Joseph Arthur: Fleißig und zuverlässig gut

Joseph Arthur
Von der Kritik hoch gelobt, wartet Joseph Arthur noch auf den ganz großen Durchbruch. Foto: Ehud Lazin © DPA

Ein Musikerleben ist oft alles andere als gerecht: Für einen Singer-Songwriter, der noch keine schlechte Platte gemacht hat, ist Joseph Arthur jedenfalls viel zu unbekannt.

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Vielleicht liegt es daran, dass der 44-Jährige aus Akron/Ohio auf seinen Soloplatten und in Kooperationen mit gleichgesinnten Indierock-Freigeistern nie den einfachen Weg wählt. Der Mann hat ein enormes Gespür für gute, auch zugängliche Melodien, er kennt die Pop-Historie aus dem Eff-Eff und könnte locker einen Hit aus dem Ärmel schütteln, der ihm Miete und Rente gleichermaßen absichern würde. Aber Arthur ist eben kein 08/15-Rocker.

Auch auf seinen beiden jüngsten, in den vergangenen Monaten erschienenen Werken zeigt der Amerikaner seine Vielseitigkeit und fordert seine Zuhörer - deren Zahl allerdings zum Glück auch gar nicht mehr so gering ist, Arthur hat sich längst einen veritablen Kultstatus als Songwriter für anspruchsvolle Kundschaft erspielt.

"The Family" (Real World/Pias/Rough Trade) wurde im Juni wieder auf dem Label seines alten Förderers Peter Gabriel veröffentlicht. Es ist das erste Album in seiner 20-jährigen Karriere, das der Multiinstrumentalist am Klavier komponiert hat.

Kraftvolle Rockmusik ohne Klischees und Kokolores - 13 Songs ohne Ausfälle (mit den famosen Highlight "You Wear Me Out" und "Hold On Jerry" gegen Ende), angetrieben von noch mehr Piano als üblich. Dazu die variable Baritonstimme von Joseph Arthur, der hier klug über das Thema Familie aus verschiedenen Perspektiven räsoniert. "Ich hoffe, diese Songs werden überall dort Resonanz finden, wo es Familie gibt", sagt der extrem fleißige Künstler (mehr als 20 Studioalben unter eigenem Namen).

Der britische "Observer" verortet Arthur stilistisch in der Nähe von Bob Dylan, Tom Waits und Kurt Cobain - höher kann ein Lob kaum ausfallen. Nach dem Doppelalbum-Meisterwerk "The Ballad Of Boogie Christ: Acts 1 & 2" (2013) und der sensiblen Lou-Reed-Hommage "Lou" (2014) zeigt auch "The Family", warum dieser Singer-Songwriter bei Kennern so geschätzt wird.

Und bei anderen Musikern. Denn neben dem Supergroup-Trio Fistful Of Mercy (mit George-Sohnemann Dhani Harrison und Ben Harper) spielt Joseph Arthur auch bei RNDM mit - dem ähnlich prominent besetzten Projekt mit Jeff Ament von Pearl Jam am Bass und Drummer Richard Stuverud, einem Veteranen aus der Seattle-Grunge-Szene. Das zweite RNDM-Album "Ghost Riding" (Dine Alone/Caroline/Universal) erschien im Frühjahr und ging seinerzeit etwas unter.

Aber es ist ja noch nicht zu spät, diese mit einem knallig-coolen Covermotiv ausgestattete Platte zu entdecken. Sie macht nicht nur Spaß als Nebenprojekt zwischen Alternative-Bombastrock in U2-Nähe ("Stray"), Discofunk-Groove ("Comfortable") und souligen Balladen ("Stronger Man"). Das Album verdeutlicht auch einmal mehr die Vielseitigkeit von Arthur, der Gitarre und Gesang übernimmt. Seine angeraute, eher dunkle Stimme glänzt hier des öfteren mit erstaunlichen Ausflügen ins Falsett ("Got To Survive").

Insgesamt ist "Ghost Riding" ein nicht unbedingt spektakulärer, aber durchaus solider, sympathischer Versuch dreier bekannter Musiker, ihre Freundschaft in elf gemeinsamen Songs zu feiern. Man hört jedenfalls gerne dabei zu.

Im November kommt Joseph Arthur im Rahmen seiner Europa-Tournee für ein Konzert auch nach Deutschland. Am 6.11. spielt er in Köln (Blue Shell).


dpa
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