Jennifer Lawrence will genauso viel Geld wie ihre männliche Kollegen

Jennifer Lawrence will mehr Geld für ihre Rollen sehen.
Jennifer Lawrence will mehr Geld als ihre männlichen Kollegen. © Getty Images

von Rebekka Kaiser

In einem offenen Brief beklagt sich Jennifer Lawrence (25), monetär nicht ausreichend für ihre Filmrollen entlohnt zu werden. Sie ergießt sich in einem recht selbstbewussten Ton über die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern in der Traumfabrik. Ihre unverhohlenen Worte wirbeln mächtig Staub auf, denn schließlich ist ausgerechnet die jammernde Jennifer Lawrence laut dem US-Wirtschaftsmagazin 'Forbes' die bestverdienende Schauspielerin des Jahres 2015. Doch Jennifer Lawrence will sich mit einem geschätzten Jahreseinkommen von rund 46 Millionen Euro nicht zufrieden geben – sie will so viel Kohle wie ihr männlicher Schauspielkollege Robert Downey Jr. (50), der etwa 34 Millionen Euro mehr einnahm. Hat sie Recht?

- Anzeige -

Wir alle kennen das Sprichwort: "Nett ist die kleine Schwester von Sch****." Offenbar hat auch Jennifer Lawrence diese Phrase im fernen Amerika schon mal vernommen, denn in ihrem Blogeintrag strickt sie daraus gar eine Lebensphilosophie: Die Schauspielerin schwört der Nettigkeit empört ab, sie war ihr ein schlechter Ratgeber – sie hat sie nicht genug vorangebracht. "Ich habe immer versucht, liebenswürdig zu sein, wenn ich meine Meinung gesagt habe. Sch*** drauf", lautet ihr Fazit dazu.

Die bittere Erkenntnis, dass Nettigkeit nichts bringt, musste Jennifer Lawrence machen, als zahlreiche E-Mails von 'Sony' gehackt wurden. So kam dabei nicht nur ans Licht, in welch gehässigem Ton manch ein Produzent über das Zugpferd seines Kassenschlagers herzieht, sondern auch, wie viel die Stars für ihre Rollen einstreichen. "Ich habe herausgefunden, dass ich viel weniger Geld als die glücklichen Menschen mit einem Schwanz bekam", erklärt Jennifer Lawrence.

Zwölf Geheimnisse über Jennifer Lawrence
Zwölf Geheimnisse über Jennifer Lawrence Hätten Sie DAS gewusst? 00:01:20
00:00 | 00:01:20

Jennifer Lawrence wollte nicht als "verzogene Göre" gelten

Bradley Cooper und Jennifer Lawrence standen für 'American Hustle' gemeinsam vor der Kamera.
Bradley Cooper hat gut lachen, denn er verdient mehr als seine Schauspielkolleginnen. © Getty Images, Jamie McCarthy

Unbestritten verdiente sie für ihre Hauptrolle in dem Drama 'American Hustle' viel. Aber verdiente Jennifer Lawrence so viel wie ihr Kollege Bradley Cooper (40), der an ihrer Seite spielte? Nein! Und das, obwohl Jennifer Lawrence für ihre Rolle als unberechenbare Mafia-Braut sogar mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde. Eine unbezahlbare PR für jeden Film. Jennifer Lawrence wollte in 'American Hustle' unbedingt mitspielen, traute sich aber nicht, über die Gage gründlich zu verhandeln.

Aus unbestimmten Gründen dachte die junge Frau damals, es gehöre sich nicht, fordernd, direkt und hartnäckig aufzutreten. Denn Jennifer Lawrence wollte doch als nett in der Branche gelten, nicht aber als verwöhnte oder gar realitätsferne Diva. "Ich glaube, ich bin nicht die einzige Frau, die solche Probleme hat. Sind wir gesellschaftlich so konditioniert, uns so zu verhalten?", fragt Jennifer Lawrence und spielt darauf an, dass Frauen sich nicht trauen, ihre Gehaltsforderungen gegenüber Männern entschieden durchzusetzen. "Ist es eine anhaltende Gewohnheit, dass wir stets versuchen, unsere Meinung so auszudrücken, dass wir Männer nicht 'erschrecken' oder gar 'ängstlich' machen?"

In einer E-Mail soll ein Produzent eine allzu fordernde Schauspielerin als "verwöhnte Göre" abgetan haben. Zu Recht wirft Jennifer Lawrence dann die entscheidende Frage auf, ob gestandene Männer wie Christian Bale oder Robert Downey Jr. auch solche Stempel aufgedrückt bekommen. Ich teile die Vermutung von Jennifer Lawrence, dass dies wohl eher nicht der Fall ist, sondern sich Produzent und Star wahrscheinlich noch über einen schweren Eichenholztisch mit 40 Jahre alten Whiskey zuprosten und das Handelsgeschick des jeweils anderen bewundern.

Jennifer Lawrence weiß, dass sie sich glücklich schätzen kann, weil sie weit mehr als die Durchschnittsbürgerin verdient. Die Geldbeiträge, von denen der Hollywood-Star spricht, sind für viele Frauen abstrakte, unerreichbare Zahlengebilde. Dennoch ist es eine statistische Tatsache, dass nicht nur in den USA, sondern auch in Europa Frauen für die gleiche Tätigkeit und Position geringfügiger als Männer entlohnt werden. Auch wenn sich die Gehälter in Hollywood in einer anderen Dimension bewegen, ist es eine Ungerechtigkeit, die sich Jennifer Lawrence wagt, offen anzusprechen.

— ANZEIGE —