Jan Delay im Interview

Jan Delay im Interview
Die obligatorische "Pommes Gabel" darf bei Neu-Rocker Jan Delay im Moment nicht fehlen ... Das neue Album 'Hammer & Michel' ist ab dem 11. April erhältlich.

Jan Delay: "Ein Kind ist die krasseste Anti-Ego-Therapie"

Schublade auf, Künstler rein! Nicht mit Jan Delay. Nach Hip-Hop, Funk, Soul und Reggae mischt der 38-Jährige mit seinem neuen Album ‚Hammer & Michel‘ jetzt den deutschsprachigen Rock auf. Was sich hinter dem Begriff "Dicke-Titten-Sound" verbirgt und warum er seit Geburt seiner Tochter auch mal den Spießer raushängen lässt, hat uns Jan Phillip Eißfeldt im Interview verraten.

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Von Anja Blanuscha

Hallo Jan, ich soll dich von meiner Schwiegermutter aus Hamburg grüßen. Sie ist ein Riesenfan von dir. Wie findest du es, dass deine Musik bei allen Generationen ankommt?

Jan Delay: Ich finde das super. Ich habe kein Problem damit. Mittlerweile haben wir zum Glück eine andere Zeit. Früher war die Musik, die die Eltern gehört haben, ja grundsätzlich uncool. Aber solange die Kids auch noch zu meiner Mucke feiern, ist alles gut.

Auf deinem neuen Album 'Hammer & Michel‘ zeigst du uns deine rockige Seite. Wenn dir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass du mal ein Rock-Album aufnehmen würdest, was hättest du vermutlich geantwortet?

Jan: Ich glaube, dem hätte ich den Vogel gezeigt. Es gab zwar immer coole Rocknummer, die durch die Hip-Hop-Mauern zu mir durchgedrungen sind - von Guns 'n' Roses oder Rage Against The Machine oder Nirvana. Aber Rock, das war vor allem Bon Jovi und Bryan Adams – das habe ich alles gehasst und das hasse ich immer noch. Die Musik ist schrecklich. Aber ab Mitte der 2000er-Jahre kamen einige geile Rockplatten raus - von Wolfmother, Arctic Monkeys, Mando Diao, Queens of the Stone Age - da wurde ich Rockfan. Das hat mich derbe geflasht. Und hättest du mich da gefragt, hätte ich gesagt, ja, das kann passieren, weil ich nämlich damals schon drüber nachgedacht habe.

Du bezeichnest das Ganze ja liebevoll als "Dicke-Titten-Sound" … Was können wir uns darunter vorstellen?

Jan: Der Begriff wird gerne aus dem Kontext gerissen. Ich habe in einem Interview gesagt, dass ich den Rock komplett neu lernen musste. Deshalb mache ich das ja auch, weil ich neugierig bin und Bock auf was Neues habe. Klar, musste ich mich dafür mit Gitarren und Gitarrensounds auseinandersetzen. Ich kann dir alles über Bass Drums erzählen, aber nichts über Gitarren. Und ich habe dabei sehr schnell für mich gemerkt, dass 'Marshall', der klassische Verstärker für eine Rockband, einen Sound bringt, den ich nicht mag – und ich habe das "Penis-Sound" genannt. Das ist für mich Bon Jovi und Bryan Adams. Dann habe ich 'Orange' kennen gelernt, eine andere Verstärker-Marke, die wärmer und mehr nach Vintage, aber trotzdem geil fett klingt. Das habe ich als geile "Dicke-Titten-Sound" bezeichnet. Ich stehe eben nicht so auf Penisse, sondern mehr auf dicke Titten. Deshalb habe ich das so genannt und das wurde aus dem Interview rausgenommen – insofern stimmt es, aber ich kann erklären, was ich damit meine … Es ist dieser warme 70er-Sound, der Klassik-Rock, der nicht unnötig mit Effekten aufgeblasen ist. Da hatte ich nämlich keinen Bock drauf.

Dein Outfit hast du ja auch rocktechnisch aufgepimpt. Wie eng sind für dich Style und Musik miteinander verknüpft?

