrer freudlosen Existenz eingerichtet. Von ihrer einzigen Tochter Antia hat sie seit vielen Jahren nichts mehr gehört. Plötzlich trifft sie auf der Straße in Madrid eine ehemalige Jugendfreundin ihrer Tochter, die erzählt, dass Antia verheiratet ist und auch Kinder hat.

Auf der Stelle krempelt Julieta ihr Leben um. Eigentlich wollte sie mit ihrem Freund Lorenzo nach Portugal ziehen. Stattdessen gibt Julietas ihre durchgestylte, sterile Wohnung auf und zieht in ihr altes Apartment voller Erinnerungen - und beginnt zu schreiben.

In langen Rückblenden entfaltet sich ihre düstere Lebensgeschichte. Die junge Lehrerin Julieta, gespielt von Adriana Ugarte, verliebt sich unsterblich in den Fischer Xoan (Daniel Grao). Aber die Liebe steht unter keinem guten Stern. Kurz bevor Julieta ihren Lover in einem Zug zum ersten Mal trifft, kommt es zu einem rätselhaften Unfall mit Todesfolge. Die gemeinsame Tochter Antia muss später erleben, wie ihr Vater bei einem Sturm ertrinkt. Als sie achtzehn wird, verschwindet sie endgültig aus Julietas Leben.

Die Tragödien werden fast schon routiniert und mit bedeutungsschwangeren Vorahnungen abgehakt. Aber Julietas Schicksal lässt uns Zuschauer seltsam unbeteiligt zurück. Um seine unglückliche Protagonistin herum gruppiert Almodóvar noch viel zu viele Nebenfiguren - vielleicht um die Dürftigkeit seines Plots zu kaschieren. Da kommt dann noch Julietas demente Mutter ins Spiel, die von ihrem Ehemann mit einer jungen Krankenpflegerin betrogen wird. Oder eine verhärmte Haushaltshilfe sorgt im Haus des Fischers Xoan für Irritationen. Xoan selbst hat auch noch eine Freundin, die Bildhauerin Ava, deren zerbrechliche Tonfiguren schließlich eine Symbolik entfalten, die mit dem Holzhammer daherkommt.

Die Versatzstücke fügen sich diesmal einfach nicht zu einer emotional berührenden Geschichte zusammen. Einige wenige starke Momente bleiben im Gedächtnis: Wenn sich die verstörte Julieta am Rande eines stillen Sportplatzes etwa in die Vergangenheit zurückträumt, spürt man eine große Trauer und Verlorenheit. Für einen Regisseur vom Kaliber des Oscarpreisträgers Pedro Almodóvar allerdings sind solche Lichtblicke entschieden zu wenig.


dpa

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