Jeff Bridges als versoffener Babysitter – True Grit

5 von 5 Punkten

Eine Lokomotive fährt dampfend durchs Bild, drei Männer werden am Galgen gehängt und man kann förmlich den Staub schmecken. Schon in den ersten Szenen von ‚True Grit’ befindet sich der Zuschauer mitten im Wilden Westen. Mit ihrem neuen Werk beweisen die Coen-Brüder Ethan und Joel, dass das Western-Genre auch im 21. Jahrhundert noch lange nicht tot ist.

Gleich zehn Mal ist der Streifen für den Oscar nominiert. Nicht zuletzt hat der Film das den Schauspielern zu verdanken, darunter einem genialen Jeff Bridges (‚The Big Lebowski’, ‚Crazy Heart’ ‚Tron Legacy’) und einer ganz jungen Newcomerin, die in Hollywood noch von sich reden machen wird.

Die 14-Jährige Mattie Ross (beeindruckend gespielt von Hailee Steinfeld) ist fest entschlossen den Mord ihres Vaters zu rächen, der von einem seiner Männer, Tom Chaney (gespielt von Josh Brolin), kaltblütig erschossen wurde. Dafür engagiert das Mädchen den raubeinigen und schießwütigen U.S. Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges). Gemeinsam mit Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon, ‚Invictus’, ‚Bourne Trilogie’) machen sich die beiden auf die Jagd auf den Halunken.

Wie man es von den Western alter Tage gewohnt ist, wird viel geschossen, geflucht und massenweise Whisky gesoffen. Dabei kommt aber nicht eine Sekunde Langeweile auf, denn die Coen-Brüder schaffen es, von der ersten Minute einen Spannungsbogen aufzubauen, der sich bis zum Abspann hält.

- Anzeige -

Jeff Bridges und Hailee Steinfeld oscarreif

Als Grundlage für ‚True Grit’ nahm das Regisseur-Duo den Roman von Charles Portis’ gleichnamiger Roman, der 1968 erschien und 1969 erstmals verfilmt wurde. Damals erhielt Cowboy-Legende John Wayne einen Oscar für seine Rolle als Rooster Cogburn. Über 40 Jahre später tritt Jeff Bridges in dessen Fußstapfen und wird ebenfalls prompt für einen Oscar nominiert. Liegt das an der Rolle? Vielleicht, aber definitiv ist Bridges als Rooster Cogburn schwer preisverdächtig. Alkoholisiert galoppiert und ballert er sich mit Augenklappe und kaum verständlichem Gebrabbel als klassischer Anti-Held durch den Film.

Der eigentliche Star ist aber eine ganz andere: Hailee Steinfeld, die völlig zu recht für einen Oscar nominiert wurde, spielt die Rolle der taffen und selbstbewussten Mattie. In ihrer ersten Kinorolle wirkt Steinfeld dabei so überzeugend, dass man kaum glauben kann, dass das Mädchen erst 14 Jahre alt ist.

In der Nebenrolle ist Matt Damon zu sehen, den man so noch nie erlebt hat. Der smarte Agent aus der Bourne-Reihe ist als brummiger Texaner kaum wiederzuerkennen und auch Josh Brolin (‚No Country for Old Men’, ‚Milk’) ist als kaltblütiger Killer optimal besetzt.

Zum Teil ist der Film recht brutal und darum nichts für sensible Gemüter. Sonst ist ‚True Grit’ trotz der einfachen Handlung und wegen der außergewöhnlichen Star-Besetzung nicht nur für Western-Fans ein echtes Highlight, das schon jetzt auf dem besten Weg ist, Kult-Status zu erreichen.

Von Sebastian Schmidt

— ANZEIGE —