Jürgen Drews im exklusiven Interview

Jürgen Drews im exklusiven Interview
Jürgen Drews: "Früher habe ich Schlager gehasst!"

Jürgen Drews - Der 'König von Mallorca' im Exklusiv-Interview

Er ist eine Institution der deutschen Partykultur, hat einen Bekanntheitsgrad ohnegleichen und jeder hat schon zu seiner Musik getanzt: Jürgen Drews. Der König von Mallorca stellt uns sein neues Album “Schlagerpirat” vor. Wir haben einen entspannten und gut gelaunten Herrn Drews vor seinem Auftritt beim “Kölner Oktoberfest” (übrigens stilecht in Lederhose und Karohemd) getroffen und ihn zu Fluch und Segen der Schlagerbranche, Kollegen und einem möglichen Ausflug in eine Casting-Jury befragt.

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von Nicole Feybert

Hallo Jürgen, wie war dein Tag?

Jürgen Drews: Ich komme gerade von Zuhause, war gestern in Mailand und bin von dort aus in die Schweiz für einen Außendreh gefahren. (Jürgen Drews stimmt seinen neuen Song an:) “Wenn die Wunderkerzen brennen ...“

Dein neues Album heißt “Schlagerpirat” - wieso 'Pirat'? Dein Titel ist doch 'König' ...

Jürgen Drews: Kann ich dir sagen: Ich wollte Johnny Depp mal zeigen, dass es noch einen anderen Piraten gibt – und der heißt Jürgen (lacht). Im Ernst, der “König von Mallorca” hat zehn Jahre lang Party gemacht, weil mir das so Spaß gemacht hat. Da sagte mir vor 4 Jahren ein DJ „Jürgen, mach doch noch mal so was wie ‚Irgendwann irgendwo irgendwie sehen wir uns wieder ...’“

Das ist ja sehr schlageresk. Ich finde Schlager okay, und es macht mir auch Spaß, wenn ich den singe. Aber wenn ich nur so was singen würde, wäre mir das zu langweilig. Deshalb bleibe ich der Partymusik auch erhalten. Und was den “Piraten” angeht: Ich tauche nur mal in dieses Terrain des Schlagers hinein, das ist ganz lustig. Und auf einmal bist du wieder drin. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist! Nur noch etwas besser. Das ist nämlich das Schöne am Schlager: Er ist beständig. (Es folgt eine zweite Darbietung von “Wenn die Wunderkerzen brennen …“ )

Die Schlagerbranche wird ja auch oft belächelt. Ärgert dich das?

Jürgen Drews: Ich habe Schlager früher gehasst. Seit vierzig Jahren weiß ich aber, dass Schlager nicht nur einen Stellenwert hat, sondern auch Spaß macht. Wenn ihr euch mal anseht, was passiert, wenn ich das “Schloss” singe, das ist ein Schlager mit partyesker Basis, dann wisst ihr, was da möglich ist. Jugendliche, die anschließend die Black Eyed Peas hören, sagen: „Beim Partymachen singen wir auch einen Schlager”. Da gehört Schlager hin und da wird er immer bleiben. So wahr ich hier sitze ...

Jürgen Drews im exklusiven Interview
Jürgen Drews: "Ich blocke einiges an Auftritten ab, weil ich lieber im Studio sitze."

Gibt’s eigentlich etwas Neues, was den Diebstahl deiner Sachen auf Mallorca betrifft?

Jürgen Drews: Ramona hat mir heute noch vorgelesen, das Verfahren sei hier in Deutschland eingestellt worden. Was soll ich auch machen? Meine erste Anzeige habe ich natürlich in Deutschland gemacht, sofort als mir aufgefallen ist, dass meine Taschen aus dem Wagen entwendet wurden. Ich musste aber nach Köln fliegen! Ich hatte dann nur noch nur zwei Dinge, um mich auszuweisen: einen abgelaufenen Personalausweis und die VIP-Karte von Air Berlin. Ich hatte nichts mehr! Kein Laptop, kein Handy. Dadurch, dass man meine Nase zum Glück schon mal gesehen hat, konnte ich wenigstens telefonieren (lacht). Gelacht habe ich da allerdings nicht - und 14.000 Euro waren weg. Das muss man sich mal vorstellen: Ich stehe also in der Mega-Arena auf der Bühne, und um halb drei hat der Geschäftsführer der Mega-Arena meine Tasche genommen und in den Wagen gestellt. Und nicht in den Kofferraum, wo man so schnell nicht rankommt. Als ich zurückkam, habe ich die Tasche nicht gesehen und dachte, sie ist im Kofferraum. Deshalb habe ich erst zu Hause gemerkt: Die Tasche ist futsch. Das ist die Geschichte. Normalerweise habe ich auch nie Geld da drin. Das waren Abschlagszahlungen der Tour, und ich kam nicht mehr zur Bank. In Zukunft wird das nicht mehr passieren. Ich werde gar nicht mehr in bar abrechnen. Für alle, die das lesen: ich werde KEIN Geld mehr dabei haben. Auch heute nicht, ich geh auf die Bühne und fertig.

Ab jetzt also nicht mehr als 50 Euro in der Tasche?

Jürgen Drews: Das ist mir noch zu viel! Jetzt ohne Flachs ... Ich bin ja dafür bekannt, dass ich nie Geld bei mir habe. Alle lachen sich immer tot, ich habe manchmal in meiner Geldbörse nur fünf Euro. Einmal ist mir passiert, dass ich nur einen Euro mithatte.

Alterstechnisch hast du ja die 60 schon weit hinter dir gelassen ...

Jürgen Drews: Ja ja, ich bin eigentlich schon abschaltungsreif ... (lacht)

... nun, andere denken dann daran, kürzer zu treten und die Füße hochzulegen - du bist dagegen wahnsinnig aktiv, hast zig Auftritte und bringst neue Alben heraus. Hast du je daran gedacht, aufzuhören?

Jürgen Drews: Die Hauptarbeit - gottlob kann ich das sagen - besteht darin, zu “blocken”. Das heißt, dass ich diese exorbitant vielen Auftritte eben nicht mehr mache. Heute habe ich mal zwei Shows, das ist aber die Ausnahme. Ich bin jetzt gleich beim Oktoberfest und danach bin ich in der neuen Wendler-Disco “Nina”.

Ich blocke einiges an Auftritten ab, weil ich lieber im Studio sitze und an Ideen feile. Ich habe ungefähr einen Fundus von - ich will jetzt nicht übertreiben, sonst denken alle: „der ist ja wie der Wendler” - ca. 350 Titeln. Fast alles nur Flops … okay! Das hätte Michael Wendler jetzt wahrscheinlich nicht gesagt (schmunzelt). Aber ich überarbeite die Titel zum Teil und hin und wieder findet ein alter Hahn ja dann auch mal ein Korn. Das ist das, was mir Spaß bringt.

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