Jim Carrey: Ja ist das neue Nein

Jim Carrey: Ja ist das neue Nein

Von Kathrin Pleiss

Nein, nein und noch mal nein. So lautet Carl Allens (Jim Carrey) Devise. Als Bankangestellter lehnt er nicht nur alle Kreditgesuche seiner Kunden ab, nein, Carl findet auch jedes Mal aufs Neue eine (un)passende Ausrede, um sich nicht mit seinen Freunden treffen zu müssen. Lieber sitzt er alleine zu Hause vor der Glotze. Frauen spielen in seinem trostlosen Leben natürlich auch keine Rolle. Kurz: Carl verweigert sich allem, was auch nur ansatzweise Spaß machen könnte. Das ändert sich jedoch schlagartig, als er auf Motivations-Guru Terrence Bundley (Terence Stamp) trifft. Der verpasst Carl eine Art Gehirnwäsche, die das Leben des langweiligen Bankers vollkommen auf den Kopf stellt. Carl sagt jetzt JA! Und zwar zu allem und jedem.

Normalerweise ist der Begriff 'Ja-Sager' negativ behaftet. Doch nicht für Carl Allen. Seit er sich entschieden hat, das Leben positiv anzugehen, läuft alles bestens für ihn. Zwar stimmt er fortan den unmöglichsten Vorschlägen zu, stolpert dabei von einer ulkigen Situation in die nächste, aber Carl ist glücklich. Diesen Zustand verdankt er nicht zuletzt der durchgeknallten Allison (Zooey Deschanel), die er kennen und lieben lernt, weil er einer Spritztour auf ihrem Roller zustimmt.

Außerdem lernt Carl Koreanisch, wird zum Gitarrenspieler, und auch im Job klettert er die Karriereleiter hoch. Carl ist einfach für jeden Blödsinn zu haben: Bungee-Jumping, Kostümparty und Penis-Verlängerung – Carl sagt ja, denn auch Spam-Mails wollen schließlich beantwortet werden. Kleiner Wermutstropfen: Auch die sexuellen Wünsche seiner schrulligen alten Nachbarin muss Carl von nun an erfüllen. Ob er will oder nicht.

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Jim Carrey: Ja ist das neue Nein

Die Rolle Carls ist Jim Carrey auf den Leib geschneidert. Ohne ihn und sein komisches Talent wäre der 'Ja'-Sager wohl zum Scheitern verurteilt, denn der Film ist auf die Ausdrucksstärke seiner Protagonisten angewiesen. Auch wenn Carrey sich körperlich nicht mehr ganz so sehr verausgabt wie noch in 'Ace Ventura' oder 'Die Maske', gibt es wohl keinen Schauspieler, der diese Rolle besser spielen könnte. Carrey präsentiert sich seinen Fans wie sie ihn lieben. Leicht vertrottelt, aber immer den passenden Spruch oder die entsprechende Grimasse auf Lager. Auch Zooey Dschanel macht ihre Sache als quirlige Querschießerin Allison sehr überzeugend. Man nimmt sowohl ihr als auch Carrey ihre schwankenden Gefühlslagen ab.

Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss. Die moralische Keule wird geschwungen, als Carl die Erkenntnis ereilt, dass das Leben als Ja-Sager auch Schattenseiten hat. Immer Ja ist genauso schlecht wie immer Nein. Also muss der liebe Carl lernen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, denn sonst ist sein schönes neues Leben genauso schnell wieder futsch wie seine Allison.

Der 'Ja'-Sager tut keinem weh, wird aber sicher auch kein Meilenstein des Komödienkinos werden. Jim Carrey ist nach seinem jüngsten Ausflug ins Thrillerfach (‚Nummer 23’) wieder zu seinen Wurzeln zurück gekehrt und macht das, was er am besten kann: Gesichtszüge entgleisen lassen und trotzdem liebenswert sein, unterhaltsames Popcorn-Kino ohne Anspruch auf einen Platz auf dem Kino-Olymp.

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