Jördis Triebel: Unsicherheit nach dem Mauerfall

Jördis Triebel
Jördis Triebel © Cover Media

Als 1989 die Mauer fiel, weinte die Mutter von Jördis Triebel "Rotz und Wasser".

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Was soll werden?

In der Nacht vom 9. auf den 10. November änderte sich vieles für die damals 12-Jährige. Im Interview mit der 'Bild'-Zeitung sprach die Schauspielerin ('Das Jerusalem-Syndrom'), die 1977 zur Welt kam, darüber: "Wir haben die Öffnung der Grenze am Fernseher verfolgt. Meine Mutter hat Rotz und Wasser geheult, als die Mauer fiel. Einerseits aus Freude, andererseits aus Angst, weil wir nicht wussten, was kommt." Das große Unbekannte machte schlichtweg Angst. "Wir wussten nicht, an welchen Werten wir uns nach dem Ende der DDR orientieren können. Ich war ein zwölfjähriges Kind, das von einem auf den anderen Tag sein Geborgenheitsgefühl verloren hat."

Doch trotz ihrer jungen Jahre erinnert sich die Blondine noch genau an die Tage und Wochen nach dem großen Ereignis: "Die erste Zeit war ein Rausch. Alles war so schnell. Dem Konsumrausch bin ich zunächst auch verfallen. Scout-Schulranzen, das passende Mäppchen, Stifte. Und dann kamen natürlich irgendwann die Klamotten: Jeans, Jeans, Jeans …"

Noch heute lebt die Berlinerin im Osten der Stadt, gemeinsam mit ihrem Mann Matthias Weidenhöfer (28) erzieht sie zwei Söhne. Wie sie ihnen erklärt, dass sie aus einem Staat kommt, den es nicht mehr gibt? Auf jeden Fall kindgerecht: "Ich hab zwei Jungs, die auf Autos stehen. Daran kann ich ihnen ganz einfach erklären, wie die DDR war - anhand der Trabis", grinste Triebel.

Passend zu ihrer eigenen Geschichte spielt die Künstlerin im Ost-West-Drama 'Westen' die alleinerziehende Mutter Nelly Senff, die Ende der 70er-Jahre versucht, gemeinsam mit ihrem Sohn die DDR zu verlassen. Doch statt in der Freiheit landet sie in einem Berliner Auffanglager, in dem sie wegen Spionageverdacht monatelang festgehalten und verhört wird. Der Streifen kommt am 27. März in die deutschen Kinos.

Triebels Wunsch, Schauspielerin zu werden, wurde übrigens durch die Wende begünstigt. Im Gespräch mit 'zitty.de' enthüllte sie, kein Abitur gemacht zu haben, und erzählte: "Ich wusste, ich will auf die Schauspielschule, was sollte ich da mit Abitur? Durch die Wende, ich war damals 12, wurde das noch verstärkt, da war nichts strukturiert. Ich habe mich mit 17 beworben und bei der Ernst-Busch-Schauspielschule ein regelrechtes Kostümfest veranstaltet. Sie meinten: 'Du bist ja ganz niedlich, aber etwas jung. Geh mal arbeiten, schau dir die Menschen an, und dann kommst du in einem Jahr wieder.'" Gesagt, getan, ging der Plan auf: "Mit 18 habe ich mich nochmals beworben und wurde genommen. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens", strahlte Jördis Triebel.

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