Josef Hader beobachtet die Spezies Mensch

Josef Hader
Josef Hader © Cover Media

Josef Hader (53) erforscht beim Schreiben das Verhalten der Menschen in Extremsituationen.

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Wie ein Insektenforscher

Der Österreicher ('Silentium') zählt zu den renommiertesten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum und ist auch als Schauspieler und Drehbuchautor erfolgreich. Zurzeit ist er mit seinem neuen Film 'Das ewige Leben' als Detektiv im Kino zu sehen. Auch bei diesem Thriller schrieb er wieder an dem Drehbuch mit. Dabei kann er seiner Leidenschaft - dem Beobachten von Menschen - nachgehen. Die Spezies Mensch liebt Hader nämlich, allerdings eher aus der Perspektive eines Insektenforschers:

"Es ist absolute Liebe, aber wenn man schreibt, besteht eine große Lust auch darin, sich das Ganze mit einem gewissen Abstand anzuschauen. Diese Lust zu beobachten, wie Menschen sich in extremen Situationen benehmen, ist der eines Insektenforschers nicht unähnlich", berichtete er im Interview mit der 'Stuttgarter Zeitung'.

Wie aber lässt sich diese Menschenliebe mit den grauenhaften Kreaturen in seinen Filmen vereinen? "Ich glaube, dass jeder, der sich Abgründe in der Kunst anschaut, oder sie auch selbst fabriziert, damit seine Angst verarbeitet. Wir tun das ja nicht, weil wir diese Leute verachten. Aus irgendeinem Grund mögen wir es als Zuschauer gerne, die Ängste und die Enge der eigenen Existenz projiziert zu erleben. Im Idealfall beschert uns das eine gewisse Leichtigkeit", führte er weiter aus.

So spielt Hader auch in 'Das ewige Leben' erneut mit der Ambivalenz von Gut und Böse. In dem Film kehrt er als typischer Antiheld in der Rolle des abgerissenen Privatdetektivs Simon Brenner in seine Heimatstadt Graz zurück. Sein Gegenspieler ist sein alter Kumpel Aschenbrenner alias Tobias Moretti, der charakterstarke Polizeichef der Stadt. Damit stehen sich zwei gleich starke Protagonisten gegenüber: "Wir versuchen immer, den Gegenspieler vom Brenner auf Augenhöhe und auch sympathisch zu machen, sonst kriegt man die Spannung nicht hin", zitierte 'idowa.de' Hader. Der Gegenspieler ist fast so sympathisch wie Brenner, der zudem einige schlechte Eigenschaften erkennen lässt. Das Publikum spürt Sympathie für den Bösen und "Brenner kann man als typischen Antiheld bezeichnen". Die von Josef Hader gewünschte Ambivalenz ist somit perfekt; davon kann sich das Publikum in 'Das ewige Leben' im Kino überzeugen.

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