Jude Law geht nicht fremd in '360' - Filmkritik

Jude Law geht nicht fremd in '360' - Filmkritik
© dpa, PROKINO

3 von 5 Sternen

In seinem neuen Film geht Jude Law NICHT fremd und provoziert so eine Kette von Ereignissen, die weltweit das Leben von Menschen verändert. So versucht der Verleih, Fernando Mereilles‘ Episodendrama „360“ interessant zu machen. Und in der Tat werden gleich Erinnerungen geweckt an Jude Laws Negativschlagzeilen in der Klatschpresse, als er Sienna Miller mit dem Kindermädchen seiner Ex-Frau Sadie Frost betrog oder zuletzt ungewollt Vater wurde nach einem kurzen Techtelmechtel mit Model Samantha Burke.

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Doch leider ist diese Verkaufe ziemlich dick aufgebauscht. Denn Jude Laws Figur entscheidet sich nicht bewusst dazu, nicht fremdzugehen, sondern sein Date mit einer fest gebuchten Prostituierten in einem Wiener Hotel scheitert, weil Moritz Bleibtreu als aufdringlicher Geschäftspartner aufkreuzt, die Situation durchschaut und ihn fortan erpresst. Das treibt den schmierigen Unternehmer zurück in die Arme seiner Frau (Rachel Weisz), die selbst ein Verhältnis mit einem jungen Fotografen hat.

Figuren berühren den Zuschauer nicht

Dessen Freundin (Maria Flor) bekommt Wind von der Affäre, verlässt ihn und will zurück in ihre Heimat Brasilien. Auf dem Flug dorthin begegnet sie einem freundlichen älteren Herrn (Anthony Hopkins), der seine verschwundene Tochter sucht, und einem frisch entlassenen Sittenstrolch (Ben Foster). Und dann sind da noch ein paar andere Figuren, deren Wege sich so konstruiert kreuzen, dass wir Ihnen hier nähere Erläuterung ersparen. Denn der Episodenfilm von Fernando Mereilles (‚City Of God‘, ‚Der ewige Gärtner‘) ist zwar handwerklich sauber, wirkt aber so auf dem Reißbett geplant, dass einen die Schicksale dieser Menschen einfach kalt lassen.

Keiner der Protagonisten wäre so sympathisch, dass man mit ihm mitfühlen könnte, keine der zahlreichen Episoden so spannend, dass man mitfiebern würde. Dazu passiert entweder nichts – oder das absolut Erwartbare. Dass alles hübsch fotografiert ist und Besetzung und Soundtrack vom Feinsten, kann einen da auch nicht umstimmen. Und Jude Law? Zugegeben, uns ist er lieber, wenn er den notorischen Fremdgänger spielt wie in ‚Alfie‘.

Von Mireilla Zirpins

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