Jeff Goldblums schwerste Rolle: ‚Ein Leben für ein Leben’

Jeff Goldblums schwerste Rolle: ‚Ein Leben für ein Leben’

Von Mireilla Zirpins

Eine schwarze Komödie über einen Juden, der im KZ wie ein Hund an einer Leine gehalten wird? Das ist kein schlechter Scherz, sondern Paul Schraders Verfilmung eines umstrittenen israelischen Bestsellers von Yoram Kaniuk, die erste deutsch-israelische Koproduktion zu einem Holocaust-Thema. Ein bisschen überengagiert kommt das Projekt, in dem Jeff Goldblum neben internationalen Topstars wie Willem Dafoe und deutschen Leinwandgrößen wie Joachim Król, Moritz Bleibtreu oder Juliane Köhler die Hauptrolle spielt. Aber es ist gut gemeint und zumindest stellenweise sogar gut gemacht.

Als ‚schwerste Rolle seiner Karriere’ hat Jeff Goldblum den Part des Adam Stein bezeichnet, des einstmals gefeierten Berliner Variété-Künstlers, der im Israel der Sechziger in einem Sanatorium für Holocaust-Opfer von seinem KZ-Trauma geheilt werden soll. Doch wie kann man einem Mann helfen, der von seinem Peiniger, dem sadistischen Lagerkommandanten Klein (grausam: Willem Dafoe) wie ein Hund an der Leine gehalten wurde? Einem Mann, der nicht nur auf Knien vor dem Nazi bellen musste, sondern gezwungen wurde, Geige zu spielen, während seine Frau und seine Kinder in die Gaskammer geführt wurden? Kann man jemand therapieren, der das Überleben nicht als Gnade, sondern als Strafe sieht?

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Jeff Goldblums schwerste Rolle: ‚Ein Leben für ein Leben’

Und ist dieses Sanatorium für Überlebende nicht selbst ein Lager, in dem individuelle Regungen unterdrückt werden, das Erinnern und Verarbeiten unmöglich gemacht wird? Ein sehr schöner und provokanter Ansatz für eine Geschichte, die jedoch an den künstlerischen Ambitionen des Regisseurs scheitert. Während die Schwarz-Weiß-Rückblenden ins Berlin der Dreißiger und Vierziger Jahre durch die Bank überzeugen und eine ergreifende Geschichte erzählen, ist der Verfremdungseffekt der satirisch überzogenen, knallbunten Episoden aus der Nervenheilanstalt zu groß.

Etwas zu gewollt versucht Paul Schrader hier einen schwarzen Humor zu etablieren, der dem Zuschauer einmal mehr das Lachen im Halse ersticken soll. Doch wir sind hier ja nicht bei ‚Einer flog über das Kuckucksnest’. Und so wirken Adams SM-Spielchen mit Oberschwester Gina (Ayelet Zurer) ein bisschen albern, manche seiner Mitpatienten wie eine Karikatur. Einzig Joachim Król hat als Wolfowitz einen kleinen Auftritt, aus dem er Großes zu machen versteht. Aber Jeff Goldblum ist als trauriger Clown, der an seiner Schuld zu zerbrechen droht und doch nicht sterben kann, wunderbar deprimierend. Da verzeiht man Schrader, dass seine Inszenierung so kauzig ist, dass sie nicht jedermann gefallen wird.

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