James Franco spielt im neuen Film von Wim Wender 'Every Thing Will Be Fine' einen Gefühlsautisten

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James Franco in 'Every Thing Will Be Fine'
James Franco spielt den Schriftsteller Tomas © dpa, Donata Wenders

3 von 5 Punkten

Beim Autofahren telefonieren und dabei ein Kind totfahren – was für eine Horrorvorstellung! Genau das passiert James Franco in ‚Everything Will Be Fine‘, dem neuen Film von Wim Wenders (‚Paris, Texas‘, ,The Million Dollar Hotel‘). Franco, der sich in letzter Zeit vor allem durch Klamauk wie ‚The Interview‘ oder ‚Das ist das Ende‘ oder als Bad Guy in ‚Spring Breakers‘ kalauerte, gibt hier eine der sensibleren Darstellungen seiner Karriere: Er mimt den kanadischen Autor Tomas Eldan, der von einer Schreibblockade geplagt wird. Ein Aufenthalt allein in einer eingeschneiten Hütte bringt ihn nicht weiter, die endlosen Beziehungsdiskussionen mit seiner hübschen Freundin Sara (Rachel McAdams, ‚Sherlock Holmes‘, ‚A Most Wanted Man‘) auch nicht. Erst der tragische Unfall ändert das.

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Als Sara ihn wieder mal per Handy cyberstalkt, versucht er, bei einer Fahrt durch eine wunderschöne Schneelandschaft ihren Anruf wegzudrücken. Die eine Sekunde Unaufmerksamkeit genügt, um das Leben mehrere Menschen für immer zu verändern. Tomas‘ Auto kollidiert mit einem Schlitten, der von einem Hügel gerast kommt. Der kleine Junge, den er vor seiner Stoßstange findet, scheint wie durch ein Wunder unverletzt zu sein, wenngleich er unter Schock steht. Doch nach einer unerträglich langen, verstörenden und sehr intensiven Szene, in der Tomas den Kleinen zum Haus von dessen Mutter Kate (Charlotte Gainsbourg, ‚Nymphomaniac‘, ‚Antichrist‘) trägt, erfahren wir, dass unter Tomas‘ Wagen noch das kleine Geschwisterchen des Jungen liegt, für das jede Hilfe zu spät kommt.

James Franco im neuen Wenders-Film
James Franco im neuen Wenders-Film 'Every Thing Will Be Fine' - Trailer 00:01:49
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James Franco hat hier nicht das Zeug zum Frauenversteher

James Franco in 'Every Thing Will Be Fine'
James Franco ist kein Frauenversteher...

Einfühlsam lotet Wenders aus, wie diese Katastrophe den Wendepunkt im Leben aller Beteiligten markiert. Auch wenn alle Beteiligten Tomas versichern, ihn treffe keine Schuld am Tod des Kindes, wirkt er emotional noch stärker blockiert als zuvor. Nach einem halbherzigen Suizidversuch wird interessanterweise seine Karriere als Schriftsteller von dem tragischen Unfall beflügelt, den er für einen Roman ausschlachten und somit auf eine Weise vergolden kann. Illustratorin Kate, die Mutter des verstorbenen Kindes, hat hingegen Schwierigkeiten, ins Berufsleben zurückzufinden.

Für den Zuschauer aber viel schwerer zu verstehen und verdauen ist die Tatsache, dass Tomas emotional nicht annähernd so von den Ereignissen wachgerüttelt wird wie auf der kreativen Ebene. So sensibel seine literarischen Beobachtungen zu sein scheinen, zwischenmenschlich scheint der Mann, der eh nie das Zeug zum Frauenversteher hatte, nun völlig zu versagen. Das macht es dem Zuschauer trotz des nuancierten Spiels von James Franco, der zum Glück hier mal nicht so dick aufträgt, ganz schön schwer, diesen unentschlossenen Mann sympathisch zu finden.

Wer auf große Lovestories und leidenschaftliche Gefühlsausbrüche hofft, wartet hier vergeblich. Die Geschichte lässt sich spannend an, verliert aber am Ende den roten Faden. Das Drehbuch von Bjørn Olaf Johannessen ist wahrlich kein Meisterwerk. Der eigentliche Clou des Films aber sind neben dem feinen Spiel von James Franco die atemberaubenden Bilder von Kameramann Benoît Debie (‚Spring Breakers‘). Durch den 3D-Effekt wirken die Protagonisten noch distanzierter voneinander, die Räume, die sie durchschreiten müssten, um zusammenzukommen noch unüberwindbarer. Wenn Wenders und Debie von außen durch die Fenster filmen und die schönen Menschen in ihren gepflegten Wohnlandschaften doch unbehaust wirken lassen, fühlt man sich wie in einem Gemälde von Edward Hopper. Dafür kann man in Kauf nehmen, dass einen die manchmal etwas unausgegorene Geschichte ratlos zurücklässt.

Kinostart: 2. April 2015

Originaltitel: Every Thing Will Be Fine

Genre: Drama

Laufzeit: 118 Minuten

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