James Last: Tod unter Palmen

James Last: Tod unter Palmen
Noch im April stand James Last auf der Bühne © ddp images

Er war ein Weltstar, den die Jungen gar nicht mehr so recht kennen. Möglicherweise erinnern sie sich an seinen Sound. An die Titelmelodie der ZDF-Serie "Das Traumschiff", an seinen "Happy Party Sound", an seinen Welthit "Biscaya", ein Orchesterstück mit den melancholischen Fernwehklängen eines Akkordeons.

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Er starb in Florida

Millionen (älterer) Deutsche und Musikfreunde in aller Welt werden um ihn trauern: Der legendäre Bandleader James Last ist am Dienstag im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Florida gestorben. Er hatte seit einem Jahr an einer Erkrankung gelitten.

"Wir nehmen Abschied von dem Menschen, Freund und Visionär, der durch seine beeindruckende Kraft und Offenheit, Professionalität, Bescheidenheit und Lebenslust Vorbild sowie Inspiration weltweit für viele Generationen war", heißt es auf der Homepage des Künstlers.

 

Musik bis zum Schluss

 

Noch im hohen Alter stand der schlanke Norddeutsche, der eigentlich Hans Last hieß, vor seiner vielköpfigen Big Band, die er fast regungslos dirigierte. Eine angedeutete Handbewegung, ein Lächeln, ein kaum wahrnehmbares Nicken mit dem Kopf reichten, um die Konzerthallen mit seinem typischen Sound zu füllen.

"Der kühl wirkende Hanseat mit dem verschmitzten Humor verstand es zwar sein Leben lang, zum Tanzen zu animieren, er selbst jedoch steht wie gewohnt nahezu bewegungslos wie sein eigenes Denkmal auf der Bühne. Minimalistische Taktandeutungen der rechten Hand reichen allerdings aus, das 35-köpfige Orchester musikalisch auf Kurs zu halten", schrieb die "Kölnische Rundschau" noch dieses Frühjahr.

Da hatte er seine letzte Tournee - "Non Stop Music" - absolviert. 24 Konzerte in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Österreich und in der Londoner Royal Albert Hall (als Abschluss). Danach sollte Schluss sein, nicht mit der Musik, sondern mit dem kraftraubenden Live-Tournee-Stress, dem er sich seit 1968 regelmäßig ausgesetzt hatte. Er wollte in Florida Ruhe und Kraft tanken.

Der 1929 in Bremen geborene Hans Last wurde in der Heeresmusikschule Bückeburg an Bass und Tuba ausgebildet. Nach Kriegsende spielte er zunächst in amerikanischen Clubs, bevor ihm in den 60er-Jahren mit seinem Orchester der Durchbruch gelang. Besonders in den 70er-Jahren galt James Last als Partykönig. Er schuf Medleys, die fortlaufend populäre Musik in einem charakteristischen Tanzmusikstil darboten. Diese Party-Musik fand ihr Publikum zwischen den Anhängern der damaligen Rockmusik und der traditionellen Tanzmusik.

 

TV-Melodien aus seiner Feder

 

James Last wurde mit Musikpreisen und Auszeichnungen regelrecht überschüttet: Bester Jazzbassist, beliebtestes Orchester, Goldenes Grammophon, Echo fürs Lebenswerk, Goldene Europa, Deutscher Schallplattenpreis, Bundesverdienstkreuz und viele weitere. Dazu kamen 17 Platin-Schallplatten, 207 goldene und elf silberne.

Er komponierte Welthits wie "Biskaya" und "Happy Heart", schrieb in musikalischen Intros der TV-Serien "Der Landarzt", "Das Traumschiff" und "Zwei Münchner in Hamburg" sowie die Filmmusik zu "Morgen um sieben ist die Welt noch in Ordnung", "Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft" und den Soundtrack zur Komödie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken".

Materiellen Reichtum hat er trotz der immensen Plattenverkäufe nie erlangt. James Last wurde das Opfer einiger Anlagebetrüger. Er kaufte Ölbohrtürme, Weingüter und Baumwollfelder in den USA als Abschreibungsmodelle und verlor viele Millionen. Als er 1985 seine Weingüter besuchen wollte, stellte sich heraus, dass sämtliche Projekte gar nicht existierten. Die Folge: die Steuervergünstigungen entfielen, es kam zu großen Nachforderungen. Last musste Kredite aufnehmen und war erst kurz vor seinem 70. Geburtstag wieder schuldenfrei.

 

"Das Musizieren hört nie auf"

 

Vergangenes Jahr erkrankte er an einer lebensgefährlichen Darmentzündung. Bei einer Notoperation wurden ihm 20 Zentimeter Darm entfernt. Trotzdem ging er im Frühjahr wieder auf Tournee.

In seiner Autobiografie "Non Stop Leben" schreibt James Last: "Wenn ich am Ende eines Konzerts von der Bühne abgehe und mich von meinem Publikum verabschiede, rufe ich meistens ins Mikro: ,Wir sehen uns wieder, bis in zwei Jahren!' Bis jetzt habe ich dieses Versprechen immer eingehalten. Vielleicht ist das ja fast so etwas wie ein Beschwörungsritual, vielleicht will ich damit das Leben überreden, immer weiterzugehen - das Musizieren hört nie auf."

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