Jan: Sehr eng. Bei den Bands und Musikern, die mich sozusagen musikalisch aufgezogen haben, hat das immer eine große Rolle gespielt - egal, ob das Hip-Hop oder Funk-Bands waren. Da gab es neben der Musik immer auch die visuelle Ebene und das zu einer Zeit, in der es kein Internet und noch keine Videos gab. Das habe ich wie Muttermilch in mich aufgesogen. Und darum ist es mir wichtig, dass es zu meiner Musik auch eine optische Ebene gibt.

Aber eine Matte lässt du dir jetzt nicht wachsen, oder?

Jan: Nein, das könnte ich gar nicht (lacht).

Wie bekommt dir das Leben mit Kind?

Jan Delay hat sein neues Album 'Hammer & Michel' am Start
Ein bisschen Style muss sein ... Passend zum neuen Album 'Hammer & Michel' hat Jan Delay auch sein Outfit rocktechnisch aufgepimpt.

Du bist Anfang des Jahres Vater einer Tochter geworden. Herzlichen Glückwunsch! Wie bekommt dir das Leben mit Kind?

Jan: Es ist toll, der Super-Flash. Aber es soll nicht Teil dieser Welt werden, über die wir gerade reden und wegen der ich hier sitze. Sondern das ist mein privates Ding. Es ist einfach Wahnsinn, dass es so etwas gibt. Und dass es so eine tolle Frau gibt, die jetzt mit diesem kleinen tollen Wesen zu Hause sitzt und das alles alleine macht. Und ich hocke hier, mache meinen Beruf, was vorher selbstverständlich war. Aber jetzt ist es das nicht mehr.

Hast du denn schon Veränderungen an dir festgestellt? Gibt es Situationen, in denen Jan Delay den Spießer raushängen lässt?

Jan: Wenn ich unterwegs bin, sowie jetzt und mein Ding mache, überhaupt nicht. Aber wenn ich mit ihr zusammen bin, dann auf jeden Fall. Das ist einfach die krasseste Anti-Ego-Therapie, die es gibt. DU bist auf einmal egal, weil sich plötzlich alles nur noch um das Kind dreht – da gibt es tausend Sachen, die sich verändern.

Deine aktuelle Single 'St. Pauli' ist eine echte Feierhymne. Feierst du denn selber auch noch viel?

Jan: Nö, das ist zum Beispiel eine der Sachen, die sich komplett verändert haben. Ich würde gerne, aber es geht einfach nicht. Im Moment muss ich spielen, da kann ich eh nicht feiern. Aber die letzten drei bis vier Monate habe ich nichts gemacht. Als ich dann beim Echo ein paar Drinks genommen hab, hab ich das sofort gemerkt – weil ich nichts mehr gewohnt bin. Das darf ich eigentlich gar nicht erzählen. Also, ich muss wieder mehr saufen!

Aber man verpasst auch nichts. Das ist etwas, das man dadurch realisiert. Seit der Zwerg da ist, habe ich nicht ein einziges Mal den Fernseher angemacht. Aber ich hatte auch nicht das Bedürfnis. Es ist komplett weg. Vor ein paar Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können, aber es ist so.

Gab es mal einen Moment, in dem du die Musik an den Nagel hängen wolltest?

Jan: Solche Momente gibt es immer wieder. Die sind aber zum Glück von kurzer Dauer und kommen meist nach irgendwelchen Enttäuschungen oder Erkenntnissen. Ich habe mir das ja nie als Beruf vorgenommen, ich bin da so reingerutsch. Es ist toll, dass es funktioniert. Vielleicht geht man deshalb ein bisschen entspannter damit um, weil man nicht sein Leben lang davon geträumt hat. Auf der anderen Seite wüsste ich jetzt nicht, was ich machen würde, wenn‘s mit der Musik nicht mehr so läuft. Aber ich würde garantiert weiterhin irgendwas mit Musik machen.

Weißt du noch, was du dir von deinem ersten Gehalt als Musiker gekauft hast?

Jan: Garantiert Platten oder Equipment.

Welche Frage würdest du dir gerne selber mal in einem Interview stellen?

Jan: Was sagst du dazu, dass Werder Bremen die Champions League gewonnen hat? Oder: Was sagst du dazu, dass deine Tochter die erste Frau in der Weltgeschichte ist, die gleichzeitig den Nobelpreis für Physik bekommen hat, Miss Universe geworden ist und Vorsitzende der UNO ist? Ja, das würde ich gerne mal gefragt werden.

Danke für das Interview.

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