Hollywood Blog by Jessica Mazur

Je dicker, desto besser!

Je dicker, desto besser!
Je dicker, desto besser!

von Jessica Mazur

"Jessica, was immer auch passiert, es wird NICHTS gekauft!" Das waren heute die Worte meines Freundes in Oklahoma City! Der Grund, warum er Angst hatte, dass ich meinen Shoppinggelüsten verfallen konnte, war der, dass wir uns auf dem Weg zu einem Auktionshaus befanden und ich gewöhnlich ein großer Fan von Versteigerungen bin. 3-2-1-MEINS, richtig? ;-) Auf dem Auktionsplan standen heute allerdings keine Schmuckstücke, Klamotten oder irgendwelche Sammlerstücke, sondern... KÜHE! In Oklahoma City gibt es nämlich den größten Viehhandelsmarkt der Welt. Mehrmals wöchentlich karren Züchter hier ihre Bullen, Kühe und Kälber an und jeder, der Bedarf an dem Vieh hat, darf zuschlagen. Man könnte also sagen, das Ganze ist ein bisschen so, wie das Sotheby's des Wilden Westens... ;-) Das musste ich mir natürlich einmal live anschauen.

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Alleine der Weg zum Auktionshaus war schon ein Erlebnis für sich. Der führte uns nämlich auf einer Brücke über unzählige Stallungen hinweg, in denen sich das Vieh der einzelnen Züchter befand und sich dort schon mal einer 'Vorab-Musterung' unterziehen musste. Der Auktionsraum selber hatte dann ein bisschen was von einem Theater. Auf der 'Bühne' saßen der Auktionator und seine Mitarbeiter und im Publikum waschechte, kaufwillige Cowboys, inkl. Jeanshemden, Cowboy-Hut und -Boots. Howdy, Partner! Dazwischen befand sich ein Graben, durch den nun eine Kuh nach der anderen gejagt wurde. Eine Schiebetür auf der linken Seite öffnete sich, ein Typ mit einer Fahne wedelte der Kuh vor der Nase rum, um sie hin und her zu scheuchen, bevor die Kuh dann auf der anderen Seite durch eine Schiebetür verschwand. So ein Rindvieh-Schaulauf dauerte nur ein paar Sekunden, reichte aber aus, um jede einzelne Kuh unter den Hammer zu bringen. Das lag in erster Linie daran, dass der Auktionator in der Lage war, ohne Punkt, Komma und Unterbrechung zu sprechen. Unfassbar! Es wird ja immer behauptet, dass wie Frauen so viel reden, aber gegen den Typen sind wir echt alle Engel... ;-)

Da ich aus der Cowboy-Crowd nicht herausstechen wollte wie ein bunter Hund aus einem Schwarz-Weiß-Film, hatte ich mir extra braune Boots angezogen und ein Karo-Tuch um den Hals gewickelt (einen coolen Cowboyhut konnte ich so schnell leider nicht auftreiben). Ich wäre mit meiner Tarnung auch fast davongekommen, wäre mir nicht ein echter Anfängerfehler passiert. Als ein klitzekleines Kalb seine Runde drehte, vergaß ich nämlich kurz, dass ich mich unter einer Horde Kuhprofis befand und mir rutschte ein etwas zu lautes "Oohhh, how cuuuute!" raus. Das Ergebnis: dreißig irritierte Cowboyaugenpaare, die sich auf mich richteten und ein Auktionator, der tatsächlich seine 'Show' unterbrach, um sich zu erkundigen: "Well, young lady and where are YOU from?" Der Mann nahm seinen Kuhhandel erst wieder auf, nachdem ich ihm erklärte, dass ich Deutsche bin und dass ich das kleine Kalb ganz, ganz sicher NICHT kaufen möchte. Hui peinlich! Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich den Rest der Auktion keinen Pieps mehr von mir gegeben habe... ;-)

Gelernt habe ich aber trotzdem etwas. Und zwar, dass die Preise, die der Auktionator aufrief, meistens zwischen 75 und 120 Dollar, nicht pro Kuh, sondern pro Pfund waren. Je schwerer die Kuh war, desto mehr Geld brachte sie ein. Man merke sich also: was die Kühe in Oklahamo angeht, ist "cute" KEIN Kompliment und es gilt die Devise: je dicker, desto besser! Hm... im Grunde genommen also das genaue Gegenteil zu den 'skinny cows' in Hollywood... ;-) Gar nicht so schlecht, das Leben im wild, wild West...!

Viele Grüße aus Oklahoma City!

Jessica Mazur

 

Je dicker, desto besser!
© Bild: Jessica Mazur